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Dazed and Confused: Ein Kultfilm ganz ohne Handlung

Dazed and Confused - Trailer (Englisch)
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© Universal Pictures
Dazed and Confused
06.11.2018 - 08:50 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Mit Dazed and Confused setzt Richard Linklater dem High School-Leben der 70er-Jahre ein Denkmal. Der Blick auf den letzten Schultag ist so lebensecht wie in nur wenigen Filmen.

Was muss in einem gutem Film enthalten sein? Interessante Charaktere und Dialoge, dazu eine gute Story - das würden wohl die meisten antworten. Dass auf Letzeres aber auch einfach verzichtet werden kann und trotzdem ein fantastischer Film dabei herauskommen kann, dazu würden wohl die wenigsten zustimmen. Ein Film beweist jedoch, dass genau das möglich ist und so sogar ein Kultfilm entstehen kann: Dazed and Confused von Richard Linklater.

Dazed and Confused zeigt die High School, wie sie wirklich ist

Es ist der letzte Schultag vor den Ferien des Jahres 1976. Das heißt: Für einige ist es der Beginn der High School-Laufbahn. Für andere aber auch der letzte Schultag ihres Leben. Was stellen die jungen Leute also an? Natürlich feiern sie, begrüßen die neuen Schüler mehr oder weniger freundlich und philosophieren über das Leben. Viel mehr Rahmenhandlung hat Dazed and Confused (im Deutschen: Confusion - Sommer der Ausgeflippten) nicht zu bieten. Doch das muss er auch gar nicht. Die Faszination des Filmes ist anderswo zu finden, irgendwo zwischen den fantastischen Dialogen und den coolen Charakteren.

Dazed and Confused

Die Worte, die Linklater seinen Figuren in den Mund legt, wirken zu keinem Zeitpunkt konstruiert oder künstlich. Kaum jemand schafft es, so realistische Szenen zu filmen wie er. Viele Dialoge wirken, als hätte einfach mal jemand in einer High School die Kamera draufgehalten, fast schon dokumentarisch. Trotzdem sind die Gespräche nicht belanglos. Das gelang Linklater schon in seinem Erstlingswerk Slacker, wird aber in Dazed and Confused auf die Spitze getrieben. Denn anders als bei Slacker können hier auch der Cast und die Charaktere überzeugen. Eine richtige Hauptfigur gibt es zwar nicht, fokussiert wird sich aber unter anderem auf Randall "Pink" Floyd (Jason London), der nicht nur einen echt coolen Namen hat, sondern auch fertig mit der High School ist. Sein Problem: Er will Football spielen, soll aber dafür einen Vertrag unterschreiben, der ihm verbietet, im Sommer Drogen zu nehmen und sich anderweitig daneben zu benehmen.

Jeder kennt die Charaktere aus Dazed and Confused

Der Freshman Mitch Kramer dagegen bekommt bei den Aufnahmeritualen so richtig etwas ab. Daraufhin lädt Pink Mitch ein, mit ihm auf der Suche nach einer Party herumzufahren. Sie treffen David Wooderson (Matthew McConaughey), der zwar schon Mitte 20 ist, trotzdem aber noch mit High-School-Schülern abhängt. Dazu kommt ein ganzer Haufen weiterer Charakteren, die alle für bestimmte Typen stehen, die jeder selbst noch aus der Jugend kennt. Der Kiffer, der Sportler und Frauenheld, der fiese Bad Boy, der Außenseiter und der Mittzwanziger, der ohne Ziel in den Tag hineinlebt.

Dazed and Confused

Die Charaktere sind perfekt auf diese (fast schon) Stereotypen zugeschnitten, ohne jedoch überzeichnet zu sein. Der Cast überzeugt durchweg und kann zum Beispiel mit Ben Affleck, Milla Jovovich und McConaughey einige Stars von heute auffahren, die damals noch fast unbekannt waren. Für McConaughey war es sogar die allererste Filmrolle. Für mich ist es bis heute seine beste. Weil er erst spät durch Zufall gecastet wurde, improvisierte er einen Großteil seiner Szenen. Daraus resultieren einige der besten Sprüche des Filmes. "Alright, alright, alright" ist immer noch McConaugheys bekanntester.

Der ganze Film beschreibt das Lebensgefühl, welches Regisseur Linklater aus seiner eigenen Jugend zieht: Auf der einen Seite die Unbeschwertheit, einfach nur mit dem Auto umherzufahren, Gras zu rauchen, Musik zu hören, die nächste Party zu finden. Aber auch die Angst vor dem, was nach der Schule kommt. Der Film stammt aus dem Jahr 1993, ist aber so sehr in der Kultur und dem Leben der 70er verwurzelt, dass er genauso gut auch damals hätte erscheinen können. Dabei hilfreich: der wirklich perfekte Soundtrack. Deep Purple, Black Sabbath, ZZ Top oder Lynyrd Skynyrd sind nur einige der Namen, die den Film noch besser machen, als er sowieso schon ist. Selbst, wer nicht aus der Zeit kommt, verspürt im Film eine greifbare Nostalgie.

Dazed and Confused

Dazed and Confused feiert die 70er wie kein anderer Film

Dass Linklater dieses Kunststück auch über 20 Jahre später noch mit Leichtigkeit wiederholen kann, beweist der Nachfolger des Filmes: Everybody Wants Some!! aus dem Jahr 2016. Der spielt 1980 und behandelt statt dem Ende der High School den Anfang des Colleges. Die Charaktere sind darin andere, der Film ist aber ähnlich gut. Das wohl coolste Double Feature, was es gibt. Nur eins fehlt ihm größtenteils: die Melancholie von Dazed and Confused. Der ist kein besonders gefühlvoller Film. Aber er hat Momente, in denen die Teenager in ihre ungewisse Zukunft schauen. Da bekommt der Zuschauer etwas von der Tragik zu spüren, die einige Charaktere in sich tragen. Sie sind deutlich tiefer, es zunächst den Anschein hat. Vor allem McConaugheys Wooderson ist zwar äußerlich supercool, aber innerlich ziellos, ohne Perspektive. Dennoch ist der Film vorrangig eins: das Feiern der 70er und dessen Kultur, der Jugend und des freien Lebens. Um es mit Woodersons Worten zu sagen:

“Let me tell you this, the older you do get the more rules they're gonna try to get you to follow. You just gotta keep livin' man, L-I-V-I-N.”

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