Der glorreiche Rückkehrer 2018: Joaquin Phoenix zwischen Jesus & Joker

A Beautiful Day/Don't worry, weglaufen geht nicht
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"I read about this guy, gets on the MTA here, dies. Six hours he's riding the subway before anybody notices his corpse doing laps around L.A., people on and off sitting next to him. Nobody notices."

In Deutschland war Joaquin Phoenix vor diesem Jahr im Kino zuletzt 2015 in Woody Allens Irrational Man zu sehen. Damals spielte er den Philosophieprofessor Abe, der sich in einer existenziellen Krise dazu entschließt, einen Mord zu begehen, um seinem Leben wieder einen Sinn zu verleihen. Bei seiner Rollenwahl machte der amerikanische Schauspieler, der zweifelsohne zu den besten seiner Generation gehört, noch nie Kompromisse. Auch wenn sich Phoenix keineswegs extrem rar gemacht hat, ist es doch auffällig, wenn ein Schauspieler von seinem Format hierzulande gut 2,5 Jahre in keinem Kinofilm zu sehen ist. 2018 stellte für Fans des Charakterdarstellers jedoch einen Grund zur Freude da. Während Joaquin Phoenix gleich in 3 Filmen im Kino zu sehen war, wurde er außerdem für die Hauptrolle im vielversprechenden Solo-Film eines gewissen Batman-Schurken verpflichtet.

Joaquin Phoenix als Jesus im Kinojahr 2018

Alles andere als mit einem lauten Knall meldete sich Joaquin Phoenix im Februar dieses Jahres in den deutschen Kinos zurück. In dem Bibel-Drama Maria Magdalena von Lion-Regisseur Garth Davis spielt er an der Seite seiner Schauspielpartnerin sowie realen Partnerin Rooney Mara keine geringere Rolle als Jesus Christus. Der Film trägt seinen Titel jedoch nicht ohne Grund und so ist der Sohn Gottes nur eine Nebenfigur in der religiösen Geschichte, die ihren Fokus auf die titelgebende Jüngerin legt, die Jesus bei seiner Mission begleitet.

Ungeachtet dessen zieht Phoenix die Aufmerksamkeit des Zuschauers in Maria Magdalena wieder voll und ganz auf sich, ohne sich jemals in den Vordergrund zu spielen. Seine Darstellung des Jesus strahlt eine sanfte Gutmütigkeit aus, die jedoch niemals eine stillere, gequälte Seite der Figur außer Acht lässt, die bei ihrem missionarischen Auftrag mehrfach an ihre Grenzen stößt.

Joaquin Phoenix brillierte 2018 auch als suizidaler Killer

Noch extremer gestaltete sich die Darstellung einer solchen gequälten Figur in A Beautiful Day von Lynne Ramsay, der in Deutschland im April dieses Jahres in die Kinos kam. Bereits 2017 feierte der Film seine Weltpremiere in Cannes, wo Phoenix vollkommen verdient mit dem Preis als Bester Darsteller ausgezeichnet wurde. Mit ungepflegtem Vollbart, längeren Haaren und einem schwerfälligen Körper zwischen muskulöser Breite und übergewichtiger Resignation schleppt sich der Schauspieler als suizidaler Killer durch eine Handlung, die im fiebrig-fragmentierten Rhythmus von Ramsays Werk teilweise kaum mehr als solche zu erkennen ist.

Als Fixpunkt hält Joaquin Phoenix in dem Film trotzdem zusammen, was stetig auseinanderzufallen droht. Seine Figur des Joe übt regelmäßig Gewalt aus und wirkt dabei so, als würde er selbst gar nicht mehr aktiv an dieser teilhaben. Erschütternd und faszinierend zugleich legt der Schauspieler den todessehnsüchtigen Todesengel als Gefangenen auf der Schwelle zwischen Leben und Tod an, der weder auf die eine noch auf die andere Seite übertreten kann.

Ein querschnittsgelähmter Joaquin Phoenix

Das Motiv der resignierten Todessehnsucht lässt sich in Teilen auch in der 3. Rolle von Joaquin Phoenix im deutschen Kinojahr 2018 weiterverfolgen. In Gus van Sants biografischem Drama Don't worry, weglaufen geht nicht (ja, richtig gelesen) spielt Phoenix den zur alkoholisierten Selbstzerstörung neigenden Cartoon-Zeichner John Callahan, der nach einem schweren Autounfall querschnittsgelähmt im Krankenhaus erwacht. Auf unkonventionelle Weise versucht der Regisseur der letztlich doch arg konventionell ausgefallenen Dramaturgie des Scheiterns und Wiederaufstehens mit unchronologisch angeordneten Szenenfolgen entgegenzusteuern.

Während die im Film animierten Cartoons von Callahan gelegentlich den dringend nötigen Biss beisteuern, bleibt Don't worry, weglaufen geht nicht abermals durch das Schauspiel von Joaquin Phoenix in Erinnerung, dem der große Schmerz seiner Figur immer wieder bewegend aus den Augen blitzt. Hinzu kommt außerdem ein sichtbar komödiantisches Gespür des Darstellers, durch das selbst Szenen, die arg ins Alberne abdriften könnten, niemals unter eine problematische Grenze gelangen und den Film würdevoll ausbalancieren.

Joaquin Phoenix als Joker im Kinojahr 2019

Nach gleich 3 Rollen im deutschen Kinojahr 2019 wird Joaquin Phoenix auch 2019 mindestens einmal im Kino zu sehen sein. Im kommenden Joker-Film von Hangover-Regisseur Todd Phillips wird er die Hauptrolle des ikonischen Batman-Bösewichts spielen. Nach der vorfreudigen Euphorie vermittelten erste Make-up- und Set-Videos schon jetzt einen Eindruck davon, wie fantastisch Phoenix als Joker werden dürfte.

Einen deutschen Kinostart könnte 2019 außerdem noch der Western The Sisters Brothers erhalten, der bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes Weltpremiere feierte und Joaquin Phoenix neben anderen Hochkarätern wie Jake Gyllenhaal, John C. Reilly und ein weiteres Mal in berührender Höchstform zeigen soll. Nach dieser fulminanten Rückkehr im deutschen Kino 2018 können wir das Kinojahr 2019 mit Joaquin Phoenix kaum noch erwarten.

Wie habt ihr Joaquin Phoenix im Kinojahr 2018 erlebt?

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