Disney+ startet: Wird das Angebot von Netflix jetzt kleiner?

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Redakteur bei Moviepilot. Glaubt, dass Netflix sich irgendwann noch durchsetzen wird und schreibt deshalb hauptsächlich über VOD und Streaming. Schöner als Sport sind nur Filme darüber.

Disney+ bricht mit Pauken und Trompeten in die Streaming-Welt auf. Es ist der erste Dienst seiner Art: Eine digitale Plattform, reserviert einzig und allein für Filme und Serien eines traditionellen Hollywood-Studios. Diese Einzäunung von Unterhaltungsinhalten wird die digitale Verfügbarkeit von Filmen neu ordnen.

Was ihr unbedingt über Disney+ wissen müsst:

  • Der Streaming-Dienst Disney+ startet am 12. November 2019 in den USA.
  • Der deutsche Start ist erst am 31. März 2020.
  • Disney will seine Filme und Serien auf lange Sicht bei Disney+ exklusiv anbieten.

Streaming-Dienste wie Amazon, Netflix und auch Sky (für Ticket) produzieren eigene Filme und Serien. Sie stellen ihren Nutzern daneben eine Filmauswahl zur Verfügung, die von fremden Studios stammt. Jeder hat ein bisschen was von jedem. Warner-Filme wie Wonder Woman laufen bei Amazon und Netflix. Sky Ticket bietet viele Disney-Klassiker an. Die Inhalte rotieren, jeder ist mal dran.

Aber wie oft habt ihr schon einen Netflix-Film bei Amazon gesehen, Bird Box zum Beispiel? Wahrscheinlich noch nie. Filme wie Bird Box oder The Irishman sind Exklusiv-Content, sie sind in der Regel nur bei Netflix verfügbar. Studios wie Disney und Warner (mit HBO Max) übernehmen diese direkte Belieferung an den Film- und Serienfan.

Soll heißen, bald zeigt HBO Max Warner-Filme (Joker oder ES 2 ), Disney streamt seine Disney-Filme und Netflix-Zeug bleibt weiterhin nur noch bei Netflix. Gerade die riesige Disney-Bibliothek mit ihren Klassikern (Schneewittchen und die sieben Zwerge), den Marvel-Filmen, der Star Wars-Saga, den Pixar-Filmen (Wall-E) und modernen Animationsfilmen (Frozen) werden die anderen Streaming-Dienste und ihre Nutzer schmerzlich vermissen.

Das ist eine (extreme) Wunschvorstellung der Studios von markenkonzentriertem Streaming. Aber lässt sie sich auch durchsetzen?

Brauchen wir künftig unzählige Streaming-Dienste, um alles sehen zu können?

Wir betreten hier tatsächlich Neuland. Der "Besitz" von Filmmarken spielte noch nie so eine große Rolle wie aktuell. Stellt euch vor, ihr habt eure DVD-Sammlung an hunderte Freunde und Bekannte verliehen und wollt jetzt jede einzelne Hülle zurückhaben, und das am liebsten gestern. So fühlt sich Disney gerade.

Dass die Rechtesituationen für Disney-Eigentum unübersichtlich sind, erkennen wir auch an dem Ankündigungs-Tweet von Disney+ zum Deutschland-Start.

"Beachtet bitte: Die [verfügbaren] Titel können sich von Gebiet zu Gebiet unterscheiden", steht da in Klammern. In wirklich jedem Land abrufbar sind zum Start wohl nur die Original-Produktion wie Lady and the Tramp.

Kein Wunder eigentlich. Das Unternehmen verkaufte in den letzten Jahren seine Filmerzeugnisse über Lizenzen in die ganze Welt, das war das Kerngeschäft von Disney, das für die kommenden Jahre bewusst auf Milliardeneinnahmen verzichtet. Die alten Content-Verträge mit Partnern laufen teilweise mehrere Jahre und lassen sich nicht so einfach aufkündigen.

Auf unsere Nachfragen zum Launch in Deutschland geht Disney noch nicht ein. Womöglich gibt es auch noch keinen richtigen Plan. DWDL berichtet über personelle Schwierigkeiten bei Disney Deutschland. Das Pay-TV-Angebot von Disney wird hier gerade heruntergefahren. Aber was ist mit dem frei empfangbaren Disney Channel?

Sicher nicht ohne Grund startet der Dienst hier deutlich später als in den Niederlanden direkt nebenan. Denn die Lage ist - offenbar speziell in Deutschland - kompliziert. Wie schwierig der Start eines Studio-Streaming-Dienstes ist, zeigte zuletzt erst der verlängerte Deal zwischen Warner und Sky, durch den etwa die HBO-Serie Game of Thrones bei Sky Ticket in Deutschland läuft.

Dieser Deal schließt aus, dass HBO Max irgendwann in den nächsten Jahren in Deutschland startet. Stattdessen ist die Zukunft von Sky als Sammelstelle einer bunten Mischung aus Serien und Filmen gesichert: hier ein DC-Film, dort Transformers, da die Minions. Also genau das, was Disney nicht mehr will.

Netflix ohne Marvel-Filme: So schnell passiert das nicht

Wie gesagt, wir fischen hier etwas im Trüben. In den USA zeichnet sich jetzt aber schon ab, dass der Schnitt zwischen Disney und allen anderen Streaming-Diensten nicht so sauber verläuft, wie sich das alle vorgestellt haben. CNET weiß von Lizenz-Verträgen zwischen Disney und Netflix, die Lücken in die Disney+-Bibliothek reißen werden.

Sie betreffen populäre Disney-Filme, die weiterhin zu Netflix wandern müssen und Disney+ zum Rotieren des Angebots zwingen. Diese Verträge laufen noch Jahre und wurden geschlossen, bevor Disney seine Streaming-Pläne ernsthaft vorantrieb. "[...] Das Meiste wird da sein," versichert Disney-Chef Bob Iger. Das Meiste, aber eben nicht alles und auch nicht immer.

Für Netflix Deutschland werden ähnliche, wenn nicht sogar langfristigere Verträge existieren, durch die der Zufluss von Disney-Filmen zu Netflix nicht allzu abrupt abebbt. Aber irgendwann dreht Disney den Hahn endgültig zu. Neue Verträge werden nicht ausgehandelt, auch in Deutschland nicht, wo Disney+, anders als HBO Max, Anfang nächsten Jahres startet.

Disney statuiert an Star Wars ein Exempel

Wie ernst es Disney mit seiner Sperre meint, spüren wir schon nächste Woche. Zusammen mit Disney+ startet die erste Live-Action-Star Wars-Serie. Die aufwändig mit viel Budget produzierten The Mandalorian-Folgen können wir in Deutschland aber nicht legal sehen. Die Serie läuft nur in Ländern, die bereits Disney+ haben. Für deutsche Star Wars-Fans eine Horrorvorstellung.

Doch eine parallele Ausstrahlung der Folgen bei einem europäischen Streaming-Dienst, wie es bei jeder anderen Serie dieses Formats selbstverständlich gewesen wäre, stand nie auch nur zur Debatte. Diesen Verlust nimmt Disney in Kauf. Auch um klarzustellen, dass es für Star Wars sowie viele andere Marken in Zukunft nur noch ein Zuhause geben wird.

Habt ihr Interesse an Disney+ ?

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