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Sozialdramen von der Insel

Drogen & Gewalt - Briten auf der schiefen Bahn

23.09.2010 - 08:50 Uhr
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Fish Tank
© Kool Filmdistribution
Fish Tank
Ab heute läuft Fish Tank im Kino, ein britischer Film über ein junges Mädchen, dass in ihrer lieblosen und ärmlichen Umgebung keinerlei Perspektive hat. Wir haben für euch mehrere Filme unter die Lupe genommen, die das fast schon alltägliche Drama der Working Class thematisieren.

Die 1980er Jahre waren für Großbritannien unter der Regierung von Margaret Thatcher eine harte Probe, denn die britische Insel wurde von Arbeitslosigkeit, wirtschaftlichem Ruin und Perspektivenlosigkeit gleichermaßen heimgesucht. Auch heute geht es vielen jungen Menschen der Working Class schlecht, denn ihre Umwelt vermittelt ihnen keine erstrebenswerte Zukunft. Daher möchten wir euch einige Filme vorstellen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, einen Einblick in eine Welt zu geben, die für manche völlig alltäglich ist.

Ohne Schulbildung im Plattenbau
Fish Tank zeigt unter der Regie von Andrea Arnold die rebellische 15jährige Mia (Katie Jarvis), die vor allem die Schule und ihre Mutter so richtig satt hat. Mia lebt in einer Hochhaussiedlung mit Sozialwohnungen am Rande der Stadt, wo sie sich mit ihren Freundinnen verkracht hat und mit allem und jedem aneckt. Lediglich das Tanzen bietet ihr eine Fluchtmöglichkeit aus ihrem grauen Alltag. Dann bringt ihre Mutter (Kierston Wareing) plötzlich einen neuen Freund mit nach Hause und es stellt sich die Frage, ob Connor (Michael Fassbender) für Mia ein Ersatzvater oder sogar mehr werden könnte.

Der Film überzeugt nicht nur durch ein authentisches Bild der britischen Unterschicht, sondern auch durch seine Hauptdarstellerin Katie Jarvis, die dieser direkt entspringt und überhaupt keine Schauspielerfahrung hat. Fish Tank liefert außerdem mit fortschreitender Handlung brillante Wendungen und ein herzzerreißendes Ende.

Der Puls der Metropole
Statt in den Problembezirken außerhalb der Großstadt spielt London Nights (Alexis Dos Santos) inmitten der hippen Metropole. Er zeigt sowohl Axl (Fernando Tielve), der nach London kam, um seinen Vater zu suchen als auch Vera (Déborah François), die sich auf eine abenteuerliche Liebesgeschichte mit dem Röntgenmann (Michiel Huisman) einlässt.

Die Kids in London Nights leben ebenfalls arm, sie wohnen in besetzten Häusern, schlafen auf verdreckten Matratzen und wissen nicht, was die Zukunft für sie bereithält. Allerdings haben sie sich ihr Leben so ausgesucht und ein mittelloses Dasein, dass nur dem Hedonismus und der Gemeinschaft gilt, für sich kulturell etabliert. Wenn sie wollen, können sie jederzeit zurück zu ihren Eltern. Diese wichtige Gewissheit hat Mia aus Fish Tank leider nicht.

Cold Turkey und schottische Toiletten
Im kühlen Schottland sieht die Lage ebenfalls nicht besser aus. Mark (Ewan McGregor), der Protagonist aus Trainspotting – Neue Helden (Danny Boyle), lebt in Edinburgh und ist genau wie seine Freunde Heroin-abhängig. Mark will endlich clean werden und versucht dies im Film auch mehrere Male, nur leider stehen seine Freunde und er selbst sich dabei oft im Weg.

Das Besondere an Trainspotting – Neue Helden ist sicherlich die komödiantische Tonart und gleichzeitig harte Gangart, mit welcher das Thema Heroin-Abhängigkeit inszeniert wird. Mal abgesehen davon, dass wir lernen, welche Utensilien für einen Heroin-Entzug auf keinen Fall verzichtbar sind, bekommen wir auch einen Einblick in die grauenvollen Halluzinationen, unter denen Mark während seines Entzugs leidet. Außerdem wird uns nahe gelegt, wie widerlich öffentliche schottische Toiletten eigentlich aussehen können.

Skinheads als Ersatzfamilie
Shaun (Thomas Turgoose) hat im Film This is England seinen Vater im Falklandkrieg verloren und wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Weil seine Mutter kein Geld für bessere Kleidung hat, wird er in der Schule von den anderen Kindern gehänselt und ist ein Außenseiter. Er findet eine Ersatzfamilie, als er auf eine Gruppe von Skinheads trifft, die von dem nationalistischen und fremdenfeindlichen Combo (Stephen Graham) angeführt wird. Hier bekommt er zwar die Anerkennung, die ihm in seinem bisherigen Leben immer gefehlt hat, muss jedoch mit ansehen, wie seine neuen Freunde ihren Hass durch Gewalttaten Stück für Stück auf die Spitze treiben.

This is England thematisiert eine zwiespältige Coming-of-Age-Geschichte. Der Regisseur Shane Meadows musste nach der Veröffentlichung des Films viel Kritik von Seiten der British National Front einstecken, da die rechtsextreme Partei der Meinung war, This is England würde kein authentisches Bild der 1980er Jahre Skinhead-Szene zeichnen.

Wenn die Vergangenheit dich einholt
Eric lebt in einem Albtraum: Als 13jähriger bringt er zusammen mit einem Freund ein unschuldiges Mädchen um und muss dafür bis ins Erwachsenenalter ins Gefängnis. Wieder in Freiheit hat Jack (Andrew Garfield), wie er seitdem heißt, aus seiner Vergangenheit gelernt und möchte noch einmal von vorne anfangen. Doch durch eine gute Tat, die er vollbringt, wird die Öffentlichkeit auf ihn aufmerksam und bringt seine gesamte dunkle Vergangenheit wieder ans Licht.

Der Titel Boy A ist in einigen Ländern zugleich ein Codename für minderjährige Straftäter, deren Identität nicht bekannt werden soll. In Ansätzen lässt sich die Handlung von Boy A (John Crowley) mit dem wahrhaft geschehenen Fall des James Bulger vergleichen, der in den 1990ern als Dreijähriger von zwei Zehnjährigen aus einem Einkaufszentrum entführt und anschließend zu Tode gefoltert wurde. Der Fall erregte weltweite Bestürzung.

Wenn euch britische Sozialdramen gefallen, solltet ihr euch ab heute Fish Tank im Kino anschauen. Die Spielzeiten stehen in unserem Kinoprogramm.

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