Robert Redford im Kino: Die wahren Hintergründe von Ein Gauner & Gentleman

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Ein Gauner & Gentleman mit Robert Redford
30.03.2019 - 08:47 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Seit Kurzem läuft die Kriminalkomödie Ein Gauner & Gentleman mit Robert Redford in den deutschen Kinos. Der Film basiert auf dem Leben des Bankräubers Forrest Tucker - hier erfahrt ihr die Hintergründe.

In Ein Gauner & Gentleman von David Lowery zeigt Leinwandlegende Robert Redford aktuell noch einmal, was in ihm steckt. Der Film weckt Erinnerungen an frühere Rollen des Darstellers wie in Butch Cassidy und Sundance Kid oder Der Clou, hat daneben aber auch eine wahre Geschichte zum Gegenstand. Den von Redford verkörperten Kriminellen Forrest Tucker gab es nämlich wirklich. Nachfolgend könnt ihr alles Wissenswerte über ihn nachlesen.

Der reale Forrest Tucker war nie lange aufzuhalten

Für seinen Film orientierte sich Regisseur Lowery recht streng an einem Magazinartikel von David Grann, der 2003 im New Yorker  erschien und die Geschichte des 1920 geborenen Bankräubers Forrest Tucker aufarbeitet, der mit 15 Jahren erstmals inhaftiert wurde und auch später immer wieder im Knast landete. Zu Lebzeiten gelangen dem Banditen sagenhafte 18 Gefängnisausbrüche, sogar aus dem ehemaligen Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz konnte er entkommen.

Ein Gauner & Gentleman

Die Handlung von Ein Gauner & Gentleman setzt zu Beginn der 1980er Jahre ein, kurz nachdem Forrest Tucker wieder einmal einen Coup gelandet hat. In eben dieser Dekade durchlebte er tatsächlich seine absolute Hochphase: Allein 1980 überfiel er erfolgreich 60 Banken, insgesamt erbeutete er im Verlauf seiner kriminellen Karriere mehrere Millionen Dollar sowie "nebenbei" unter anderem auch diverse Sportwagen.

Allerdings operierte Tucker zu seinen besten Zeiten nicht alleine. Mit John Waller (gespielt von Tom Waits) und Theodore "Teddy" Green (Danny Glover) formte er eine kleine Gauner-Clique, die von der Polizei augenzwinkernd The Over-the-Hill Gang (zu deutsch: Bande der Abgehalfterten) getauft wurde. Die Bezeichnung spielte auf das fortgeschrittene Alter der Mitglieder an. Tucker hatte Waller 1979 bei einem auch im Film referenzierten Ausbruch aus dem San Quentin-Gefängnis kennen gelernt, mit Green schloss er bereits in den 1950er Jahren auf Alcatraz Bekanntschaft.

Ein Gauner & Gentleman

Forrest Tucker war kein gewöhnlicher Bankräuber

Die Vorgehensweise Forrest Tuckers bei seinen Beutezügen unterschied sich radikal von der der meisten anderen Ganoven, denn Gewalt lehnte er rigoros ab. Zwar trug Tucker bei Überfällen eine Waffe mit sich, diese diente aber nur zur Einschüchterung und kam darüber hinaus nicht nachweislich zum Einsatz. Seine ganz spezielle Verbrechermoral wird durch folgendes Zitat auf den Punkt gebracht:

Für mich ist der Einsatz von Gewalt das erste Anzeichen eines Amateurs.

Der einstige Polizeipräsident James Chinn, der in Tuckers letzte Festnahme involviert war, soll zu Protokoll gegeben haben, noch nie einen so "kultivierten Kriminellen" getroffen zu haben. Der deutsche Titel von Lowerys Film passt da natürlich wie die Faust aufs Auge, gleichwohl er weniger poetisch ist als der des Originals The Old Man and the Gun.

Neben seinem Charme punktete Tucker übrigens auch mit Cleverness. So trug er in fortgeschrittenem Alter ein "Hörgerät", das mit dem Polizeifunk verkoppelt war. Mit Hilfe jener Abhör-Vorrichtung wusste er stets, ob die Cops seiner Over-the-Hill Gang gerade auf den Fersen waren.

Ein Gauner & Gentleman

Forrest Tucker führte ein Doppelleben

Tucker war dreimal verheiratet, im Moment der Eheschließung wusste aber keine der Frauen von den Machenschaften ihres Partners. Hiervon erfuhren die Betroffenen immer erst viel später. Sissy Spaceks Figur in Ein Gauner & Gentleman ist Forrest Tuckers dritter Frau Jewel nachempfunden, die glaubte, einen Mann namens namens Bob Callahan geheiratet zu haben. Die Wahrheit wurde ihr schließlich von der Polizei mitgeteilt.

An dieser Stelle hat sich David Lowery kreative Freiheiten herausgenommen, denn im Film lüftet Tucker das Geheimnis um sein Dasein als Bankräuber gegenüber Jewel freiwillig und persönlich. Genau wie im wahren Leben bleibt ihm die Frau hier aber trotz allem loyal verbunden.

Ein Gauner & Gentleman

Der zweifache Vater Tucker verstarb 2004 im Alter von 83 Jahren, als er gerade eine 13-jährige Haftstrafe absaß. Zwischenzeitlich hatte er versucht, seine abenteuerliche Lebensgeschichte verfilmen zu lassen, doch weil dies nicht gelang, wendete er sich wieder seiner Lieblingstätigkeit zu: der illegalen Geldbeschaffung. Lowerys aktuelles Werk kommt für Tucker tragischerweise mithin ein paar Jahre zu spät.

Eine bessere Besetzung der Hauptrolle als mit Robert Redford ist übrigens kaum denkbar, schließlich eint den Schauspieler und den Bankräuber eine offenbar nicht auszulöschende Leidenschaft für ihren Beruf. Zwar verkündete Redford im vergangenen Jahr seinen Rückzug von der Schauspielbühne, kurz darauf bezeichnete er die Aussage laut Variety  aber schon als "Fehler". Womöglich ist Ein Gauner & Gentleman also doch nicht sein letzter Film.

Ein Gauner & Gentleman

Gab es den Polizisten John Hunt auch wirklich?

Eine Schlüsselrolle kommt im Film auch dem 40-jährigen Gesetzeshüter John Hunt (Casey Affleck) zu. Dieser ist umso faszinierter von Tucker, je länger er ihn verfolgt und empfindet seine Wesensart in gewisser Weise sogar als Inspiration. Wie die Hauptfigur und Jewel ist sein Charakter ebenfalls einer realen Person nachempfunden - der echte John Hunt befindet sich mittlerweile im Ruhestand.

Hat euch Ein Gauner & Gentleman als Umsetzung einer wahren Geschichte überzeugt?

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