Emily in Paris auf Netflix: Lasst euch von den Klischees nicht abschrecken

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Emily in Paris
07.10.2020 - 08:30 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Seit Freitag ist die romantische Komödie Emily in Paris mit Lily Collins auf Netflix. In unserem Seriencheck verraten wir euch, ob sich ein Blick trotz der vielen Klischees lohnt.

"Ringarde!", würde der Mathieu Cadault der Serienwelt vermutlich abschätzig schnauben, müsste er sich auch nur eine Episode von Emily in Paris anschauen. Hier türmen sich Klischees und Vorurteile in der wohl konventionellsten Ausformulierung einer romantischen Komödie, in der eine Amerikanerin auf Pariser Boden mit kulturellen Unterschieden und den großen Fragen nach der Liebe konfrontiert wird.

Das muss definitiv eine dieser lieblosen Netflix-Serien sein, die in einem Pitch-Meeting aufgrund ihrer zielgruppengerechten Aufmachung blind durchgewunken wurde. Um zu erkennen, dass hinter Emily in Paris am Ende doch ein bisschen mehr steckt, genügt aber bereits der Blick auf den kreativen Kopf hinter dem Projekt: Darren Star, seines Zeichens Schöpfer von Sex and the City und der nicht weniger erfolgreichen Serie Younger.

Emily in Paris und die Kunst der Feel-Good-Serie

Zwar bietet Emily in Paris viele Oberflächen, die sich leicht auseinandernehmen lassen. Schlussendlich ist es aber auch eine Kunst, eine dieser Feel-Good-Serien zu schaffen, die einen mit ihrem Eskapismus komplett aus der Welt herausreißt. Gerade in Zeiten wie diesen sind die fluffigen und trotzdem einnehmenden 10 Episoden von Emily in Paris, die einen liebevollen Dialog mit ihrem geistigen Vorgängern eingehen, mehr als willkommen.

Schaut den Trailer zu Emily in Paris:

Emily in Paris - S01 Trailer (Deutsche UT) HD
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Emily in Paris entzückt nicht nur, wenn sich Hauptdarstellerin Lily Collins in einem Audrey Hepburn-Gedächtnismoment die Treppe hochbewegt. Auch ein bisschen Carrie Bradshaw ist zu entdecken, obwohl Sex and the City mit Emilys Generation nicht mehr so richtig korrespondiert. Stattdessen schweben die Paris-Ausflüge von Gossip Girl über der Netflix-Serie, von einer Prise Der Teufel trägt Prada ganz zu schweigen.

Emily in Paris weiß bestens Bescheid über Fassaden

Die Arbeitsplatzumgebung erweitert die Geschichte um eine zusätzliche Ebene, denn Emilys Aufgabe ist es, bei einer französischen Partnerfirma vor allem den Social-Media-Bereich zu stärken. Hier versteckt sich also mehr als eine naive Romcom, die nicht um ihre Konventionen weiß. Im Gegenteil: Emily in Paris besitzt ein ziemlich deutliches Bewusstsein für die Darstellung und Inszenierung gewisser Aspekte.

Immer wieder geht es um das Auftreten von Figuren, den nächsten Marketingstunt und die Frage, was eigentlich hinter all den Behauptungen steckt, in denen sich das Ensemble regelmäßig verfängt. Klischees und Vorurteile sind da schon bald nur noch die Grundlage für eine Serie, die sich befreit von jeglichem Zynismus in eine Paris-Fantasie stürzt und aussieht wie Emilys Instagram-Account - inklusive Hashtags und Selfies.

Emily in Paris

Ja, auch das kann unter Umständen zur furchtbaren Qual werden, wenn ein Film oder eine Serie verzweifelt versucht, die üblichen Posen des Social-Media-Zeitalters zu imitieren. Entscheidend ist aber, dass es sich um Emilys und nicht irgendeinen Instagram-Account handelt. Die Protagonistin der Serie ist trotz der künstlichen Kulisse in ihren inneren Konflikten unheimlich nahbar und selbstbewusst.

Emily in Paris ist die perfekte Binge-Serie auf Netflix

Da spielt es keine Rolle mehr, wie durchschaubar das alles ist. Das Geheimnis einer jeden Komfortserie ist, dass sie abseits der fantasievollen Umgebung ein greifbares Herz besitzt, mit dem sich das Publikum auf verschiedenen Stufen zwischen Höhepunkten und Niederlagen identifizieren kann. Mit Emily hat Darren Star eine solche Figur geschaffen, der Zuschauer wie Zuschauerin mühelos über mehrere Episode hinweg folgen kann.

Ehrlich gesagt gab es dieses Jahr nur wenige Netflix-Serien mit größeren Binge-Potential. Jedes Kapitel von Emily in Paris ist dermaßen kurzweilig gestaltet. Die vorwurfsvolle Frage des Streaming-Diensts, ob ihr denn überhaupt noch zuschaut, erübrigt sich. Natürlich! Emily in Paris steckt an und begeistert. Es gibt keinen Grund, sich nicht von diesem Charme berühren zu lassen.

Emily in Paris

Mehr als fünf Minuten sind nicht notwendig, um herauszufinden, ob euch Emily in Paris gefällt. Wenn ihr jedoch gar nicht gemerkt habt, wie schnell diese fünf Minuten vorbeigezogen sind, könnte es sehr leicht passieren, dass ihr zehn Episoden durchgeschaut habt, ehe ihr das nächste Mal auf die Uhr schaut. Eine Serie, in der sich das Publikum so wohlfühlen kann, ist alles andere als drittklassig - oder eben "ringarde".

Die 1. Staffel von Emily in Paris ist seit dem 2. Oktober 2020 auf Netflix als Stream verfügbar. Als Grundlage für diesen Seriencheck dienten alle zehn Episoden.

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