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Femen als Highlight der Biennale 2013

12.09.2013 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Ukraine Is Not A Brothel beim Filmfestival in Venedig 2013
© Filmfestival Venedig
Ukraine Is Not A Brothel beim Filmfestival in Venedig 2013
Ich war dieses Jahr erstmals beim Filmfestival in Venedig und habe mir den kompletten Wettbewerb so wie einzelne Werke anderer Kategorien angesehen. Neben vielen Enttäuschungen blieb vor allem die Doku über Femen im Gedächtnis.

Von den zwanzig Filmen, die 2013 im Wettbewerb der Biennale, also des Filmfestivals in Venedig, liefen, stammten nur zwei von einer Regisseurin, namentlich Kelly Reichardt und Emma Dante. Nach meinen Erlebnissen in Cannes überraschte mich das jedoch weniger. Bedauerlicherweise – und ich sage das wirklich sehr ungerne – gehörten die Filme der beiden Regisseurinnen – Night Moves und A Street in Palermo – in meinen Augen zu den schlechtesten des Wettbewerbs. Glücklicherweise gibt es ja noch Filme, die “Außer Konkurrenz” gezeigt werden und in dieser Sektion fand sich tatsächlich noch ein echtes Highlight des Festivals: Ukraine Is Not a Brothel, ein Dokumentarfilm über Femen von der Filmemacherin Kitty Green.

Begeisterung: Frauenpower auf der Leinwand
Während sich die weibliche Präsenz hinter den Kameras wenig überraschend in Grenzen hielt, stellten viele Filmemacher Frauen in den Mittelpunkt der Handlung. Neben Gravity, der außer Konkurrenz lief, betrifft das vor allem die Filme Spuren mit Mia Wasikowska, den deutschen Beitrag Die Frau des Polizisten, A Street in Palermo von Emma Dante, den neuen Film von Amos Gitai, Ana Arabia, und den Gewinner des Silbernen Löwen für die beste Regie, Miss Violence. Der eine oder andere, der die Festivalberichterstattung verfolgt hat, wird sich nun vielleicht wundern, dass ich Philomena von Stephen Frears, dessen Hauptdarstellerin Judi Dench allgemein als Favoritin für den Volpi Cup gehandelt wurde, hier nicht dazu zähle. Obwohl es um die Geschichte einer Frau auf der Suche nach ihrem Sohn geht, der als Kind zur Adoption freigegeben wurde, erachte ich Martin Sixsmith (Steve Coogan) als die zentrale Figur. Er ist der Journalist, der Philomenas Geschichte aufschreibt und somit sind es seine Augen, durch die wir die Ereignisse betrachten.

Aber zurück zu den auffälligsten Leinwanddamen. Ein Vorzeigeexemplar für Frauenpower stellte in jedem Fall Mia Wasikowska als Robyn Davidson dar. Spuren, der auf einer Autobiographie eben jener Frau basiert, erzählt von Robyns Wanderung quer durch die australische Wüste, bei der sie lediglich von vier Kamelen begleitet wird. Das macht Spuren zu einer Art weiblichem Into the Wild. Ähnlich viel Kraft und Durchhaltevermögen bewiesen die Frauen in A Street in Palermo, in dem sich zwei Autofahrerinnen in einer schmalen Straße gegenüber stehen. Weil niemand zurückweichen will, wird aus diesem kleinen Verkehrskonflikt ein stundenlanges Duell mit tödlichem Ausgang. Ich hebe diese beiden Filme hervor, weil die Protagonistinnen durch ihre Stärke unseren Respekt einfordern. Auch in Die Frau des Polizisten und Miss Violence stehen Frauen im Mittelpunkt, befinden sich jedoch in einer Opferposition. Amos Gitai lässt seine titelgebende Figur selbst nicht auftreten. Der in einem einzigen Take gedrehte Film, zeigt die Interviews einer jungen Journalistin mit den Hinterbliebenen von Ana Arabia. Bis auf die Journalistin, über deren eigene Geschichte wir kaum etwas erfahren, betont der melancholische Film jedoch eher die Probleme der weiblichen Figuren als deren Stärken.

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