Staffel 8, Folge 2

Game of Thrones bedient sich diesmal kräftig bei Der Herr der Ringe

Game of Thrones: Knight of the Seven Kingdoms
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Game of Thrones: Knight of the Seven Kingdoms
Moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.

Wenn am nächsten Morgen die Welt untergeht, sollte wenigstens Zeit sein für Wein, Leib und Gesang. In Winterfell wird in der 2. Folge der 8. Staffel von Game of Thrones die Ruhe vor dem Sturm ausgekostet. Unsere liebsten Figuren beenden Kapitel und Handlungsstränge so eifrig, dass im Prinzip jeder außer Daenerys (Emilia Clarke) und Jon (Kit Harington) in der Schlacht um Winterfell fallen könnte.

In Ein Ritter der sieben Königslande (A Knight of the Seven Kingdoms) liefern die Macher nicht nur eine der berührendsten Game of Thrones-Folgen seit Jahren, sondern lernen in Sachen Schlachtvorbereitung beim Primus des Genres: Der Herr der Ringe.

Die drei wichtigsten Erkenntnisse der Game of Thrones-Folge:

  • Grey Worm redet vor laufender Kamera über seine Zukunftspläne, damit ist sein Tod besiegelt.
  • Ex-Bran ist das wahre Ziel des Night Kings!
  • Pods Talente beschränken sich nicht auf die Regionen südlich seines Bauchnabels, er kann auch singen!

    Game of Thrones bringt kurz vor Ende eine seiner besten Folgen

    Ganz Winterfell steckt in Ein Ritter der sieben Königslande unter einer Kruste fatalistischer Vorahnungen. Bei Sonnenaufgang sollen die Massen des Night King eine erstickende Eisschicht über das vertraute Heim der Starks ziehen. Während wir in einigen geschickten Spaziergängen einen Überblick der Verteidigungsanlagen erhalten, haken die Bewohner die letzten Punkte auf ihrer Bucket List ab: Das erste Mal mit einem verführerisch dampfenden Schmied, ein Ritterschlag des Kingslayers, sowas eben.

    Unsere Helden regeln ihre Angelegenheiten, als würde der nächste Morgen ihr letzter werden. Das reicht von Jaimes (Nikolaj Coster-Waldau) Gespräch mit Bran/Three-Eyed-Raven (Isaac Hempstead-Wright) bis zu Jons Enthüllung seines wahren Namens (Aegon Targaryen) gegenüber Daenerys.

    In den Fatalismus mischt sich jedoch eine sonderbare Feierlichkeit. Vor den Kaminen Winterfells zelebrieren die Gefährten das Leben und wenn zum Leben das Nuckeln an der Brust einer Riesen-Frau gehört, dann sei's drum. Diese ehemaligen Todfeinde generieren in ihren womöglich letzten lebendigen Stunden auf Erden eine Wärme, mit der sie die große Eismauer schmelzen könnten.

    Die dialogischen Höhen der ersten vier Staffeln bleiben unerreicht, oft wird wie schon in Folge 1 auf abgedroschene Pointen oder verdutzte Gesichter gesetzt, um den einfachen Lacher abzuholen. Doch in Ein Ritter der sieben Königslande trumpft Game of Thrones durch seine zwischenmenschliche Seite auf.

    All die Schlachten würden uns einen feuchten Drachenrotzer interessieren, könnten die Autoren ihre Leichenberge nicht auf diesem Charaktergerüst anhäufen. Folge 2 der 8. Staffel feiert im Grunde diesen Fakt ähnlich wie Folge 1 den episch langen Atem der Serie zelebrierte. Dabei folgt Game of Thrones dem großen Fantasy-Vorbild Der Herr der Ringe.

    Helms Klamm in Winterfell: Game of Thrones auf den Spuren von Der Herr der Ringe

    Die Feierlichkeit im Angesicht des Todes erinnert an die Belagerungen von Helms Klamm und Minas Tirith in den Herr der Ringe-Filmen von Peter Jackson (und zahllosen Kriegsfilmen davor). Geschäftigkeit dominiert die erste Hälfte. Werden bei Tolkien/Jackson Jungen mit viel zu großen Helmen ausgestattet, redet Davos (un)willigen Soldaten in der Suppenküche Mut zu und bildet Pod Rekruten aus, während Brienne stolz auf ihren Schüler blickt.

    Daraufhin wird sich in der zweiten Hälfte auf das besonnen, was verloren gehen wird, sollte der Night King gewinnen. Die Erinnerungen will er mit Bran auslöschen, um den Menschen ihre Basis zu nehmen. Eine Motivation für den Night King, deren Erklärung durch Samwell Tarly (John Bradley) eher tiefsinnig klingen soll, als tiefsinnig klingt.

    GoT-Snacks für Zwischendurch:

    Brans Funktion als objektiver Erinnerungsautomat spielt für die Figuren in der Serie und der Welt von Westeros eine wesentlich kleinere Rolle als für uns Zuschauer, die wir am Turm der Freude oder neben Hodor/Wylis im Hof von Winterfell standen.

    Als abstraktes Gedächtnis von Westeros scheint er mir letztlich entbehrlicher als etwa die Zitadelle von Altsass mit ihren Büchern, die uns - und Serienfiguren - als wertvoll und überwältigend inszeniert wurde. Das mag aber auch Sinn der Sache sein. Brans Tod in Folge 3 der 8. Staffel scheint nach der Präsentation seines Plans der einzig logische Schritt zu sein.

    Pod und Pippin stimmen Lieder an

    Die wirkungsvollste Besinnung auf die Vorzüge des Lebens findet sich mit ein paar Litern Wein, einem wärmenden Feuer und einem Wildling ohne Gesprächsfilter. Tormund (Kristofer Hivju) lockert die Stimmung auf, Jaime erhebt Brienne (Gwendoline Christie) in den Ritterstand und Pod stimmt ein Lied an.

    Wie Pippin vor dem wahnsinnigen Denethor in Minas Tirith, singt Pod in einer Stunde der Ausweglosigkeit. In Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs legt sich das Lied über das Himmelfahrtskommando von Faramir und die fruchtig-blutigen Lippen von dessen Vater, der sich am bevorstehenden Tod seines eigenen Sohnes labt.

    Die Montage in Game of Thrones gerät konventioneller im Schnitt. Nichtsdestotrotz reißt es mit, wenn die tänzerischen Kreise des Refrains ("She never wanted to leave") in die letzten Blicke, Küsse und Umarmungen vor der Schlacht übergehen und das Bittende auch von den Menschen im Bild ausstrahlt.

    Die Blicke des Verständnisses vor diesem Kamin, die wortlose Sprache gemeinsamer Erinnerungen, welche Daenerys in der Szene zwischen Sansa und Theon als Außenseiterin zeigt, die sie ist - sie legt sich für ein paar Minuten über Winterfell. Bevor das Horn ertönt. Vorbild hin oder her, finden die Macher von Game of Thrones einen eigenen Dreh für die Erzählklischees solcher (Fantasy-)Kriegsdarstellungen.

    Brienne, Jaime und Arya gehört diese Folge von Game of Thrones

    Zwei Folgen haben sich die Autoren von den finalen sechs für die Vorbereitung der Schlacht um Winterfell genommen. Deswegen haben sie Zeit für ein ausgiebiges Wiedersehen zwischen Brienne und Jaime; Zeit für ihre Bürgschaft und sein überhastetes Aufstehen, als sie später den Raum betritt; Zeit eben für die großen und kleinen Charaktermomente; Zeit vor allem, um uns nach mehr Zeit mit Gwendoline Christie und Nikolaj Coster-Waldau sehnen zu lassen.

    Briennes entschlackt inszenierter Ritterschlag und Jaimes gewohnt unangenehmes Gespräch mit Bran gehören zu jenen Szenen in Ein Ritter der sieben Königslande, die ganze Character Arcs sauber zu einem Ende bringen könnten. Selbiges gilt für Arya (Maisie Williams), die von allen lebenden Figuren am vehementesten versucht hat, den Erinnerungen abzuschwören. Sie scheiterte und obsiegte zugleich, indem sie sich wieder mit dem wahren Namen zu erkennen gab.

    Die einvernehmliche Liebesnacht mit Gendry (Joe Dempsie) besiegelt diese Akzeptanz ihrer eigenen Wünsche und Lust. In Folge 2 der 8. Staffel von Game of Thrones wirkt der heranreitende Tod neben dem im Dampf schwitzenden Gendry so unsagbar langweilig, dass Arya den Night King im Alleingang mit ihrem neuen Stab niedermetzeln sollte. Das ist doch mal ein Plan.

    Zitat der Folge: "We're all going to die. But at least we die together." (Tormund, zwinker-zwinker)

    Was sagt ihr zu dieser 2. Folge der letzten Staffel von Game of Thrones?

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