Wenn ihr auf der Suche nach richtig ungemütlichen Horror-Filmen seid, dann dürfte euch die Filmografie von Veronika Franz und Severin Fiala sehr glücklich machen. Zwei zutiefst beunruhigende Psycho-Dramen mit heftigem Grusel-Einschlag haben die beiden in der vergangenen Dekade inszeniert. Jetzt folgt der nächste Streich.
Nach Ich seh, ich seh (2014) und The Lodge (2019) entführen Franz und Fiala ins düstere Österreich des 18. Jahrhunderts. Konkret setzt die Handlung 1750 ein, also in einer Zeit, in der die Aufklärung den Menschen ein Begriff sein sollte. Und dennoch dominiert in Des Teufels Bad die Angst vor gesellschaftlichen und religiösen Strukturen.
Neu im Kino: Das Horror-Psycho-Drama Des Teufels Bad beruht auf wahren Begebenheiten, die zutiefst erschüttern
Wie weit diese Angst geht, sehen wir gleich in den ersten Minuten des Films: Eine junge Frau ermordet ein Baby, um danach die Tat zu gestehen und den Kopf abgeschlagen zu bekommen. Warum? Weil sie davor im Beichtstuhl um Erlösung für ihre Sünden bitten kann und somit doch noch in den Himmel kommt. Das ist aber noch nicht alles.
Hier könnt ihr den Trailer zu Des Teufels Bad schauen:
Um die Motivation hinter der grausamen Tat zu verstehen, müssen wir noch einen Schritt weiter zurücktreten. Denn eigentlich wollte sich die Frau das Leben nehmen. Wer Suizid begeht, landet aber direkt in der Hölle, so das Dogma der Kirche. Der Kindsmord mit anschließender Beichte und Enthauptung fungiert somit als Alternative.
Historische Quellen dienen als Grundlage für den neuesten Albtraum, den Franz und Fiala in äußerst unbehaglichen Bildern auf die Leinwand bannen. Eigentlich herrscht in Des Teufels Bad sehr viel Ruhe. Entspannt durch den Wald wandern können wir jedoch nicht. Jedes Knacken der Äste könnte ein verräterisches Geräusch bedeuten.
Stattdessen folgen wir der gläubigen Agnes (Anja Plaschg), die sich einen verurteilenden Blick nach dem anderen einfängt, da sie kein Kind zur Welt bringt. Die Schwiegermutter wird argwöhnisch, die Dorfgemeinschaft ebenso. Doch Wolf (David Scheid), Agnes' angetrauter Mann, verweigert ihr den Sex, was natürlich niemand weiß.
- Zum Weiterlesen: Unser Bericht von der Berlinale zu Des Teufels Bad
Des Teufels Bad lebt von seiner erdrückenden Atmosphäre und Anja Plaschgs richtig starker Darbietung
Des Teufels Bad zeichnet ein präzises wie verstörendes Porträt einer Gesellschaft, in der jede Figur, aber vor allem Frauen, um ihren Status fürchten müssen. Daher lenken die Menschen die mit Verachtung strafenden Blicke auf andere. Der Horror entsteht hier aus Ohnmacht und Verzweiflung. Niemand kann der Angst entkommen.
Auf der Berlinale, wo Des Teufels Bad Anfang des Jahres seine Premiere feierte, wurde Kameramann Martin Gschlacht mit dem Silbernen Bären für herausragende künstlerische Leistung ausgezeichnet. Seine beklemmenden Bilder tragen den Film – zusammen mit der aufwühlenden Performance von Hauptdarstellerin Anja Plaschg (Soap&Skin), die uns Agnes' schockierenden Leidensweg nachvollziehen lässt.
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Des Teufels Bad läuft seit dem 14. November 2024 in den deutschen Kinos. Die nächste große Station sind die Oscars: Die dritte Regiearbeit von Franz und Fiala wurde als österreichischer Kandidat für den Besten internationalen Film eingereicht.