Ghost in the Shell mit Scarlett Johansson ist ein erstaunlicher Sci-Fi-Blockbuster

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Ghost in the Shell
12.07.2020 - 21:25 UhrVor 28 Tagen aktualisiert
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Die Hollywood-Version von Ghost in the Shell ist zum Kinostart auf wenig Gegenliebe gestoßen. Dennoch gehört der Science-Fiction-Blockbuster mit Scarlett Johansson zu den erstaunlichsten seiner Art.

Die Live-Action-Adaption des Anime-Meilensteins Ghost in the Shell stand nie unter einem guten Stern. Schon die Ankündigung sorgte für obligatorisches Augenrollen in der Filmwelt, ehe die Besetzung von Scarlett Johansson zum Aufschrei führte: Einmal mehr machte sich Hollywood eine Geschichte aus einem anderen Kulturkreis zu eigen und besetzte die Hauptrolle mit einer weißen Schauspielerin - die Kontroverse liegt auf der Hand.

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Die Vorlage

Ein Blick auf das Einspielergebnis des Films gibt diesem Narrativ recht. Aufwendig umgesetzt für 110 Millionen US-Dollar konnte Ghost in the Shell anno 2017 in den USA gerade einmal 40 Millionen US-Dollar an den Kinokassen einspielen. Ein vernichtender Flop, auch im Angesicht der 129 Millionen US-Dollar, die von internationaler Seite dazukamen. Seitdem legt sich der Mantel des Schweigens über das Projekt.

Ghost in the Shell und die nachdenkliche Cyberpunk-Welt

Vergessen sollten wir diesen Ghost in the Shell-Film aber auf keinen Fall, da er ein wahrlich erstaunlicher Vertreter seiner Gattung ist. Während im Science-Fiction-Kino auf der großen Leinwand vor allem Spektakel und Exzess dominieren, entpuppt sich die Reise in die Cyberpunk-Welt einer nahen Zukunft als ein unerwartet stilles, nachdenkliches Unterfangen, das die Erwartungen fast in jeder Hinsicht unterläuft.

Schaut den Trailer zu Ghost in the Shell:

Ghost in the Shell - Trailer (Deutsch) HD
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Dem Schatten des Anime von Masamune Shirow (sowie Masamune Shirows Manga-Vorlage) kann der Film zwar nicht entkommen. Zu ikonisch sind einzelne Bilder, als dass sie Regisseur Rupert Sanders in seinem Ghost in the Shell komplett ignorieren könnte. Mitunter orientiert sich seine Version der Geschichte genauestens an den visuellen Impulsen der Vorlage - ein Nachteil entsteht daraus allerdings nicht.

Die Grenzen zwischen Körper und Geist verschwimmen

Im Gegenteil: Nachdem Rupert Sanders schon im Zuge von Snow White and the Huntsman sein ästhetisches Gespür unter Beweis stellte, erweckt er nun die aus Ghost in the Shell vertrauten Animationen in einem dermaßen bewundernswerten Live-Action-Gewand zum Leben, dass es einem die Sprache verschlägt. Das Design dieser Welt zieht mit jeder weiteren Einstellung nur noch mehr in den Bann.

Es ist aber nicht nur eine sehr schöne Optik, die hier entsteht, sonder ebenfalls eine faszinierende Atmosphäre. Kalte, graue Umgebungen vereinen sich mit Neonfarben und einer unheimlichen, gespenstischen Ruhe, ganz entgegen dem wilden Treiben eines Action-Blockbusters, wie man ihn erwarten würde. Abseits einzelner Akzente, die vor geballter Bewegung strotzen, entwirft Rupert Sanders eine Cyberpunk-Meditation.

Ghost in the Shell

So eng Ghost in the Shell eben noch mit den unverkennbaren Motiven der Vorlage verbunden war, entwickelt der Film ab diesem Punkt eine eigene Dynamik, die sich weniger als Reproduktion des Vertrauten denn als Erweiterung versteht. Gerade im Hinblick auf Scarlett Johanssons Major kann sich fortan der zentrale Dialog des Films entfalten, wenn die Grenzen zwischen Körper und Geist zunehmend verschwimmen.

Scarlett Johansson und die Einsamkeit im Flussbett

Ghost in the Shell erweist sich somit als ein Film, der sich über das Bekannte hinwegsetzt und Dinge zusammenführt, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören, geschweige denn zusammenpassen. Dazu gehört etwa das Casting von Scarlett Johanssons als Major, das im Kontext der Geschichte durchaus Sinn ergibt, oder die Begegnung später zwischen Major und dem von Michael Pitt verkörperten Bösewicht Kuze.

Verblüffend wie ergreifend ist die Tragik, die diese Grenzgänger vereint, und von Rupert Sanders in einem leisen, traurigen und einfühlsamen Zukunftsgedicht vorgetragen wird. Jede Faser dieses Films kündet von einer unbeschreiblichen Einsamkeit, die jede der Figuren begleitet, aber besonders Major in die Dunkelheit und die Tiefe führt. Da gleitet sie dann unscheinbar durch ein Flussbett, völlig losgelöst vom Rest der Welt.

Ghost in the Shell

Genau solche transzendenten Momente machen den neuen Ghost in the Shell-Film zu einer außergewöhnlichen Erfahrung. Die größte Überraschung verbirgt sich somit nicht in einer plötzlichen Wendung der Geschichte, sondern in der Poesie der Bildsprache, die Rupert Sanders definitiv beherrscht. Mal hat er sie fest im Griff, doch im entscheidenden Augenblick lässt er seinen Film einfach durch die filmischen Räume driften.

Wenig ist so einnehmend und kostbar, besonders dann, wenn es gänzlich unverhofft in einem Film passiert, dem von Anfang an sein Scheitern prophezeit wurde. Schlussendlich bewegt sich Ghost in the Shell mit seiner gedankenverlorenen Ergründung der Science-Fiction- und Cyberpunk-Motive im Zusammenspiel mit menschlichen Emotionen aber auf dem gleichen Pfad wie zuletzt etwa auch Blade Runner 2049.

Ghost in the Shell läuft heute Abend um 20:15 Uhr auf ProSieben. Die Wiederholung folgt in der Nacht von Sonntag auf Montag um 0:45 Uhr.

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