Eine unerwartete Reise

Hobbiton, ein Filmset für die Ewigkeit

Bag End @ Hobbiton
© JM
Bag End @ Hobbiton

Natürlich beginnt alles mit J.R.R. Tolkien und seiner Liebe zu Sprache und Mythologie. Nach dem überraschenden Tod seiner Mutter, wendet sich Tolkien bereits mit 12 Jahren den Sprachen zu und vertieft diese keimende Leidenschaft im Laufe seiner Studienzeit. Als Soldat kämpft er gegen das Deutsche Reich im 1. Weltkrieg. Angst, Mut und Tod sind in dieser Zeit täglicher Begleiter Tolkiens. In den Schützengräben Frankreichs beginnt er mit Notizblock und Schreibstift bewaffnet an der Arbeit zu “The Book of Lost Tales”. Unvorstellbar, dass die Schlacht an der Somme, eine britisch-französische Großoffensive gegen das Deutsche Reich, die Geburtsstunde der Mittelerde-Mythologie ist.

Nach Ende des Krieges lässt sich Tolkien mit seiner Familie in Oxford nieder und wird Professor für das Angel-Sächsische. Es heißt, dass er sich beim Benoten einer Arbeit so sehr langweilte, dass er anfing diese vollzukritzeln und diese eine verschmierte Zeile sollte der Beginn einer unerwarteten Reise sein: “In einem Loch im Boden wohnte ein Hobbit…”. Meine Reise beginnt erst viele Jahre später und sie soll mich direkt nach Hobbiton führen.

Es ist ein Montag, der 11. Februar 2013. Ich checke aus meinem Hotel in Auckland aus. Einen Tag zuvor war ich erst in Neuseeland angekommen, geflogen mit einer Maschine der Fluglinie Air New Zealand. The Airline of Middle-earth steht in großen Buchstaben auf dem Rumpf. Darunter versammeln sich in einer Reihe alle 13 Zwerge aus Der Hobbit: Eine unerwartete Reise von Peter Jackson. Thorin, Balin und Dwalin, Bifur, Bofur und Bombur, Fili und Kili, Oin und Gloin, Nori, Dori und Ori. Ein durchaus ermunternder Anblick für jemanden, der gleich um den halben Erdball fliegen muss. Mit Jetlag in den Knochen mache ich mich auf den Weg nach Matamata, cirka 2h von Auckland entfernt. Von dort ist es nur noch ein Katzensprung bis Hobbiton. Die Region um Matamata und Hamilton ist dem Neuseeländer als Waikato bekannt. Waikato ist außerdem der längste Fluß Neuseelands. In Māori heißt das so viel wie “fließendes Wasser”. Der geneigte Tolkien-Fan kennt diese Region wohl eher als The Shire, das Auenland.

Der Weg wird holpriger, die Landschaft ist hügelig soweit ich schaue, nur die Wiesen sind nicht so grün wie erwartet. Es ist ein sehr trockener Sommer dieses Jahr, sagt Henry der Fahrer. Hier und dort grasen aber doch ein paar Schafe. Das müssen wohl die Schafe der Alexander Familie sein. Ich stehe tatsächlich auf dem Land, das Peter Jackson und seine Location Scouts im Jahre 1998 entdeckten. Hier wollten sie das Auenland erbauen, aber erstmal mussten sie mit der Alexander Familie reden. Das ist an einem Samstagnachmittag gar nicht so einfach, denn das Türklopfen wird während eines Rugbyspiels in der Regel bewusst überhört. Glücklicherweise war gerade Halbzeit und die Tür öffnete sich den überaus enthusiastischen Besuchern doch noch. 14 Jahre später findet sich auf der Alexander Farm nicht nur Schaf und Rind, nein auch Touristen. 2.000 am Tag sind es, die Mehrheit kommt aus Großbritannien, Australien und Deutschland. Es gibt keine größere Touristenattraktion in Neuseeland. Der Touristenshop und die zahlreichen Busse auf dem Parkplatz dahinter machen keinen Hehl daraus.

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