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TV-Kritik Dr. Hope

Hoffnungslose deutsche Fernsehlandschaft?

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23.03.2010 - 07:00 Uhr
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Heike Makatsch ist Dr. Hope
© ZDF
Heike Makatsch ist Dr. Hope
Wie ein Rosmunde-Pilcher-Film wirkte der gestrige erste Teil des Biopics über eine Pionierin der deutschen Medizin: Heike Makatsch spielte Dr. Hope, eine Frau, die trotz aller Repressalien gegen Frauen im 19. Jahrhundert ihre Zulassung zur Ärztin erhielt.

Der Untertitel klang bereits verdächtig, die erste Hälfte von Dr. Hope – Eine Frau gibt nicht auf bestätigte gestern Abend die Bedenken: Dr. Hope verkam leider zu einer Art “Frauenfernsehfilm” à la Rosemunde Pilcher. Auch wenn die Grundthematik der ersten Gynäkologin Deutschlands durchaus für alle Bevölkerungsgruppen interessant schien, setzten die Macher des zweiteiligen Biopics auf eine langweilige Inszenierung, bepackt mit steifen Dialogen in veraltetem Umgangsdeutsch. Selbst die einst noch so frech wirkende Heike Makatsch spielte im Korsett und brachte den eisernen Willen dieser Pionierin der deutschen Medizin nicht wirklich zum Gelten.

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Gezeigt werden sollte das Leben einer ungewöhnlichen Frau, die in der Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts versuchte, die Schranken gegen das weibliche Geschlecht zu durchbrechen. Sie studierte Medizin – und obgleich Frauen damals kein Abitur machen durften und sie somit eigentlich kein Examen hätte ablegen dürfen, gelang ihr dies. Dr. Hope Bridges, wie die Halb-Engländerin hieß, verliebte sich früh in einen Kommilitonen – doch ihre ganze Leidenschaft galt stets der Medizin. Nach dem Examen und der Heirat lernte sie Frankfurt am Main kennen, pflegte dort Patienten aller Schichten und musste sich schließlich im bayrischen Kirchheim in Kur begeben, da sie sich an Tuberkulose ansteckte. Dort bauten sie und ihr Mann dann ein Kurzentrum auf.

Die unvergleichliche Inka Friedrich brachte einen parteipolitischen Faktor mit in den Film, der die Haupthandlung wohltuend bereicherte: Clara Eissner, die sozialdemokratisch engagierte Frauenrechtlerin. Justus von Dohnányi war ebenso passend besetzt als fürsorgender und liebevoller Partner der eigenwilligen Hope Bridges. Leider bot ihnen die Inszenierung von Regisseur Martin Enlen nicht wirklich Raum zur Entfaltung. Letztendlich bleibt die Frage im Raum stehen, an welcher Stelle die 5 Millionen Euro Produktionskosten aufgebracht wurden, zumal das ZDF sogar der Biografin von “Dr. Hope” Entschädigung zahlen musste, weil dieser auffiel, dass die Drehbuchautoren ganze Inhalte mitsamt der Tippfehler aus ihrer Vorlage abgeschrieben hatten.

Und was meint ihr? Ist dem ZDF mit Dr. Hope – Eine Frau gibt nicht auf ein Erfolg gelungen?

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