Zum 30. Geburtstag

Jamie Bell - Schon lange nicht mehr Billy Elliot

Jamie Bell in Billy Elliot
© Universal Pictures
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Ein Leben wie im Film – das ist für Schauspieler Normalität. Doch auf den britischen Filmschauspieler Jamie Bell trifft dieses Sprichwort ganz besonders zu. Mit nur 14 Jahren setzte sich der aus dem Nordosten Englands stammende Junge ohne filmische Vorerfahrung gegen 2000 andere Bewerber durch und ergatterte die Hauptrolle in der britischen Tragikomödie Billy Elliot - I Will Dance. Auf einen Schlag wurde Bell international bekannt und das mit einer Geschichte, die seiner eigenen so ähnlich ist. Heute wird Jamie Bell 30 Jahre alt und wir haben uns gefragt, wie viel Billy Elliot noch in ihm steckt.

Mehr: Jamie Bell als historischer Spion in Turn

Billy Elliot ist ein Junge aus der nordenglischen Arbeiterklasse, der eines Tages seine Leidenschaft für das Ballett entdeckt. Trotz großer Hürden und Vorurteile von Seiten seiner Freunde und Familie gibt Billy seinen Traum vom Tanzen nicht auf. Auch der junge Jamie Bell musste, als er im Alter von 6 Jahren mit dem Tanzen anfing, einiges an Spott über sich ergehen lassen. Obwohl er in einer Familie von Tänzerinnen aufwuchs, war der Sport unter Jungen immer noch verpönt. Und noch etwas hat Bell mit seiner Debütrolle gemeinsam: Auch er ist in einem Haushalt mit nur einem Elternteil aufgewachsen. Seine Eltern trennten sich noch vor seiner Geburt.

Dass Billy Elliot so erfolgreich wurde, liegt deswegen vor allem auch an der ungemeinen Authentizität, die Bell zu seiner Rolle brachte. Der kleine Film von Regisseur Stephen Daldry (Der Vorleser, The Hours) zieht seine emotionale Stärke aus Jamie Bells Natürlichkeit und Glaubhaftigkeit. Egal, ob als sensibler, etwas einsamer Junge, als passionierter Tänzer oder als peinlich berührter, zorniger Teenager, Bell schaffte es mit nur 14 Jahren, die emotionale Tiefe und Zerrissenheit der Figur auf den Punkt zu bringen. Für seine Spielfreude und Einfühlungsvermögen wurde Jamie Bell 2001 dann auch mit dem BAFTA in der Kategorie Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Ein unglaubliche Errungenschaft für den jungen, unerfahrenen Schauspieler, der seine profilierten Konkurrenten, darunter Tom Hanks, Michael Douglas und Russell Crowe, alt aussehen ließ. Tatsächlich waren viele Kritiker damals sogar der Meinung, Bell hätte für seine Leistung in Billy Elliot einen Oscar verdient.

Der Fluch der Kinderstars

Mit großem Erfolg in jungen Jahren kam allerdings auch große Verantwortung, an der in der Vergangenheit schon viele junge Schauspieler zerbrochen sind. Plötzlich sind sie Teil einer glamourösen Welt mit ungeahnten Freiheiten, aber auch unter ständiger Beobachtung. Ein Schicksal, dass schon so manchem Jungschauspieler das Genick gebrochen hat. Doch Jamie Bell ist eines der positiven Beispiele, er schaffte es, dem Fluch der Kinderstars zu entkommen. Im Nachhinein ist er deswegen sogar sehr froh, dass er damals nicht auch noch mit einem Oscar bedacht wurde (via Digital Spy):

Ich glaube, es hätte mein Leben ruiniert. Kannst du dir vorstellen, am Dienstag zurück in die Schule zu gehen, nachdem du gerade einen Oscar gewonnen hast? Du würdest verrückt werden. Es ist eine gefährliche Industrie für junge Menschen. Man muss beschützt werden und braucht gute Menschen in seinem Umfeld.

Bell ist sich sicher, dass er die aufregende wie schwierige Zeit nach Billy Elliot nicht ohne die Hilfe seiner Familie und Vertrauten (darunter auch der Billy Elliot-Regisseur Stephen Daldry) bewältigt hätte. So blieb er vorsichtig und ließ sich nicht sofort von Hollywood und großen Blockbuster-Produktionen mitreißen. Stattdessen konzentrierte er sich auf die Schule und kleinere Indie-Produktionen, die ihm trotzdem schon die Chance gaben, mit interessanten Filmemachern zusammenzuarbeiten. So spielte er unter anderem Hauptrollen in dem amerikanischen Thriller Undertow - Im Sog der Rache von David Gordon Green (Ananas Express, Our Brand Is Crisis) sowie in Dear Wendy, einer vom kontroversen Filmemacher Lars von Trier geschriebenen Tragikomödie über eine Gruppe von Außenseitern, die einen Club für pazifistische Pistolenliebhaber gründen.

Der Abschied von Billy Elliot

2005, mit knapp 19 Jahren, fing Jamie Bell an, die Rolle des aufgewühlten Teenagers hinter sich zu lassen und schaffte den Sprung zu größeren Hollywood-Produktionen. Seine Rolle des kleptomanischen Waisenjungen Jimmy in Peter Jacksons King Kong erinnert zwar noch an seine früheren Paraderollen, doch spätestens mit seiner Nebenrolle als Soldat in Clint Eastwoods mehrfach-oscarnominiertem Kriegsfilm Flags of Our Fathers verabschiedete sich Bell von dem durch sein Resümee vorgeschriebenen Rollenbild.

Mittlerweile kann Jamie Bell auf eine imposante und vielseitige Filmografie zurückschauen. Sei es als Sci-Fi- oder Actionheld in großen und kleinen Produktionen wie Jumper, Snowpiercer, Defiance und Der Adler, als mietbarer Sadist in Lars von Triers Erotikdrama Nymphomaniac 2 oder als animierter Comic-Charakter in Steven Spielbergs Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der 'Einhorn', es gibt kaum ein Genre, in dem sich Bell noch nicht ausprobiert hat. Zuletzt konnte Jamie Bell auch das Superhelden-Genre von seiner To-Do-Liste streichen, als er die Rolle von The Thing im Fantastic 4-Reboot übernahm. Und auch abseits vom Kino feiert Bell in den letzten Jahren erste Erfolge, als er in Craig Silversteins Historiendrama Turn seine erste Serien-Hauptrolle ergatterte.

Was bleibt übrig von Billy Elliot?

Jamie Bell hat in den letzten 15 Jahren ohne Frage eine beeindruckende Entwicklung vom Kinderstar zum ernstzunehmenden Charakterschauspieler durchgemacht. In gewisser Hinsicht ist Jamie Bell seiner Debütrolle Billy Elliot trotzdem treu geblieben. Immer noch wird der Schauspieler vor allem von den schwierigeren Charakteren angezogen, den Außenseitern, Rebellen und Sonderlingen. Seit er mit Billy Elliot zum ersten Mal einen Jungen mit schwieriger familiärer Vergangenheit spielte, gehörten immer wieder Waisen und Figuren mit schwierigem Elternhaus zu seinem autobiographisch angehauchten Rollenrepertoire. Auch wenn Jamie Bell glücklich darüber ist, dem Fluch des Kinderstars und der Gefahr des One-Hit-Wonders unter den Schauspielern entkommen zu sein, hat er es nicht eilig, erwachsen zu werden:

Junge Menschen zu spielen ist irgendwie toll – man darf seine Kindheit verlängern. Ich glaube, ich könnte keinen Highschool-Schüler mehr darstellen, aber ich finde junge Menschen sehr interessant. Ihre Energie ist unvergleichlich und ihre Emotionen sind unglaublich intensiv.

Auch wenn seine Rückkehr für Tim und Struppi 2 noch nicht offiziell bestätigt ist, der vielseitige Schauspieler wird sich die Chance kaum entgehen lassen, seinem inneren Kind mal wieder freien Lauf zu lassen. Schon lange kein Hollywood-Außenseiter mehr, macht Jamie Bell trotzdem sein eigenes Ding und bleibt dadurch vor allem eines: unvorhersehbar. Wir sind auf jeden Fall gespannt, was für eine Figur der außergewöhnliche Schauspieler als Nächstes zum Leben erweckt.

Welches ist eure Lieblingsrolle von Jamie Bell?

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