Freie Kritik vs. Promotion

Medien, Til Schweiger & der Schutzengel Bundeswehr

Die Medien, Til Schweiger & der Schutzengel Bundeswehr
© Warner Bros.
Die Medien, Til Schweiger & der Schutzengel Bundeswehr

Die Beziehung zwischen Til Schweiger und der Filmpresse war nie sonderlich innig – sie ist viel eher von gegenseitiger Abneigung geprägt. So wundert es nicht, dass es auch um Schutzengel, den jüngsten Streich des deutschen Actionstars, wieder einige Aufregung gab. Und doch haben die Ereignisse diesmal eine andere Qualität, als die Querelen der letzten Jahre. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens haben sich die Fronten im Krieg um die Schwarzer Peter-Zuteilung mit jedem Gefecht weiter verhärtet. Zweitens gibt es in dem Konflikt nun eine dritte Partei, die sich – zu allem Überfluss – über ihre Rolle in dieser Tragikomödie leider selbst nicht ganz im Klaren ist: die deutsche Bundeswehr.

Doch wir beginnen mit Kriegsschauplatz Nummer Eins. Til Schweiger hat für Schutzengel, wie immer seit Keinohrhasen, keine offene Pressevorführung angesetzt. Diese Praxis pflegt er aus Unzufriedenheit über – zugegeben manchmal überzogen polemische – negative Kritiken. Stattdessen durfte nur eine Gruppe handverlesener Journalisten den Film vorab begutachten. Dies führte, wie immer seit Keinohrhasen, zu einem Protest des Verbands der deutschen Filmkritik. Zur Erklärung: Pressevorführungen sind ein kostenloses und offenes Angebot der Filmverleiher an die schreibende Zunft, sich einen Film vorab anzusehen, damit diese dann wiederum mit Kritiken auf den Film aufmerksam macht.

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Auf den ersten Blick könnte nun also angenommen werden, die liebe Presse sei beleidigt, weil sie nicht umsonst ins Kino darf. Doch betrachten wir den Fall genauer, wird klar, dass Til Schweigers Praktik alles andere als sauber ist. Durch die Bevorzugung einzelner Journalisten versucht er, die Kritik an seinen Filmen langfristig zu beeinflussen. Til Schweiger-Filme sind nun einmal Publikumsmagneten, weswegen es wiederum für Zeitungs- und Onlineredaktionen interessant ist, über sie zu schreiben. Die Botschaft ist klar: Wollen Redaktionen in Zukunft vorab berichten, dann dürfen ihre Kritiken nicht allzu negativ ausfallen. Hinzu kommt, dass das Startwochende für Filme finanziell sehr wichtig ist. Mit seiner Methode kann Til Schweiger negative Kritiken zumindest vor dem Filmstart verhindern und so (unlauteren) Einfluss auf den Wettbewerb an der Kinokasse nehmen.

Verschärft wird die Situation durch die Finanzierung von Schutzengel. Über das Medienboard Berlin-Brandenburg, den Deutsche Filmförderfonds und die Filmförderanstalt hat Til Schweiger über drei Millionen Euro aus öffentlichen Fördermitteln erhalten. Die Presse bemängelt nun zurecht, dass der Darsteller zwar öffentliche Förderung in Anspruch nimmt, aber gleichzeitig versucht den Film einer freien und öffentlichen Diskussion zu entziehen. Auch die Filmförderer stehen in der Kritik. Sie könnten sich als Geldgeber zumindest für eine faire Pressebehandlung stark machen.

Die Vermarktung seiner Filme hat Til Schweiger also im eisernen Griff. Für Schutzengel ließ er sich zusätzlich einen besonderen Promo-Gag einfallen, der in den Medien ebenfalls für Kritik sorgt. Im Sommer flog er samt Filmrolle nach Afghanistan, um den Actionfilm vor deutschen Soldaten uraufzuführen. Schutzengel spielt zwar in Berlin, Til Schweiger verkörpert jedoch einen Ex-Soldaten, der unter anderem in Afghanistan gedient hat. Die Aktion brachte den Soldaten ein bisschen Abwechslung und Til Schweiger einen cheesy Werbefilm für Schutzengel, in dem die deutschen Soldaten holprig beteuern, wie unglaublich gut und realistisch der Actionstreifen ist. (Den Trailer gibt es am Ende des Artikels)

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So weit, so werbewirksam. Das Problem: Die Reise wurde vom Verteidgungsministerium bezahlt. Immerhin, zumindest das Militärflugzeug wäre angeblich sowieso nach Mazar-i Scharif geflogen. Auf die Frage, warum die Bundeswehr Werbung für einen Kinoblockbuster macht, klärt Verteidigungsminister Thomas de Maizière die Presse auf: ‘Es ist ja gerade umgekehrt: Nicht wir werben für Herrn Schweiger. Sondern Herr Schweiger macht Werbung für die Bundeswehr!’ Interessant: Im Film spielt Til Schweiger einen traumatisierten, bindungsunfähigen Ex-Soldaten – sein bester Kumpel (Moritz Bleibtreu) hat in Afghanisten gar beide Beine verloren. Nicht gerade der Traum eines jeden 18-Jährigen. Egal, was Thomas de Maizière wirklich über die Aktion denkt, zentraler Nutznießer des Trips bleibt definitiv Til Schweiger.

Ob nun bei Freund oder Feind des Darstellers: Der Eindruck bleibt, dass Til Schweiger in finanzieller Hinsicht bessere Nehmerqualitäten beweist als im Bereich der Filmkritik. Wie er seine Filme promotet, bleibt seine Sache, doch wir sind trotzdem der Meinung, dass Til Schweiger Mut beweisen und sich der der freien Kritik stellen sollte. Denn letztendlich gibt es für ihn – auch wenn die Kritiken wieder schlecht ausfallen sollten – keinen Grund sich zu grämen. Ein traditionell erbarmungsloser Kritiker wird ihm vermutlich auch bei Schutzengel ohnehin wieder Recht geben: die Kinokasse.

Wie denkt ihr über die Fehde zwischen Presse und Til Schweiger? Was haltet ihr von seinem Trip nach Afghanistan?

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