Jahresrückblick 2012

Meine Enttäuschung 2012 - Killing Them Softly

Meine Enttäuschung des Jahres - Killing Them Softly
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Meine Enttäuschung des Jahres - Killing Them Softly

Ich hatte ja schon immer eine Vorliebe für Gangsterfilme, leider finden sie heutzutage immer weniger den Weg ins Kino. Dementsprechend optimistisch blickte ich der Veröffentlichung von Killing Them Softly entgegen, schließlich handelte es sich nach Sichtung des Trailers um einen knallharten Gangsterstreifen, der das Genre zwar mit Sicherheit nicht revolutionieren, aber bestimmt ein würdiger Vertreter dessen sein würde. Brad Pitt machte einen guten Eindruck als kompromissloser Auftragskiller und in zahlreichen Foren versicherten Fanboys, dass ein Film von Andrew Dominik ja überhaupt gar nicht schlecht sein kann, da sein letzter Film, Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford, ein absolutes Meisterwerk sei.

Die Ernüchterung stellte sich dann jedoch relativ früh ein. Ist die Eröffnungssequenz mit dem befremdlichen Spiel aus Ton und Bildschnitt noch durchaus reizvoll und aufregend, gibt Dominik schon kurz darauf die Marschrichtung für seine sterbenslangweilige dritte Regiearbeit vor. Es wird geredet. Und geredet. Und geredet. Und geredet. Alles halb so schlimm, wenn die Dialoge inszenatorisch nicht durchweg vollkommene Nullnummern wären, denn bis auf ein paar wenige Ausnahmen schustert Dominik seinen Film vollkommen ideen-, lust- und lieblos zusammen. Offensichtlich wollte er die Dreharbeiten genauso schnell hinter sich bringen, wie ich diesen Kinobesuch. Ich sehe Ben Mendelsohn wirklich gerne bei der Arbeit zu, doch irgendwann konnte ich selbst ihn nicht mehr sehen, weil ich mich so sehr nach Abwechslung gesehnt habe. Lustigerweise scheint auch der Herr Regisseur diesen Umstand bemerkt zu haben und beschloss somit kurzerhand, seine wenigen Actionszenen so zu gestalten, dass sie Killing Them Softly endgültig ungenießbar machen. Dabei variiert er einen übereifrigem, völlig fehlplatziertem CGI-Einsatz mit dem grauenhaft wackligem Kameraeinsatz.

Auch aus dramaturgischer Sicht ist Killing Them Softly größtenteils zum An-den-Kopf-fassen. Charaktere werden vorgestellt und verschwinden, bevor sie ein Mindestmaß an Interesse wecken können, Subplots verlaufen sich im Sand und die Hauptstory könnte kaum holpriger sein. Richtig schlimm wird der Film aber erst, wenn er versucht, als Kapitalismus- und Gesellschaftskritik ernstgenommen zu werden. Diese wäre (vermutlich) sehr gerne intelligent und subtil, hätte aber in Wahrheit aufdringlicher kaum sein können und wirkt dabei meistens so gut platziert wie Bushido in einer Polittalk-Sendung. Denn während sonst über die gesamte Laufzeit gehorsam das 1×1 der Gangster-Klischees abgearbeitet wird, schien es irgendjemand für eine besonders ausgefuchste Idee zu halten, dass sich zwei Männer, die sich ihr Geld in der untersten Schicht der organisierten Kriminalität verdienen, während der Autofahrt politische Reden anhören. Das wirkt in dem Kontext des Films nicht nur unfreiwillig komisch, sondern ist auch eine Beleidigung für den Zuschauer, der das Gefühl bekommen soll, etwas furchtbar intelligentes zu sehen und dabei jedoch nur an der Nase herumgeführt wird.

Andrew Dominik scheint sich ohnehin sicher zu sein, dass seine Zuschauer schwer von Begriff sind, also tauscht er in einer Szene seinen politischen Vorschlaghammer gegen einen Raketenwerfer aus und lässt quasi seinen Protagonisten dem Publikum haargenau erklären, was es mit den mysteriösen Andeutungen zu tun hatte. Plumper kann eine politische Message kaum noch untergebracht werden, sodass ein vollkommen belangloser Film endgültig ins Aus manövriert wird. Da muss ich mich wohl noch eine Weile gedulden, bis mein geliebter Gangster-Film mal wieder einen brauchbaren Vertreter zum Vorschein bringt.

Meine sieben Enttäuschungen des Kinojahres 2012
1. Killing Them Softly von Andrew Dominik
2. Shame von Steve McQueen
3. The Man with the Iron Fists von RZA
4. Iron Sky von Timo Vuorensola
5. The Dark Knight Rises von Christopher Nolan
6. Moonrise Kingdom von Wes Anderson
7. Der Hobbit: Eine unerwartete Reise von Peter Jackson

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