Meine liebste Serienfigur - Miss Ellie Ewing aus Dallas

Dallas (1978) - Intro (English)
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Barbara Bel Geddes als Miss Ellie in Dallas
20.04.2016 - 09:00 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Derzeit könnt ihr über die beliebteste Serienfigur aller Zeiten abstimmen. In der Zwischenzeit erklärt die Redaktion, wer für sie der absolute Liebling ist. Heute schreibt Mr.Parrish über die Mutter aller Dramamütter: Miss Ellie aus Dallas.

Hört man heutzutage von Dallas, rollt nahezu jeder automatisch mit den Augen. Kitschige Dramen und klischeehaftes Seifenoper-Verhalten stehen bei der Serie im Vordergrund und locken zu heutiger Zeit kaum jemanden hinter dem Ofen hervor und vor die Fernsehbildschirme. Was damals ein riesiger Erfolg war, ist heute zum Paradebeispiel für die klassische Figurenzeichnung geworden. Der fiese Intrigant, die labile Zicke, der liebe Held und unzählige unerzählte Background-Geschichten, die sich zu jeder Zeit auspacken und staffelweise verarbeiten lassen. Da fragen wir uns ganz schnell: Wieso hocken die alle so lange aufeinander, wenn sich doch keiner vertraut oder leiden kann? Die Antwort dafür liegt in einer einzigen Person: Miss Ellie.

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Von Beginn an scheint das unternehmerische und auch das familiäre Leben auf der Southfork Ranch immer wieder vor dem Abrund zu stehen. Dass keines von beidem den Sprung über die Klippe vollbracht hat, liegt in erster Linie an der ruhigen und liebenden Matriarchin Miss Ellie Ewing. Gleich zu Beginn von Dallas schließen wir die verständnisvolle Frau in unser Herz und es dauert nicht lange, bis wir aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauskommen, weil ihre komplette Familie am Rad zu drehen scheint. Keiner gönnt dort dem anderen den Dreck unter den Nägeln, während Miss Ellie eigentlich jedem das gesamte Glück der Welt wünscht. Uneheliche Kinder werden zu ihren eigenen, betrügenden Menschen gewährt sie immer eine zweite Chance. Mindestens.

Jedes Drama in der Familie Ewing geht Miss Ellie nahe. Doch trotzdem ist sie am Ende immer diejenige, die alle wieder zusammenrauft. Sei es der ewig andauernde Streit zwischen J.R. (Larry Hagman) und seiner On-Off-Ehefrau Sue Ellen (Linda Gray) oder die Integration von Jocks unehelichem Sohn Ray (Steve Kanaly) in die Familie: Miss Ellie behält einen klaren Kopf. Denn auch wenn sie viele Ereignisse emotional belasten, ist ihr immer bewusst, dass es sich um andere Menschen zu kümmern gilt. Familie steht für sie über allem, selbst über dem eigenen Wohl. Und in diesem Zusammenhang ist sie sich auch im Klaren über die Wichtigkeit ihrer eigenen Person in dieser Konstellation. Waren es anfangs vielleicht einzig ihre Mutterinstinkte, die sie zur Problemlöserin gemacht haben, verlässt sie diese natürlich gegebene Position, um sich unabhängig von der Verwandtschaft für ein allgemeines Wohlergehen auf der Ranch und drumherum einzusetzen.

Umso schwerer ist für Miss Ellie ein herber Schicksalsschlag, der sie ereilt. Als bei ihr Brustkrebs diagnostiziert wird, ist es nicht die Krankheit, die sie in ein emotionales Loch fallen lässt. Miss Ellie versucht mit aller Kraft ihre Position als stärkste Stütze der Familie Ewing zu halten, was ihr sichtlich schwerfällt. In einem der traurigsten Momente der Serie Dallas gesteht sie, dass sie sich durch die anstehende Masektomie ihrer Weiblichkeit beraubt fühlt. Sie zweifelt daran, sich danach jemals wieder als Mutter, Frau und vor allem als sie selbst wahrnehmen zu können. Dieser Augenblick treibt nicht nur ihr, sondern auch dem Publikum die Tränen in die Augen.

Sicherlich wurde Miss Ellie als intensiver Charakter von Serienschöpfer David Jacobs erdacht. Was sie jedoch zu einer charismatischen Figur und meinem persönlichen Liebling werden lässt, ist das fantastische Schauspiel der oscarnominierten Barbara Bel Geddes (Geheimnis der Mutter). Für ihren zuletzt erwähnten emotionalen Zusammenbruch erhielt die Darstellerin sogar einen Golden Globe. Zwei Jahre zuvor gab's für ihre Leistung in Dallas bereits einen Emmy. Zu Beginn der Serie nehmen wir sie allerhöchstens als liebes Mütterchen wahr. Das liegt nicht zuletzt an den oben erwähnten (zumeist überzeichneten) Charakteren, wie ihre Söhne J.R. und Bobby (Patrick Duffy). Mit der Zeit wird Miss Ellie allerdings nicht nur zum Fels in der (Öl-)Brandung, sondern auch zum heimlichen Herz der kompletten Serie. Als Ellie-Fan kann ich da sogar das schwächere Donna Reed-Jahr akzeptieren, das uns durch Bel Geddes' gesundheitliche Probleme beschert wurde. Ihre Rückkehr im Jahr darauf ist dafür umso herzerwärmender gewesen.

Welche Serienfigur ist eure liebste?

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