Mit den Avengers im Kino gewesen. Geweint.

Avengers 4: Endgame
© Disney Pictures
Avengers 4: Endgame
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Chefredakteurin von Moviepilot, sozialisiert von Gerippchen Unsterblich, David Lynch und Kirk aus Stars Hollow. Einziges Redaktionsmitglied, welches Mathe mag. Wertet deshalb am liebsten Daten aus.

Spoiler zu Avengers 4: Ich gebe es unumwunden zu: Als Iron Man in Avengers 4: Endgame von uns ging, ohne Abschiedsworte, aber in einer dramatischen Szene, liefen bei mir einige Tränen. Elf Jahre hat uns die Figur begleitet und wohl niemand hat erwartet, dass sie den Zuschauern, dass sie mir derart ans Herz wächst.

Iron Man war der Startpunkt eines ganzen Universums. Immer noch gern erinnere ich mich an seine ersten Witze zu den Klängen von AC/DC. Ich mochte seinen Humor, sein Ego, seinen Charme. Nach zwei Solo-Abenteuern wurde er zum Fixpunkt einer kleinen Gruppe von Superhelden, hatte sich vom egoistischen Playboy zum verantwortungsvollen Partner entwickelt. Nun wird Iron Man in Gestalt von Robert Downey Jr. nie wieder auftauchen.

Sentimentalität muss nicht peinlich sein

"Im Kino gewesen. Geweint." Dieses Zitat stammt von Franz Kafka. Er schrieb es nach einem Kinoabend in sein Tagebuch. Der Autor ließ sich in den 1920er Jahren mitreißen von Filmen, hat sich vor der Leinwand unterhalten lassen und wurde bei manchen Filmen sentimental. Seinen Büchern und Texten kann der Leser dies nicht unbedingt entnehmen, als wäre der private Kinobesuch und das berufliche Leben zwei Welten einer Existenz.

Ähnlich geht es mir. Auf der einen Seite die analytische Filmjournalistin, auf der anderen auch ein Fan-Girl. Zwei Seelen in einer Brust. Von Berufswegen muss mir Sentimentalität heute fast peinlich sein. Verstohlen werden Tränen weggewischt und sich bei Kollegen darüber ausgeschwiegen, was vor der Leinwand mit einem selbst passiert.

Gerade bei einem Mega-Blockbuster, der mit großen Effekten zünden und damit die Zuschauer in die Kinosessel drücken soll, ist die kritische Distanz angemessen. Besonders über die Effekte sollen wir staunen, sie atemlos bewundern. Dass Avengers 4 die menschliche Dramatik in den Vordergrund rückt, macht ihn unter seinesgleichen fast einzigartig.

Avengers 4 schenkt mir Gefühle

Dabei gehört die Rührseligkeit, das Weinen zum Kino dazu, egal bei welchem Film. Denn damit wird die Kraft des Kinos bewiesen, immer noch. Sentimentalität vor der Leinwand zeigt mir nach aller Analyse von Actionszenen, nach der Entschlüsselung von Logik-Löchern, nach dem Drehen und Wenden des Films in alle Richtungen: Das Kino schenkt mir Gefühle. Avengers 4 schenkt mir Gefühle.

Das Kino entführt in verschiedenste Welten und aktiviert eine große Bandbreite an Emotionen. Wut über einen schwachen Helden gehört genauso dazu wie Entsetzen über eine grausige Tat und Trauer über einen schrecklichen Tod. Filme können der Schlüssel zur Seele sein und es schaffen, uns Freuden- und Trauertränen zu entlocken. Von Avengers 4: Endgame hätte ich dies definitiv nicht erwartet und dafür gebührt ihm gehöriger Respekt.

Wann habt ihr das letzte Mal eine Träne im Kino verdrückt?

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