Avengers: Endgame - Das Ende ergibt überhaupt keinen Sinn

Avengers 4: Endgame
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Avengers 4: Endgame
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wieselmax Max Wieseler
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Junior Redakteur bei Moviepilot. Mag die großen Gefühle und schreibt daher am liebsten über Horror. Bekennt sich zu seiner Seriensucht.

Achtung, der Text enthält massive Spoiler zu Avengers: Endgame: Nach 22 Filmen des Marvel Cinematic Universe stellt Avengers 4: Endgame einen Schlusspunkt für zwei Avengers der ersten Stunde dar. Doch gerade das Ende von Captain America ist es, das die verwirrende Logik von Endgame komplett auf den Kopf stellt. Hat Captain America mit seiner Zeitreise das ganze MCU zerstört?

Avengers: Endgame und die komplizierte Zeitreisen-Logik

Zeitreisen sind ein komplexes Thema. Das weiß auch Endgame und versucht sich mit dreisten Mitteln aus der Affäre zu ziehen. Es werden einfach mehrere Zeitreisen-Konzepte in einen Topf geworfen und keine eindeutigen Antworten gegeben. Durch die Popkultur sind wir vor allem mit drei vereinfachten Konzepten der Zeitreise vertraut:

  • Zeit ist unveränderbar: Eine Zeitreise kann die Vergangenheit und Gegenwart nicht ändern. Alle Ereignisse sind wie eine selbst erfüllende Prophezeiung bereits vorherbestimmt. Beispiele: Predestination, Harry Potter und der Gefangene von Askaban, Timecrimes)
  • Zeit ist veränderbar: Jede Änderung an der Vergangenheit hat Konsequenzen für die Zukunft. Es besteht sogar die Gefahr, die eigene Existenz auszulöschen (Das Großvater-Paradoxon). Beispiele sind Zurück in die Zukunft oder Butterfly Effect.
  • Diese wird erweitert durch die Viele-Welten-Theorie: Die eigene Gegenwart ist nicht zu ändern. Jede Änderung in der Vergangenheit lässt die eigene Zeitlinie unberührt und erschafft eine neue Realität. Beispiel: Star Trek, Fringe

Avengers: Endgame beschreitet jedoch einen eigenen Weg und stellt eigene Regeln über Zeitreisen auf. Recht früh in der Vorbereitung auf den Zeithüpfer gibt Professor Hulk seine wissenschaftliche Auffassung des Themas zu Protokoll und erklärt alles, was wir durch Filme über Zeitreisen gelernt haben, für nichtig und paradox. Seiner Meinung und der Quanten-Theorie nach kann das Eingreifen in die Vergangenheit die Gegenwart nicht verändern. Sprich: Baby-Thanos zu töten, bringt nichts.

Das stimmt aber nicht ganz. Mehr Aufschluss über die Regeln der Zeit im MCU gibt schließlich die Älteste gegenüber Bruce Banner. Sollte er ihren Infinity-Stein aus der Vergangenheit entwenden, dann hat dies zwar keinen Einfluss auf seine Realität, jedoch wird dadurch eine neue erschaffen, in der der Zeit-Stein ab 2012 nicht mehr existiert: Dies entspricht der Multiversums-Theorie, auf der auch die Marvel-Comics erbaut sind.

Captain America zerstört die Logik des MCU

Um die Entstehung einer Parallelrealität zu verhindern, reist Captain America am Ende des Films erneut durch die Zeit, um die Infinity-Steine und Thors Hammer Mjölnir exakt an die Momente zurückzubringen, an denen sie entwendet wurden. Doch dann beschließt er, selbst in der Vergangenheit zu verweilen, um sein Happy End mit Peggy Carter zu bekommen und zerstört damit die gesamte Zeitreise-Logik des Films.

Sollte die Älteste etwa doch nicht so viel über Zeit wissen, wie sie vorgibt? Denn wenn der zukünftige Steve Rogers in der Vergangenheit verweilt, würde sich eine komplett neue Realität erschaffen. In dieser sind die Ereignisse aus der Serie Marvel's Agent Carter nie geschehen und es hätten in den letzten 80 Jahren zwei Steve Rogers parallel existiert.

Die alleinige Existenz des Old Man Steve auf der Parkbank am Ende von Endgame widerspricht der Logik des Films. Steve kann in der Realität des Filmes nicht mehr existieren, sondern müsste extra aus seiner neu erschaffenen Paralleldimension angereist sein, was der Film aber in keinster Weise andeutet. Und wie lange hat er da eigentlich schon gesessen?

Selbst wenn es durch ein wahnwitziges Zeitgeschwurbel doch möglich wäre, dass Steve die letzten 80 Jahre auf der Erde war, würde ihn das zu einem riesigen Arschloch erklären. Denn er müsste sich die letzten Jahrzehnte vor den Avengers versteckt haben, hat sie nie kontaktiert und sah tatenlos dabei zu, wie S.H.I.E.L.D. über Jahre hinweg von HYDRA infiltriert wurde.

Die Avengers haben die Zeit irreparabel verändert

So oder so gehört Steve Rogers' Parkbank-Gespräch am Ende zu einem gewaltigen Riss in der Multiversums-Logik des Film. Auch wenn wir darüber hinwegsehen können, resultiert durch die Zeitreisen-Regel des Film ein noch größeres Problem. Zwar wurden die Infinity-Steine und Mjölnir zurück an ihren ursprünglichen Platz gebracht, aber es wurden noch weitere drastische Eingriffe in die Vergangenheit vorgenommen, die neue Realitäten erschaffen müssten.

Durch Tony Starks Schnipser in der finalen Schlacht gegen Thanos wurde eine neue Realität erschaffen, in der Thanos, Gamora und Nebula ab dem Jahr 2014 nicht mehr existieren. Ohne Gamora hätten sich die Guardians of the Galaxy in dieser Realität nie formiert und noch drastischer: Thanos hätte im Jahr 2018 nie den Tod von Heimdall, Loki und Vision verantwortet.

Es müsste also eine Realität existieren, in der alle Avengers noch leben. Darüber hinaus hat der Zeitsprung nach 2012 ebenfalls eine neue Realität erschaffen, in der Loki durch den Tesserakt fliehen kann. Ob wirklich ein Multiversum durch Avengers: Endgame erschaffen wurde, lässt der Film natürlich offen. Vielleicht wurden Thanos und Co. auch durch Iron Man gar nicht ausgelöscht, sondern zurück in ihre Zeit gebracht, um die Zeitlinie in Takt zu halten.

Welche Zeitreise-Logik auch verfolgt wird, am Ende widerlegt Steve Roger sie alle. Vermutlich hatte Professor Hulk Recht damit, dass alle Filme über Zeitreisen unlogisch sind. Am Ende ist es auch vollkommen egal, denn ein Logikloch mehr oder weniger lassen den epischen und emotionalen Abschluss von 11 Jahren MCU nicht weniger kraftvoll wirken. Und vielleicht hat Kevin Feige das alles genauso geplant.

Was haltet ihr von der inkonsequenten Zeitreise-Logik in Avengers: Endgame?

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