Nach Cannes-Streit: Netflix will Orson Welles' letzten Film ins Kino bringen

Orson Welles in Der dritte Mann
© Arthaus/Kinowelt
Orson Welles in Der dritte Mann

Netflix ist bekanntlich nicht besonders kinoaffin und stellt die meisten seiner Produktionen als Stream bereit, ohne sie daneben auch auf die große Leinwand zu bringen. Mit dieser Politik sorgt der Anbieter für Unmut bei vielen Filmfans sowie auch den Verantwortlichen der Filmfestspiele von Cannes. Seit diesem Jahr ist den so genannten Netflix Originals der Zugang zum Wettbewerb des Festivals verwehrt - eine Entscheidung, auf die die Netflix-Chefs mit Trotz reagierten. So sollte an der Croisette 2018 eigentlich Orson Welles' nach vielen Jahren endlich fertiggestellter letzter Film The Other Side of the Wind gezeigt werden, doch der VoD-Dienst machte einen wütenden Rückzieher. Nun allerdings vermeldet Indiewire etwas überraschend: Netflix beschert der finalen, lange verlorenen Regiearbeit des legendären Filmemachers (Citizen Kane) eine limitierte Kinoauswertung. Nähere Infos dazu gibt es bislang nicht, möglicherweise bleibt der Film US-Kinos vorbehalten.

The Other Side of the Wind ist endlich fertig

Die Entstehungsgeschichte von The Other Side of the Wind ist eine sehr turbulente. Die Dreharbeiten zogen sich ebenso wie der Schnitt über Jahre hin, schließlich starb Welles im Jahre 1985 und der Film blieb unvollendet. Die Negative wanderten in Pariser Katakomben, bis Netflix sich dem Opus annahm. Wesentlich vorangetrieben wurde die Fertigstellung des Werks insbesondere von Frank Marshall. Er fungierte damals als Produktionsleiter und scharte nun ein Team von Schnittmeistern um sich, um Welles' Arbeit endlich zu vollenden. Zusätzlich zog er Peter Bogdanovich (Is' was, Doc?) zurate, der in The Other Side of the Wind als Darsteller zu sehen ist. Über Twitter bestätigte Marshall auf Nachfrage eines Fans persönlich, dass Netflix den Film in die Kinos bringt.

Als Netflix The Other Side of the Wind von den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes abzog, meldete sich Orson Welles' Tochter Beatrice zu Wort und forderte den Streaming-Anbieter dazu auf, seine Entscheidung noch einmal zu bedenken. Ihren Worten zufolge seien es die großen Studios gewesen, die das Leben ihres Vaters zerstörten und nun schicke sich Netflix an, dies (posthum) fortzusetzen. Jedoch blieb Beatrice Welles' Appell ohne Erfolg und so wurde The Other Side of the Wind ein Opfer des Streits zwischen Cannes und Netflix. Die Tatsache, dass der Film es nun auf die große Leinwand schafft, besänftigt Orson Welles' Tochter womöglich ein wenig.

Im Mittelpunkt der semi-biografischen Satire The Other Side of the Wind steht der betagte Hollywood-Regisseur Jake Hannaford, der unbedingt ein großes Comeback erzwingen will. Als Kulisse des Films dient eine Party anlässlich des 70. Geburtstags des Proganonisten. Die Hauptrolle spielt John Huston, neben ihm standen etwa auch Oja Kodar, Lilli Palmer, Edmond O’Brien, Cameron Mitchell, Mercedes McCambridge, Susan Strasberg, Paul Stewart und Dennis Hopper für Welles vor der Kamera.

Selbstverständlich wird The Other Side of the Wind nicht nur im Kino, sondern auch bei Netflix landen. Wann genau es so weit ist, steht noch nicht fest.

Freut ihr euch auf The Other Side of the Wind?

moviepilot Team
Jenny von T Jennifer Ullrich
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You want it darker, we kill the flame.
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