Oscar-Favorit von Netflix: Dieser Film schüttelt euch durch wie eine Achterbahnfahrt

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The Trial of the Chicago 7
16.10.2020 - 11:00 UhrVor 4 Tagen aktualisiert
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Heute startet The Trial of the Chicago 7 auf Netflix. Der Film ist nicht nur ein heißer Oscar-Anwärter, sondern auch eine schwindelerregende Achterbahnfahrt.

Steigt ein, in die Aaron Sorkin-Achterbahn auf Netflix! Es ist die größte Attraktion, die ihr diesen Monat auf der Plattform des Streaming-Anbieters sehen werdet, obwohl sich die Prämisse vielmehr nach einer trockenen Geschichtsstunde im Gerichtssaal anhört. Doch wenn ihr erst einmal Platz genommen habt und angeschnallt seid, dann gibt es kein Zurück mehr: The Trial of the Chicago 7 reißt komplett mit.

Oscar-Favorit The Trial of the Chicago 7 erobert Netflix

Aber der Reihe nach: Wovon reden wir hier eigentlich? Und warum ist ausgerechnet das der größte Film auf Netflix im Oktober?

Was ihr vor dem Schauen über The Trial of the Chicago 7 wissen solltet, ist, dass die Geschichte des Films auf wahren Begebenheiten beruht. Im Jahr 1968 haben sich verschiedene Gruppen an protestierenden Menschen in Chicago zu einer großen Demonstration zusammengefunden, um während der Democratic National Convention auf die Übel des Vietnamkriegs aufmerksam zu machen.

Obwohl die Demonstration als friedlich geplant war, eskalierte die Situation und es kam zu gewaltsamen Ausschreitungen zwischen der Polizei und den Demonstrant/innen. Später wurden sieben (zuerst acht) Menschen dafür verantwortlich gemacht und vor Gericht u.a. der Verschwörung und Aufhetzung angeklagt. The Trial of the Chicago 7 erzählt ein aufwühlendes Kapitel der US-amerikanischen Geschichte.

Noch mehr Eindrücke liefert der lange Trailer zum Netflix-Film:

The Trial of the Chicago 7 - Trailer 2 (Deutsche UT) HD
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The Trial of the Chicago 7 bringt somit einiges an Brisanz mit und darf sich allein aufgrund dieser thematischen Auswahl große Oscar-Chancen ausrechnen. Diese Art von Filmen sind bei der Academy gern gesehen, wie ein kurzer Blick in die Historie der Preisverleihung beweist. Zudem deutet jeder Name vor und hinter der Kamera daraufhin, dass der Film geradezu entworfen wurde, um Auszeichnungen zu gewinnen.

Die große, ungefilterte Aaron Sorkin-Show auf Netflix

Ein unglaubliches Ensemble (Eddie Redmayne, Joseph Gordon-Levitt und Sacha Baron Cohen sind nur die Spitze des Eisbergs) vereint sich mit dem unverkennbaren Stil von Aaron Sorkin. Der Drehbuchautor, der seit Molly's Game auch regieführend unterwegs ist, hat einige der geschliffensten Drehbücher der vergangenen Jahre abgeliefert. Sein Meisterwerk dürfte fraglos The Social Network sein, den er mit David Fincher umgesetzt hat.

The Trial of the Chicago 7 stammt nun komplett aus seinem Kopf als Autor und Regisseur. Sorkin weiß bestens um die dramaturgischen Herausforderungen der Geschichte sowie der filmischen Umsetzung. Er entschließt sich daher, seinen Film auf verschiedenen Zeitebenen zu erzählen, um mehr Schwung und Spannung in den angestaubten Gerichtssaal zu bringen. Das Ergebnis ist eine einnehmende Erfahrung.

The Trial of the Chicago 7

Wie rasant das Tempo von The Trial of the Chicago 7 ist, verdeutlicht schon die Eröffnungssequenz: Sätze und Gedanken, die eine Figur angefangen hat, werden von einer anderen beendet - und zwar nicht im gleichen Raum, sondern an verschiedenen Orten. The Trial of the Chicago 7 versteht sich als ein Gedankenstrom, der durch die Magie der Montage zusammengehalten wird und ungefiltert aus dem Skript sprudelt.

Das Drehbuch zum The Trial of the Chicago 7
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Gewissermaßen kommen hier die schlimmsten und die besten Eigenschaften von Aaron Sorkins Schaffen zusammen. Die Argumente sind scharf formuliert, der Film ist extrem kurzweilig und schon bald könnt ihr euch der Sogwirkung nicht mehr entziehen. Gleichzeitig steckt da auch eine gewisse Aggressivität dahinter: Es ist gut möglich, dass ihr diese Achterbahnfahrt mit einem unguten Gefühl im Magen verlasst.

The Trial of the Chicago 7 ist vielleicht zu viel Achterbahn

The Trial of the Chicago 7 schüttelt euch nicht nur auf emotionaler Ebene ordentlich durch, sondern fordert ununterbrochene Aufmerksamkeit bei seinen Dialogfeuerwerken. Diese inspirieren und begeistern in ihrer Rhetorik. Gleichzeitig können sie ermüdend und erdrückend, wenn sie nicht sogar durchschaubar und oberflächlich wirken. Ehe wir richtig in die Argumente eintauchen, ist der Film schon weitergezogen.

The Trial of the Chicago 7

An sich ist es erfrischend, ein Historiendrama zu sehen, das aus dem Gerichtssaal heraus direkt an die einzelne Brennpunkte entführt. The Trial of the Chicago 7 geht nicht unter einer dicken Prestige-Decke unter. Stattdessen ist der Film streckenweise erstaunlich humorvoll und lebendig gestaltet. Wären da nicht diese Achterbahnschienen, die den Weg von Anfang an steif vorgeben.

Alles schrammt damit doch nur über eine Oberfläche. Aaron Sorkin weiß zwar um die vielen verschiedenen Seiten der Geschichte. Tatsächlich ist The Trial of the Chicago 7 sogar wie ein Krimi konzipiert, um nach und nach eine neue Wahrheit zutage zu fördern und dabei ein Maximum an Emotionen heraufzubeschwören. Am Ende entfalten sich die Konflikte aber nicht richtig.

The Trial of the Chicago 7 ist seit heute, dem 16. Oktober 2020, auf Netflix verfügbar.

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Werdet ihr euch The Trial of the Chicago 7 auf Netflix anschauen?

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