In Rogue One versteckt sich der traurigste Stormtrooper im ganzen Star Wars-Universum

Rogue One: A Star Wars Story
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Rogue One: A Star Wars Story
03.05.2021 - 10:15 UhrVor 9 Tagen aktualisiert
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Rogue One ist ein erstaunlicher Star Wars-Film voller unerwarteter Momente. Besonders ein trauriger Stormtrooper, der vor Erschöpfung fast zusammenbricht, geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

Vor fünf Jahren startete Rogue One: A Star Wars Story in den Kinos und lieferte uns einen cleveren Seiteneinstieg in die große Geschichte der Skywalker-Saga. Der Film spielt kurz vor den Ereignissen von Krieg der Sterne und bringt dementsprechend viele vertraute Star Wars-Elemente mit. Was Rogue One aber wirklich großartig macht, sind die zusätzlichen Blickwinkel auf den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse.

Star Wars: Noch nie sah ein Stormtrooper so einsam aus

Rogue One ist ein Film über den Schatten, den der Todesstern über die Galaxis wirft. Während sich die Rebellen-Allianz gegen das übermächtige Imperium stellt, tauchen wir ein in ein Abenteuer voller moralischer Grauzonen, Zweifel und Grenzüberschreitungen. Eines der erstaunlichsten Bilder des gesamten Film ist ein trauriger Stormtrooper, der vor Erschöpfung fast in sich zusammenbricht.

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Jedes Mal, wenn ich Rogue One schaue, bleibe ich an diesem Bild hängen. Es ist ein winziges Detail und dennoch fängt es für mich die Stimmung dieser grimmigen Star Wars-Geschichte perfekt ein. Am liebsten würde ich direkt in den Film rennen, um den armen Stormtrooper zu trösten, doch dann fällt mir wieder ein, dass er für ein unterdrückendes Imperium kämpft. Ich bin hin- und hergerissen.

Der traurige Stormtrooper in Rogue One

Wenige Minuten nach der Eröffnungssequenz befinden wir uns auf dem trostlosen Planeten Wobani. Hier ist alles grau und hoffnungslos. Dreck, Schlamm und diesiges Wetter. Ein wuchtiger Gefangenentransport wühlt sich durch den Matsch - noch elendiger wird es im Star Wars-Universum nicht. Jyn Erso (Felicity Jones), unsere Heldin, befindet sich in diesem Gefangenentransport, genauso wie der traurige Stormtrooper.

Rogue One macht die Desillusionierung des Krieges deutlich

Gesenkte Köpfe, misstrauische Blicke: Wirft uns in Solo: A Star Wars Story in seinen ersten Minuten mitten ins chaotische Kriegstreiben auf dem Sumpfplaneten Mimban, erzählt Rogue One von der Desillusionierung danach. Einende Perspektiven existieren in diesem Krieg der Sterne nicht mehr. Die zahlreichen Streitgespräche um die nächsten Schritte der Rebellion machen das mehr als deutlich. Alles hat sich zersplittert.

Nicht bei den "Guten" herrscht Uneinigkeit. Der traurige Stormtrooper lässt tief in die Abgründe auf der anderen Seite des Machtgefüges blicken. Während Vader, Tarkin und Co. stolz von den glänzenden Brücken ihrer Zerstörer blicken, sammelt sich auf den Helmen der Soldat:innen der Schmutz des Krieges. Die sonst weiß strahlenden Rüstungen wirken verkratzt und verbraucht, ebenso die Körper, die darunter stecken.

Großmoff Tarkin in Rogue One

Der Gefangenentransport bleibt abrupt stehen. Als wäre dieses Leben nicht schon anstrengend genug, kündigt sich das nächste Hindernis im Off an. "Was jetzt?", fragt der traurige Stormtrooper halb genervt, halb routiniert. Er rafft sich mit letzten Kräften auf. Ehe er herausfindet, was Sache ist, knallt es. Ein streng erlernter Instinkt veranlasst ihn, sich zu wehren. In Wahrheit ist er aber viel zu schlaff und müde.

Mehrere Schüsse prasseln auf den Stormtrooper ein. Wie eine Plastikpuppe fällt er klappernd in sich zusammen.

Rogue One und die Verhältnisse im Star Wars-Universum

Dass Stormtrooper in Star Wars-Filmen zu Boden gehen, ist nichts Außergewöhnliches. Doch nie wurde ein Stormtrooper-Tod durch ein solch niederschmetternden Vorspiel vorbereitet. Speziell steht dieser unerwartete Moment für zwei Dinge, die Rogue One besonders auszeichnen: Der Umgang mit Größenverhältnissen und die Ambivalenz, die sich in den vielen Grauschattierungen der Geschichte offenbart.

Auf der einen Seite reden wir von einem Film, in dem die größte Massenvernichtungswaffe der Galaxis getestet wird. Der Todesstern feuert angenehm aus der Distanz auf ein weit entferntes Ziel. Ein Lasterstrahl kostet Millionen Leben. Auf der anderen Seite schickt uns Rogue One immer wieder auf den Grund jener pulverisierter Planeten und erzählt von den (noch) Lebenden, die sich durch die Straßen quälen.

Es passt erstaunlich gut, dass Tarkin in diesem Film ein unterkühlter, wiederbelebter Geist aus dem Computer ist, der durch fremdkontrollierte Mimik, Gestik und Sprache auffällt, während der traurige Stormtrooper kraftlos durch die Enge stolpert. Obwohl wir sein Gesicht nicht sehen, besitzt er in diesem Augenblick mehr Charakter und Tiefe als der wortgewandte Großmoff in seiner schwebenden Festung.

Rogue One ist trotz Kriegs-Action ein Film feiner Nuancen

Müsste ich dem Stormtrooper ein Gesicht geben, dann wäre es das von Cassian Andor, Diego Lunas Rebellen-Captain, dessen Augen in jeder Szene von Bedauern und Erschöpfung erzählen. Wo in Jyn Erso trotz allem erlebten Schmerz der Funke des Widerstands lodert, könnte Andors Gesicht ebenfalls unter einem Stormtrooper-Helm zum Vorschein kommen. Er führt Befehle aus, auch wenn die fragwürdig sind.

Cassian Andor in Rogue One

Im Gegensatz zu dem traurigen Stormtrooper, dessen Leben ein jähes Ende in der Trostlosigkeit von Wobani nimmt, erhält Cassian eine zweite Chance. Gewissermaßen löst er den Stormtrooper als Jyn Ersos Begleiter auf der nachfolgenden Reise ins Herz der Finsternis ab. Am - wortwörtlich - düstersten Punkt des Films, der geplanten Eliminierung von Galen Erso, trifft er jedoch seine eigene Entscheidung.

In Rogue One müssen die Figuren herausfindet, für wen und für was sie wirklich kämpfen. Der traurige Stormtrooper schleicht sich in die ersten Minuten des Films und schildert in wenigen Sekunden die Geschichte all der verlorenen Star Wars-Seelen, denen das nicht gelungen ist. Es ist eine feine, unscheinbare Nuance, aber genau das macht diese Star Wars-Auskopplung so spannend und einnehmend.

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Hat euch dieser kurze Rogue One-Moment auch so beschäftigt?

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