Sci-Fi-Bombast bei Netflix: Alles nur eine Kopie - das sind die wahren Vorbilder

Die wandernde Erde
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Volontär bei Moviepilot. Mag Schräges, Serien aller Couleur & Streaming. Hat das Gefühl, Kino ist nur noch für Teenies gemacht, die CGI-Explosionen noch flashen.

Beim Schauen des aktuellen Netflix-Sci-Fi-Blockbusters Die wandernde Erde (spielte in China knapp 700 Millionen Dollar ein) reiben sich Zuschauer bisweilen verwundert die Augen: Neben der absolut originellen Idee einer durch gewaltige Triebwerke durchs Weltall "wandernden Erde" kommen einem etliche Themen und Motive des Films sehr vertraut vor.

Haben sich die Filmemacher etwa bei ikonischen Katastrophen- und Sci-Fi-Filmen bedient? Ist Die wandernde Erde eine geniale Zitatesammlung oder schlicht dreistes Kopieren?

Wir haben einige Film-Beispiele zusammengetragen, um unsere Vermutung zu untermauern. Es folgen Spoiler zu Die wandernde Erde:

Darum geht es in Die wandernde Erde

Die Menschheit steht in Die wandernde Erde vor der Auslöschung: Die Sonne expandiert und wird unseren Heimatplaneten in 100 Jahren verschlungen haben. Riesige "Erdtriebwerke" werden weltweit errichtet und der Planet selbst so in ein Raumschiff verwandelt.

Das Ziel: Die gesamte Erde soll in ein neues Sonnensystem befördert werden. Die Überlebenden suchen derweil unterirdisch Schutz, denn an der Erdoberfläche herrschen Temperaturen von -83 Grad Celsius und Naturkatastrophen wie Tsunamis wüten.

Aus diesen Filmen "klaut" Die wandernde Erde

Verschneite Welt in The Day After Tomorrow

In Roland Emmerichs Katastrophenfilm The Day After Tomorrow aus dem Jahr 2004 reißt der Golfstrom ab und eine neue Eiszeit bricht aus. Auf der Nordhalbkugel toben Superstürme und die Temperaturen sinken auf -101 Grad Celsius, Millionen sterben.

Das eisige Setting von The Day After Tomorrow erinnert stark an Die wandernde Erde: Hier wie dort ist die Planetenoberfläche verschneit und Figuren werden bei Kontakt mit der kalten Luft schockgefroren und sterben. Besonders der Tod von Großvater Han Zi'ang (Man-Tat Ng) in Die wandernde Erde ruft auch visuell Erinnerungen an The Day After Tomorrow wach.

Wassermassen und eine Arche in 2012

In 2012, einem weiteren Globale-Katastrophe-Film von Roland Emmerich, erhitzt sich der Erdkern und die Erdplattten verschieben sich. Die Welt wird von Wassermassen überschwemmt. Neun gewaltige Archen, riesige Schiffe, werden gebaut und mit Menschen und Tieren beladen - so soll die Menschheit gerettet werden.

Das Motiv der Überschwemmungen kommt so auch in Die wandernde Erde vor: Als die Erdrotation durch die Erdtriebwerke zum Stillstand kommt, toben Superstürme und ziehen gewaltige Wassermassen nach sich. Figur Duoduo (Jin Mai Jaho) kann gerade noch vor dem Tod durch Ertrinken gerettet werden.

Und die Idee der Arche lässt sich ebenso in Die wandernde Erde finden: Schlägt die Weltenrettung fehl, so sollen Embryonen und Tier- und Pflanzen-DNA, die auf der internatiolen Raumstation eingelagert sind, den Fortbestand der Menschheit sicherstellen.

Eine bösartige KI in 2001: Odyssee im Weltraum

Wer erinnert sich nicht an die bösartige Künstliche Intelligenz HAL 9000 und deren bedrohlich wirkendes rotes (Kamera-)Auge aus Stanley Kubricks Science-Fiction-Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum?

Auch in Die wandernde Erde hat eine KI die Kontrolle: MOSS. Nicht nur das rote Kameraauge erinnert dann doch sehr stark an Kubricks visionäres Meisterwerk. Auch handelt MOSS gegen den Willen der Astronauten auf der Raumstation und tötet sogar einen von ihnen. Wie in 2001 muss MOSS zunächst deaktiviert werden, um wieder Kontrolle über das Raumschiff zu gewinnen. Deutlicher kann man sich im Grunde nicht mehr „inspirieren“ lassen.

Kältschlaf in Alien

Wo wir schon bei Sci-Fi-Klassikern sind: In Ridley Scotts legendärem Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt aus dem Jahr 1979 spielt der sogenannte Kälteschlaf eine wichtige Rolle. An Bord der Nostromo legen sich Ripley und Co. für die jahrelangen Weltraumreisen schlafen, die Alterung wird so aufgehalten.

Und auch in Die wandernde Erde wird die Mannschaft der internationalen Raumstation zum Energiesparen in solch einen Kälteschlaf versetzt - eine ziemlich deutliche Referenz, wenn sich auch der Kälteschlaf seit Alien zu einem beliebten Science-Fiction-Motiv entwickelt hat und etwa auch in Interstellar mit Matthew McConaughey vorkommt.

Mörderische Schwerkraft in Interstellar

Auch in Christopher Nolans modernem Sci-Fi-Klassiker Interstellar steht die Welt vor der Zerstörung und die Menschen verhungern wegen ausbleibender Ernten. Hier beschließt die Menschheit jedoch, den Planeten zu verlassen.

Und beide Sci-Fi-Werke thematisieren die potenziell mörderischen Auswirkungen der Gravitation im Weltraum: In Die wandernde Erde gerät unser Heimatplanet durch Triebwerksausfälle in den Sog des Jupiters, des massereichsten Planeten unseres Sonnensystems, und steht vor der Zerstörung. Auch in Interstellar wird das Raumschiff Endurance beinahe von einem Schwarzen Loch verschlungen.

Der Spacewalk in Gravity

Im 2013er-Sci-Fi-Werk Gravity von Roma-Regisseur Alfonso Cuarón werden Sandra Bullock und George Clooney während eines Weltraumspaziergangs von herumfliegenden Trümmerteilen bombadiert und taumeln durchs All.

In Die wandernde Erde befinden sich die beiden Astronauten Liu Peiqiang (Jing Wu) und Makalov (Arkadiy Sharogradskiy) ebenfalls im Weltall, als ein Teil der Raumstation explodiert und sie von Weltraumschrott beschossen werden - das erinnert dann doch sehr deutlich an Cuaróns hochspannenden Film.

Die Weltregierung in Star Trek

Sofort nach Erkennen der Bedrohung durch die Sonne wird in Die wandernde Erde eine echte Weltregierung gebildet - die Vereinigte Regierung der Erde. Auch solche riesigen Kooperationen sind aus der Science-Fiction bekannt: Im langlebigen Star Trek-Franchise haben sich verschiedene Welten zur Vereinigten Föderation der Planeten zusammengeschlossen.

Lebensfeindliche Planetenoberfläche in Riddick - Chroniken eines Kriegers

In Riddick - Chroniken eines Kriegers, dem Mittelteil der Riddick-Trilogie mit Vin Diesel, reist die Hauptfigur zum Gefängnisplaneten Crematoria: Auf der Sonnenseite dieses lebensfeindlichen Planeten herrschen Temperaturen von 372 Grad Celsius, nachts werden es dann nicht minder happige -182 Grad Celsius.

Leben an der Planetenoberfläche ist hier nicht mehr möglich - analog zur mörderischen Eiswüste aus Die wandernde Erde, in der sich Menschen nur noch mit Schutzanzügen bewegen können, sowie den unterirdischen Städten, in denen einzig noch ein Leben möglich ist.

Also alles nur geklaut?

Nichts liegt uns ferner, als den Filmemachern von Die wandernde Erde plumpes Kopieren zu attestieren. Schließlich ist die Grundidee einer wandernden Erde schlicht genial und so zumindest in großen Blockbustern noch nicht zu sehen gewesen.

Allerdings wäre bei den zahlreichen Zitaten und Referenzen, die in Die wandernde Erde einflossen, bisweilen weniger mehr gewesen. So ist doch etwa die KI MOSS mit ihrem roten Kameraauge dann doch sehr offensichtlich aus 2001: Odyssee im Weltraum entlehnt.

Und dennoch befinden wir Die wandernde Erde für einen mitreißenden Genre-Mash-up - und nicht zuletzt erklären die zahlreichen Einflüsse womöglich auch den Erfolg des Films.

Findet ihr Die wandernde Erde originell - oder ist "alles nur geklaut"?

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