Sci-Fi-Traum der Arrow-Stars: Code 8 macht die Avengers zur armen Minderheit

Code 8 - Ein Bild aus dem Kurzfilm
© Colony Pictures
Code 8 - Ein Bild aus dem Kurzfilm
05.10.2019 - 10:10 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Menschen mit Superkräften - in Code 8 gehören sie nicht zu den Avengers, sondern leben in Armut und Diskriminierung. Der Sci-Fi-Film mit Stephen und Robbie Amell aus dem Arrowverse lief in Sitges.

Code 8 ist ein wahr gewordener Sci-Fi-Traum, zumindest für die beiden Arrowverse-Stars Stephen und Robbie Amell. Vor drei Jahren ging der gleichnamige Kurzfilm viral und bildete den Startschuss für die Crowdfunding-Kampagne eines Kinofilms. Wenn Hollywood nicht anbeißt, dann eben die Fans.

Die spendeten über 2 Millionen Dollar, mit denen Stephen (Arrow) und Robbie Amell (Flash) ihren Sci-Fi-Mix aus District 9, Criminal Squad und X-Men wahr werden ließen. Beim Festival des phantastischen Films im spanischen Sitges wurde der Film gezeigt, in dem übernatürlich begabte Menschen von der Gesellschaft diskriminiert in Armut leben.

Also wenden sich ein paar davon dem Verbrechen zu. Code 8 liefert im Grunde genau das, was der Kurzfilm versprach, vor allem im schlechten Sinne. Das ist kein Indie-Avengers, nicht einmal ein Indie-Dark-Phoenix.

Den Tag rettete dafür der gegenwärtig sympathischste Actionheld Südkoreas, der demnächst für das MCU zu den Eternals um Angelina Jolie stößt. Ma Dong-seok a.k.a. Don Lee ist unstoppable im überraschend komischen Unstoppable. Fun Fact: 90 Prozent aller jüngeren Filme mit Ma könnten Unstoppable heißen.

In Code 8 werden die Avengers zu Ausgestoßenen

Ohne Genehmigung können sie nicht arbeiten, von der Polizei werden sie drangsaliert und von der Gesellschaft ins Abseits gedrängt. Der Science-Fiction-Film Code 8 erzählt von Supermenschen, die gar nicht genug Geld haben, um sich Cape und Maske zu schneidern. Einst bauten sie die fiktive Stadt Lincoln City mit auf, nun leben sie marginalisiert mit illegalen und/oder schlecht bezahlten Jobs.

Robbie und Stephen Amell (Vordergrund) in Code 8

Einige können heilen, andere Hitze erzeugen und Conner (Robbie Amell) ist bis unter den Haarschopf aufgeladen mit Energie. Um für seine kranke Mutter (Kari Matchett) zu sorgen, wird er zu einer Art Heist-Elektriker des ebenfalls "besonders" begabten Garrett (Stephen Amell). Gemeinsam stehlen sie Zutaten für die Droge "Psyke" und planen einen Banküberfall, wenn sie nicht gerade nachts durch Lincoln City zischen wie einst Ryan Goslings wortkarger Held aus Drive.

Der Kurzfilm Code 8 von 2016:

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Code 8 zählt zu jenen Filmen, denen man den Crowdfunding-Ursprung anmerkt. Die Oberfläche lädt ein zur Bewunderung, wie viel hier mit vergleichsweise wenig Geld umgesetzt wurde. Die Arbeit von Regisseur Jeff Changs Team und das unermüdliche Werben der Amells für die Unterstützung des Projekts nötigen Respekt ab.

Vor Arrow Stafel 8: Stephen Amell ist einer der Lichtblicke in Code 8

Nahtlos fügen sich Drohnen, Polizeiroboter und andere visuelle Effekte in die Umgebung ein, die verdächtig nach Los Angeles aussieht. So fährt die Story quasi leicht neben der Spur unserer Gegenwart und schrammt die Debatte um nicht dokumentierte Einwanderer in den USA.

Dass sich so zwei weiße Schauspieler dank Autor Chris Pare Minoritätenrollen auf den Leib schneidern, während die People of Color größtenteils mit dem Pflastern der Straße für die Heldenreise beschäftigt werden, lädt zu einer eigenen Bachelor-Arbeit mit der Gesamtnote 2 minus ein. Es ist einer der wenigen Widerhaken eines Films, der mit der letzten Szene sofort aus dem Gedächtnis flutscht. Wer Fast & Furious-Star Sung Kang so sträflich verschenkt, hat aber nichts Besseres verdient.

Code 8

Die Figuren können das mit Kurzfilm-Tiefe versehene Konzept von Code 8 nicht füllen, was sich auch am lustlos aus dem letzten Rest Film tropfenden Ende zeigt. Schlimmstes Urteil: Mittendrin sehnte ich mich nach Neill Blomkamp (District 9, Chappie), dessen überdrehte Nebenfiguren einem massiv auf die Nerven gehen. Das ist wenigstens eine echte Reaktion, nicht nur Schulterzucken.

Code 9 erinnert in erster Linie an bessere Heist- und Sci-Fi-Filme oder die frühen Einträge des X-Men-Franchise. Oder an Freaks mit dem paranoiden Mutantenvater Emile Hirsch, der sich ähnlich wie Code 8 in seinem Konzept verläuft. Letztes Jahr lief der kanadische Indie-Film in Sitges und dank des andauernden Superheldenbooms wird es sicher noch weitere Wiedersehen dieser Art geben.

Die Amell-Cousins bleiben derweil ein Faszinosum für mich und das schreibe ich nur mit minimal wertendem Unterton. Robbie Amell wirkt wie ein junger Tom Cruise ohne Donner in den Augen. Stephen "Oliver Queen" Amell, der dieses Jahr mit Staffel 8 seine Abschiedstour von Arrow beginnt, hat den Charme eines weniger ehrgeizigen Christian Bale. Er kommt in Code 8 am besten weg und bietet sich an für künftige Heist-Filme à la Criminal Squad. Gerard Butler muss schließlich auch mal in den Urlaub.

Unstoppable: Actionthriller-Komödie mit Eternals-Star Ma Dong-seok

Einen Superhelden wird Ma Dong-seok im für 2020 angekündigten Marvel-Film Eternals spielen. Als Gilgamesh gibt der koreanisch-amerikanische Schauspieler seinen MCU-Einstand. Wer einen Blick auf Don Lee (so sein englischer Name) geworfen hat, ahnt dass er den stärksten Vertreter der Alienrasse mimen wird.

Ma Dong-seok in Unstoppable

In Cannes habe ich dieses Jahr schon ein Loblied auf den Star aus Train to Busan gesungen. Dabei war der Film (The Gangster, the Cop, the Devil) nur mittelmäßig. In Sitges läuft nun auch Unstoppable von 2018, der Mas Qualitäten als Haudrauf mit weichem Kern besser entgegenkommt. Was nämlich beginnt wie ein Ken Loach-Drama über die Ausbeutung der Arbeiterklasse im heutigen Südkorea, geht über in einen Entführungsthriller, mutiert zur Buddy-Komödie und zeigt in seinem dritten, vierten oder fünften Köpfchen noch die Züge eines Actionfilms.

Unstoppable lässt sich genremäßig schwer auf einen Nenner bringen. Entweder man verzweifelt an den Stimmungsschwankungen zwischen Albernheiten und Grausamkeit oder erkennt ihren enormen Unterhaltungsfaktor. Das wäre aber kein Verzweiflungssprung in einen Kessel Buntes.

Im Rückblick wirkt Unstoppable nämlich erstaunlich homogen und stringent. Das liegt auch an Ma Dong-seok, der zwischen Thriller und Komödie das pochende und schlagende Herz des Films bleibt. Er ist ein echter Filmstar mit Charisma, groß genug, um ein paar Lücken auszufüllen, die nach ihm verlangen

Er trägt Unstoppable mühelos und erinnert in jeder noch so lustigen Szene daran, um was es hier geht: nämlich seine geliebte Ehefrau, die von einem außerordentlich unterhaltsamen Schurken (Kim Sung-oh) in die Zwangsprostitution verschleppt wurde. Ja genau, dieser Film ist verdammt lustig.

Habt ihr schon mal einen Film via Crowdfunding unterstützt (Ich ja und zwar ein Kurzfilmprojekt von Chris Doyle)?

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