Die Domestizierung des Zombiefilms

Sind die Zombies tot oder erwachsen?

Untote für die ganze Familie: ParaNorman
© Universal Pictures
Untote für die ganze Familie: ParaNorman

Erst der Wolf, dann Joschka Fischer und nun ist auch die Domestizierung des Zombiefilms abgeschlossen. Morgen kommt ParaNorman in die Kinos. Ein Zombiefilm. Für Kinder? Der Animationsfilm der Coraline -Macher Sam Fell und Chris Butler erzählt von den Abenteuern des 13-jährigen Norman. Der Außenseiter kann Geister sehen und als die Untoten sich erheben, liegt es an ihm, die Menschheit zu retten. Anfang nächsten Jahres legt Tim Burton mit Frankenweenie nach. Die Zombies sind nun also im Nachmittagskino und bald auch im Familien-DVD-Abend angekommen. Der Weg dorthin war lang und scheint – wie die obigen Beispiele zeigen – doch irgendwie zwangsläufig.

Der Zombiefilm ist also nicht mehr das was er einmal war? Was war er eigentlich? Erstmal war er einfach existent: Werke wie Frankenstein, Das Cabinet des Dr. Caligari oder White Zombie sind so alt wie der Film selbst. Erst ab den späten sechziger Jahren trat der der Zombiefilm als eigenständige, rebellische Gattung in Erscheinung (genau wie ein gewisser ehemaliger Außenminister). Ein Regisseur und zwei wegweisende Filme machten aus dem Zombiefilm ein Medium der knallharten Gesellschaftskritik. In Die Nacht der lebenden Toten und Zombie – Dawn of the Dead straft Regisseur George A. Romero die Menschheit mit Angriffen blutrünstiger Untoter. Die Verschonten verschanzen sich gemeinsam, doch bald stellt sich die Frage, ob tatsächlich die Zombies die Hauptgefahr für die Menschheit sind – ganz im Sinne Thomas’ Hobbes’ und unseres obigen Beispiels stellt sich nämlich der Mensch als des Menschen Wolf heraus.

Danach passierte, was mit vielen Rebellionen geschehen ist: Sie spalten sich. Einerseits wurde der Zombiefilm extremer, die Gesellschaftskritik wich der Provokation: die Slasher- und Splatter-Filme (die sich natürlich nicht nur auf das Zombiegenre konzentrierten) waren geboren. Zu unser aller Amüsement. Als Beispiel können die Filme des Italieners Lucio Fulci genannt werden. Anderseits begann die Phase der Parodie. In einer Liste aller Zombiefilme dürfte über die Hälfte satirisch angelegt sein. Der allgemeinen Tendenz sich selbst nicht ernst zu nehmen, konnten eben auch die Untoten nicht widerstehen. Eine klassische Entwicklung – der Pudel stammt immerhin auch vom Wolf ab. Egal, der satirischen Phase haben wir Perlen wie Braindead von Peter Jackson oder Shaun of the Dead von Edgar Wright zu verdanken. Die Grenze zwischen Provokation und Parodie verlief wie in unserer Gesellschaft im Übrigen häufig fließend.

Gleichzeitig nahm sich der Zombiefilm seit der Jahrtausendwende auch wieder ernst, fand sozusagen zu sich selbst. Filme wie 28 Days Later von Danny Boyle oder I Am Legend von Francis Lawrence brachten Spannung und Dramatik zurück ins Genre. Doch Rückbesinnung war nie wirklich Rebellion. Der Weg der Domestizierung ist längst gegangen: Gesellschaftskritik – Provokation – Parodie – Konformität. Jetzt gibt es die Untoten im Familienformat. Na und? Der Wolf wurde als Hund zum besten Freund des Menschen und selbst Joschka Fischer hat es bis zum Außenminister mit sehenswerten Beliebtheitswerten geschafft. Der Zombiefilm ist nicht tot – er ist nur erwachsen geworden.

Wie steht ihr zur Entwicklung der Untoten?

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