Star Trek: Discovery - In Folge 12 fällt auch die letzte Maske

Star Trek: Discovery: Georgiou und Burnham
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Star Trek: Discovery: Georgiou und Burnham
moviepilot Team
Lord C Christoph Dederichs
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Da sich die 1. Staffel von Star Trek: Discovery langsam aber sicher ihrem Ende nähert, geht das Großreinemachen in Sachen Fragen und Vermutungen in Folge 12, Vaulting Ambition bzw. Blindes Verlangen, munter weiter. Doch ob auch noch genug Zeit bleibt, die damit zusammenhängenden Hintergründe und Auswirkungen angemessen zu behandeln?

Stamets, Stamets und Culber

Nachdem er die ersten Folgen nach der Midseason-Pause von Star Trek: Discovery hauptsächlich komatös zu sehen war und sich Cadet Tilly und Saru um seine Genesung kümmerten, bekommt Lieutenant Stamets (Anthony Rapp) dieses Mal die Gelegenheit, selbst etwas an seinem Zustand zu ändern. Dessen Natur entsprechend allerdings nur im Innern des Myzelium-Netzwerks, wo er nicht nur auf den Geist seines ebenfalls bewusstlosen forsch-fröhlichen Spiegeluniversums-Doppelgängers trifft, sondern auch auf den des ermordeten Dr. Culber (Wilson Cruz). Der versichert Stamets, trotzt seines Ablebens niemals völlig zu verschwinden, so lange das Netzwerk intakt ist, was die Frage aufwirft, ob die beiden fortan eine Art Fernbeziehung zwischen echter und Myzelium-Welt führen werden. Zumindest sorgen die Erklärungen seines Doppelgängers und der Zuspruch seines Partners dafür, dass Stamets wieder in die Welt der Lebenden zurückkehrt, dort aber angesichts des verdorrten Sporen-Waldes vor einem neuen Problem steht. Ganz zu schweigen davon, dass auch sein Doppelgänger erwacht ist und wohl nicht nur Segensreiches im Sinn hat.

Tyler, Voq und L'Rell

Tyler/Voq (Shazad Latif) wiederum ist nach der Offenbarung seiner innerlichen Doppelnatur sowohl psychisch instabil als auch zur Selbstverstümmelung neigend, und auch mehrmaliges gutes Zureden durch Saru kann L'Rell (Mary Chieffo) nicht überzeugen, ihm zu helfen. Tief in ihrem Kriegerinnen-Körper scheint aber doch ein mitfühlendes Herz zu schlagen, denn sie ändert ihre Meinung recht flink, als Saru ihren Schützling in ihre Zelle beamt. In einer Prozedur, die nur sie durchführen kann (obwohl das Verfahren mehr nach Handauflegen 2.0 als nach Gehirnchirurgie aussieht), scheint sie Tyler/Voq von der Qual zu befreien, die die Kombination seines vermenschlichten Klingonen-Körpers mit den durch Tylers DNA gewonnenen Erinnerungen und Persönlichkeitsmerkmalen hervorgerufen hat. Zwar spricht er anschließend Englisch statt Klingonisch, noch ist aber nicht klar, was genau die Operation bewirkt hat. Hat L'Rell "ihren" Voq angesichts der Ausweglosigkeit der Situation quasi geopfert, damit Tyler weiterleben kann, oder schlagen weiterhin zwei Seelen in seiner Brust, die sich im Fortgang von Star Trek: Discovery anfreunden müssen?

Burnham, Lorca und Georgiou

Mit Doppelgängerproblem Nummer drei bekommt es schließlich Burnham (Sonequa Martin-Green) zu tun, die mit Captain Lorca (Jason Isaacs) im Schlepptau zur Audienz bei Imperatorin Georgiou (Michelle Yeoh) bestellt ist. Nachdem Lorca mal wieder in eine Agonie-Kammer gesperrt wurde und Georgiou Burnham eröffnet hat, im Spiegeluniversum ihre Stiefmutter zu sein, beweist sie ihr bei einem Abendessen in trauter Zweisamkeit nicht nur auch kulinarisch, wie grausam des Terranische Imperium vorgeht ("Noch ein Stückchen Kelpianer?"), sondern eröffnet ihr zudem, dass sie ihre Charade durchschaut habe und wisse, dass die beiden ein Komplott gegen sie geschmiedet hatten. Somit verurteilt sie Burnahm geschwind zum Tode, Henkerin: Georgiou persönlich.

Als letzten Ausweg offenbart Burnham Georgiou ihre wahre Herkunft. Verständlich, dass die Imperatorin sofort Interesse am Sporen-Antrieb anmeldet, nachdem sie wortwörtlich mit einem Handgriff fast alle ihre mitwissenden Wachen getötet hat, was die Frage aufwirft, ob Burnham nicht doch Pest gegen Cholera eingetauscht hat. Als wäre das nicht schon schlimm genug, eröffnet ihr Georgiou auch noch, dass Spiegel-Lorca romantisch mit Spiegel-Burnham verbunden war. Im Zusammenhang mit dem Verhalten des "echten" Lorca und seinen zahlreichen bedeutungsschwangeren Andeutungen lässt dies für Burnham nur den Schluss zu, dass dieser keineswegs der echte ist, sondern Spiegel-Lorca.

Und während dieser in der letzten Szene der mit 37 Minuten zumindest in Spannungs-Dingen angemessen knapp gehaltenen, bisher kürzesten Folge von Star Trek: Discovery im doppelten Sinne befreit wirkt, weil er (in Erfüllung des guten alten "Er wollte gefangen genommen werden!"-Plans) nicht nur der Agonie-Kammer entkommen ist , sondern sich auch endlich nicht mehr verstellen muss, tauchen 1000 neue Fragen auf: Was hat er mit dem "echten" Lorca gemacht? Ist dieser noch am Leben? Wenn ja, nimmt er in Staffel 2 seinen Posten ein? Wird jemand anderes neuer Captain der Discovery? Ist Spiegel-Lorca für Spiegeluniversums-Verhältnisse nicht eigentlich ein ganz okayer Typ, zumal er auch die Imperatorin stürzen wollte? Und sind jetzt alle Überraschungs-Raketen gezündet, oder entpuppen sich vor Staffelende auch noch die Tribbles als blutrünstige Killer-Spezies?

Da es nun lediglich noch drei Folgen bis zur langen Discovery-Pause sind, ist schwer vorstellbar, dass genug Zeit bleibt, um all die emotionalen Auswirkungen der Doppelgängereien, Umoperationen und verdeckten Missionen gebührend zu behandeln. Das wäre zwar einerseits schade, böte der 2. Staffel aber auch die Möglichkeit, sich auf diesem Fundament statt mit der Konzentration auf möglichst viele Twists und Enthüllungen eine eigene Identität zu schaffen und noch weitaus mehr Star Trek-Geist zu atmen als die Premieren-Runde. Dazu würde auch der Titel der kommenden, 13. Folge passen, What’s Past Is Prologue.

Die neuen Folgen von Star Trek: Discovery sind jeden Montag auf Netflix zu sehen.

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