Step Up im Knast: Fly beweist, dass in deutschen Filmen mehr getanzt und weniger gesprochen werden sollte

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Fly
14.10.2021 - 20:25 UhrVor 5 Tagen aktualisiert
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Dialoge in deutschen Filmen genießen keinen guten Ruf. Der Tanzfilm Fly löst das Problem geschickt: Hier wird der Tanz zur universellen Sprache, die sich sogar über Gefängnismauern hinwegsetzt.

Nicht selten passiert es, dass ein hölzerner Dialog einen magischen Kinomoment zerstört. Es gibt nur wenige Dinge, die uns so sehr aus einem Film herausreißen, wie der Gedanke: So spricht doch niemand! Ein Vorwurf, den sich deutsche Filme immer wieder gefallen lassen müssen. Doch der neue Tanzfilm Fly löst das Problem geschickt – und lässt seine Figuren einfach eine andere Sprache sprechen

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In Fly wird der Tanz zur universellen Sprache. Zu Beginn des Films herrscht allerdings Skepsis, vor allem bei unserer Protagonistin Bex (Svenja Jung). Die 20-Jährige sitzt in einer Berliner Haftanstalt und würde sich am liebsten in der dunkelsten Ecke ihrer Zelle verkriechen. Der Tanz öffnet ihr Türen – im wahrsten Sinne des Wortes. Annehmen will sie diese Chance vorerst nicht. Sie kämpft mit sich selbst.

Fly traut sich, durch und durch ein Tanzfilm zu sein

Bex hat einen Unfall verursacht, bei dem der Fahrer des anderen Autos schwer verletzt im Krankenhaus gelandet ist. Die Folgen der nächtlichen Begegnung auf der Straße werden sein Leben für immer bestimmen. Bex sitzt somit nicht nur im Gefängnis, sie leidet auch an heftigen Schuldgefühlen und zieht sich deswegen immer mehr in sich selbst zurück. Ein Tanzkurs soll zu ihrer Resozialisierung beitragen.

Hier könnt ihr den Trailer zu Fly schauen:

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Wie die anderen jungen Menschen, die unter der Aufsicht von Ava (Jasmin Tabatabai) in den Tanzstunden zusammenkommen, nimmt Bex die Möglichkeit jedoch zuerst nicht ernst. Sie hat Angst, etwas von sich zu offenbaren. Genau an diesem Punkt wird Fly spannend.

So wie Bex ihre Probleme nicht ansprechen kann, kommen sich auch die anderen Kurs-Teilnehmenden nicht durch Worte, sondern durch das Tanzen näher. Jede noch so unscheinbare Geste kann eine ganze Geschichte über die Person erzählen, die sie ausführt. Fly könnte ein trockenes Drama sein, das mit bedeutungsschwangeren Blicken und endlosen Dialogen die schwierige Situation seiner Protagonistin beleuchtet.

Stattdessen vertraut der Film darauf, dass das Publikum die Konflikte in den Figuren versteht, ohne sie wortwörtlich erklärt zu bekommen. Der Film flutet in einer der visuell spannenderen Szene Bex' Zelle und verbildlicht dadurch das Trauma seiner Protagonistin. Bex erschrickt, schnappt nach Luft, rudert mit den Armen – und ehe wir uns versehen, erwachen die Geister ihrer Vergangenheit in getanzter Form zum Leben.

Tanz findet in Fly an allen erdenklichen Orten Berlins statt

Die geflutete Zelle ist nur der Anfang. In Fly entsteht Tanz an Orten, an denen man ihn nicht erwartet. Turnhalle, klar. Tempelhofer Feld, warum nicht? Plötzlich verwandeln sich aber auch die trostlosen Hallen der Berliner Stadtverwaltung in einem lebendigen Ort voller Rhythmus und die Museumsinsel wird zur Bühne, um den größten Konflikt des Films durch eine tänzerische Annäherung zu lösen.

Fly

Die Choreographien von Phillip Chbeeb und Yaman Okur bilden den Kern des Films. Um sie überzeugend auf die Leinwand zu bringen, finden sich in Fly große Namen der Tanzszene wieder, angefangen beim der Berliner Breakdance-Gruppe Flying Steps bis hin zu Hip-Hop-Freestyle-Weltmeister Ben Wichert. Der gibt in Fly nicht nur sein Kinodebüt, sondern ist mit Svenja Jung für die besten Tanzmomente verantwortlich.

Das deutsche Step Up kann nicht alle Schwächen wegtanzen

Fly traut sich vieles, was wir in deutschen Filmen mit ähnlichem Thema selten. Gleichzeitig ist der Tanzfilm nicht frei von Fehlern: Er leidet an einem schwachen Drehbuch und oberflächlichen Figuren. Fly zieht daraus aber die richtigen Schlüsse. Statt eine RomCom oder ein Drama zu drehen und die Tanzelemente später hineinzupressen, stellt der Film den Tanz in den Mittelpunkt – und baut alle anderen Elemente um ihn herum.

Das macht der Film geschickter als sein hiesiger Genre-Kollege Into the Beat – Dein Herz tanzt, der letztes Jahr in die Kinos kam. Fly könnte an diesem Punkt der deutschen Filmbranche ein Vorbild sein: Anstelle immer alles aussprechen zu müssen, einfach mal auf die Körperlichkeit der eigenen Schauspieler:innen vertrauen. Dann beschweren sich auch weniger Leute über hölzerne Dialoge. Versprochen.

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Werdet ihr euch Fly im Kino anschauen?

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