Heute bin ich mal der Held

Superhelden-Satiren - Birdman, Kick-Ass, Super & Co.

Michael Keaton in Birdman
© Fox Deutschland
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Obwohl der traditionelle Superhelden-Film aus dem Hause Marvel oder DC heutzutage die Kinolandschaft regiert, überraschen originelle Superhelden-Satiren wie Kick-Ass, Super - Shut up, Crime! oder derzeit Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit immer wieder mit nachdenklich stimmenden Kommentaren über Superheldenfilme, neue Medien und Geektum. Immer mehr übernehmen auch Mainstream-Superheldenfilme wie Marvels Guardians of the Galaxy das selbstironische Gedankengut solcher Werke, was belegt, wie einflussreich die Superhelden-Satire und ihre selbsternannten Superhelden für Comicverfilmungen von heute und morgen sind.

Die Superhelden von Marvel und DC sind heutzutage das geworden, was die griechischen Götter, die Nibelungen und die Cowboys in den vergangenen Jahrhunderten für junge Generationen waren: mythologische Vorbilder und feste Bestandteile unserer Kultur. Sie sind zugleich menschlich und übermenschlich, sie stammen des Öfteren aus einfachen Verhältnissen, mit denen wir uns identifizieren können, und sie steigen auf in olympische Sphären, von denen auch wir tagträumen. Doch das vielleicht Wichtigste: Sie werden als Superhelden geboren (nicht selten widerwillig) durch Leid, Qualen und Unfälle. Ob Peter Parkers Biss durch eine radioaktive Spinne, die Ermordung von Bruce Waynes Eltern oder die radioaktive Überdosis, die Bruce Banner in den Hulk verwandelt, sie alle werden aufgrund einer misslichen Lage zu dem gemacht, was sie sind.

Die Superhelden-Satire als Wegweiser für den Superheldenfilm

Warum also sollte nicht ein naives Kind, ein gehänselter Teenager oder ein depressiver Erwachsener, inspiriert von den Taten ihrer Superheldenidole, in das bunte Gewand eines Kämpfers für Recht und Ordnung schlüpfen? In den letzten Jahren sahen wir immer wieder wegweisende Superhelden-Satiren, in denen genau das geschah. Interessanterweise ließ sich genau das Genre, das in Superhelden-Satiren wie Kick-Ass und Super aufs Korn genommen wird, nachhaltig von den selbstironischen Geschichten und überzeichneten Figuren dieser verhältnismäßig kleinen Indie-Produktionen inspirieren. Selbst der über alle Maßen kritische Ansatz von Alejandro González Iñárritus Birdman (in dem bewusst ironischerweise mit Michael Keaton, Emma Stone und Edward Norton drei namhafte Ex-Comicfiguren-Darsteller in Hauptrollen gewählt wurden), in dem praktisch gar kein gutes Haar am Genre des Superheldenfilms gelassen wird, wird gewiss einmal als Idee in einem späteren Superheldenstreifen wieder aufgegriffen werden. Immerhin bieten der schizophrene Protagonist und seine depressive Realitätsflucht, was mich an den übermächtigen Marvel-Superhelden Sentry erinnert, mehr als genügend interessante Vorlagen für einen ambitionierten Superhelden-Blockbuster.

Als Matthew Vaughn vor nur fünf Jahren seine Adaption der gefeierten Mark Millar-Graphic Novel Kick-Ass in die Kinos brachte, hatte Marvel hinsichtlich seines inzwischen beispiellos expandierten MCU's nur Iron Man und Der unglaubliche Hulk vorzuweisen. Zu diesem Zeitpunkt war die Formel für die kommenden Superheldenfilme von Marvel also bei weitem noch nicht so in Stein gemeißelt, wie es jetzt der Fall ist. Und genau dieser Aspekt machte einen Genre-übergreifenden Film wie Kick-Ass, der zugleich stilvoller Superhelden-Actioner und selbstironische Superhelden-Satire ist, so wegweisend für das Genre des Superheldenfilms. Denn schon bald nach Kinostart von Kick-Ass entwickelte sich eine eingeschworene Fangemeinde, die auch die Studioköpfe hinter Marvel nicht überhören oder übersehen konnten. Immerhin handelte es sich bei dieser Fangemeinde um die gleichen Kinogänger, die auch in Scharen in die Sommer-Blockbuster aus dem Hause Marvel strömten. Kein Wunder also, dass insbesondere Marvel-Superheldenfilme wie zuletzt Guardians of the Galaxy immer regelmäßiger jene selbstironischen und satirischen Töne anschlagen, die auch in Publikumslieblingen und Kultfilmen wie Kick-Ass oder auch James Gunns Super präsent sind.

Das Geheimnis der Superhelden-Satire

Doch was ist das Geheimnis hinter dem Einfluss der Superhelden-Satire auf den Superhelden-Blockbuster von heute? Immerhin sind Elemente wie Action, Humor und bunt kostümierte Superhelden - ob nun übernatürlich gestärkt oder nicht - ebenso sehr die tragenden Säulen eines Kick-Ass wie eines Marvel's The Avengers. Der eigentliche Kunstgriff, den die Superhelden-Satire ausführt, ist die offensichtliche Vergötterung der Klischees des Superheldengenres, während genau jene zugleich unterwandert werden. Bei Filmen wie Kick-Ass und Super handelt es sich immerhin eigentlich um gewalttätige Dramen für ein primär erwachsenes Publikum, in denen die noblen, niederträchtigen oder krankhaften Impulse für die Gewalttaten selbsternannter Superhelden beleuchtet werden. Szenen der Gewalt werden in diesen Superhelden-Satiren bewusst stilvoll oder humorvoll inszeniert, um das Publikum zu manipulieren und sich selbst dabei zu erwischen, wie sehr es mit den problematischen und oftmals willkürlichen Gewalttaten der "Helden" sympathisiert. Das Ergebnis ist ein ausgesprochen selbstreflektierter Kommentar über die Beweggründe des Superhelden und das Wesen des Superheldengenres selbst.

Wenn also das an sich so generische All-Out-Action-Finale des Marvel-Blockbusters in Guardians of the Galaxy mit einem einem Pop-Song untergraben wird oder der Hulk in bester Cartoon-Manier seinen Widersacher Loki wie eine ungeliebte Spielzeugfigur durch die Gegend fuchtelt, wobei die körperliche Gewalt humorvoll überspitzt wird, lassen sich die selbstironischen Spuren eines Kick-Ass oder eines Super erkennen, die nunmehr untrennbar zum Bestandteil des heutigen Superheldenfilms geworden sind. Mark Millar hat also nicht übertrieben, als er in dem Making-Of-Buch zu Vaughns Kick-Ass schrieb: "Kick-Ass könnte Superheldenfilme auf die selbe Weise neu definieren wie Pulp Fiction den Kriminalfilm." Wir mögen von der stilisierten und teilweise zum Selbstzweck geratenden Gewalt in Filmen wie Kick-Ass oder Super halten was wir wollen. Fest steht, dass Superhelden-Satiren wie diese dank ihrer selbstironischen Meta-Kommentare den Superhelden-Blockbuster, wie wir ihn heute im Kino zu sehen bekommen, maßgeblich geformt und neudefiniert haben.

Was haltet ihr von diesen etwas anderen Superhelden-Filmen?

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