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Teil 12: Der beste Bond?

30.09.2015 - 14:02 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Britisch, elegant, tödlich.
© United Artists
Britisch, elegant, tödlich.
John Glen gibt sein Regiedebüt, und zwar was für eins! Für mich ist es der beste Bond! *Spoilerwarnung*

1981: In tödlicher Mission
Vor der griechischen Küste sinkt ein Schiff der britischen Marine. An Bord: das ATAC-System, mit dem die Atomraketen Englands gesteuert werden. Noch dazu wird kurz darauf der undercover für den MI6 operierende Archäologe Havelock vor den Augen seiner Tochter Melina (Carole Bouquet) ermordet. Bond (Roger Moore) wird darauf angesetzt, den Mörder Havelocks zu finden und ATAC zu sichern. In Spanien trifft er auf die rachsüchtige Melina und findet eine Spur, die ihn zum gefürchteten Gangster Locque führt. Aber wo besteht die Verbindung zu der Suche nach ATAC?

Okay, ich kann mir keine Zurückhaltung leisten, sonst implodiere ich: For Your Eyes Only ist mein absoluter Lieblings-Bond und auch allgemein einer meiner Lieblingsfilme! Umso trauriger, dass er zu den unbekannteren der Reihe zählt und natürlich im Schatten des zwei Jahre zuvor erschienenen Moonraker steht. Dabei hätte er so viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Für mich stimmt bei dem Film so ziemlich alles, angefangen bei der Auflösung des seit Diamantenfieber nicht mehr präsenten Konflikts zwischen Bond und der Nemesis Blofeld im Prolog des Films.

Dabei greift er auch die Geschehnisse aus Im Geheimdienst Ihrer Majestät auf und zeigt Bond von einer sehr menschlichen Seite, wie er in stiller Trauer vor dem Grab seiner Frau steht (dessen Grabstein ich übrigens im Spionagemuseum in Washington mit eigenen Augen sehen konnte). Dass er dabei sich nicht hinkniet oder sonstwas macht, sondern einfach nur gerade aufrecht steht, den Blick gesenkt, passt so gut zu seiner Figur, dass ich es mir nicht anders vorstellen kann. Immerhin sind ja wohl auch ein paar Jahre seit Teresas Tod vergangen.

Interessanter Weise sieht man während der folgenden Sequenz mit Bond im von Blofeld ferngesteuerten Helikopter nie das Gesicht von “Nummer 1”. Aber die charakteristisch diabolische Stimme ist da, ebenso wie die weiße Katze und die Glatze, die nur Charles Gray ausließ. Auch sagt Bond nie seinen Namen, wodurch die gesamte Sequenz besonders langjährige Fans anspricht, denn Quereinsteiger wissen im Zweifel gar nicht, wie ihnen in diesen ersten Momenten geschieht: Der Held steht am Grab einer (seiner?) Frau, er wird von einem glatzköpfigen Irren im Rollstuhl in einem Flugängste hervorrufenden Kamikazeflug durch ein Industriegebiet geflogen, er kann den Plan vereiteln und wirft den Bösen in einen Schacht.

Was FYEO für mich ausmacht, ist die geerdete Handlung und Ausführung, mit der Regisseur John Glen hier arbeitet. Nach dem preisgekrönten Effekte-Spektakel im Finale von Moonraker gibt sich sein Nachfolger sehr viel gesetzter. Gadgets gibt es kaum. Bonds Auto, der Lotus Esprit, hat nur einen kurzen Auftritt, in dem er zerstört wird. Und bis auf ein Phantombild-Computer in den unergründlichen Laboren von Q hat der Agent keine technische Unterstützung und muss sich ausschließlich auf seinen Kopf und seine körperlichen Fähigkeiten verlassen.

Der nächste Punkt sind die tollen Schauplätze. Keine Großstädte, keine Kasinos. Es geht durch spanische Olivenhaine, in die italienischen Alpen und nach Griechenland, wo es tolle Berg- und Meerlandschaften zu bestaunen gibt. Zwischendurch geht es auch nach Albanien, aber das unterscheidet sich nur bedingt von Griechenland. Bis auf den Horror-Flug am Anfang, bei dem unter anderem kurz das britische Parlament auftaucht, sieht man kaum etwas von Metropolen, ständig ist Bond weit weg von allem. Besonders die schön eingefangenen Szenen, die unter der Wasseroberfläche spielen, sind atemberaubend und lassen an Feuerball denken.

Zur Action komme ich gleich, zunächst aber noch ein Blick auf die Darsteller und die Handlung: Roger Moore spielt hier so gut wie kaum zuvor und balanciert gekonnt zwischen unterschwelligem Humor und kalter Härte. Mit Der Spion, der mich liebte gibt er hier auf jeden Fall seine beste Darbietung als Bond. Dass Q von Desmond Llewelyn toll porträtiert wird, muss ich ja wohl kaum erwähnen. Carole Bouquet als die verletzte und hasserfüllte, aber auch unerfahrene Melina Havelock ist absolut glaubwürdig, auch wenn man sie in einer Szene für ihre Sturheit gerne ohrfeigen würde. Aris Kristatos, der Informant, der sich am Ende als Strippenzieher herausstellt (übrigens auf eine geniale Weise aufgelöst), hätte von keinem anderen so gut gespielt werden können wie von Julian Glover. Man kauft ihm den griechischen Reeder zu 100 Prozent ab, er ist charmant, berechnend, auf menschliche Weise grausam und wird sofort unsicher, wenn ihm die Fäden aus der Hand zu rutschen drohen. Ich würde sagen, dass er mit einer der menschlichsten Widersacher Bonds ist, der nicht einmal auf eigene Rechnung arbeitet. Schließlich stehen im Hintergrund noch die Russen, wie Handlanger und ostdeutscher Biathlonmeister Erich Kriegler (John Wyman) ihn ab und an erinnert. So ist der Strippenzieher selbst eine Puppe in der Hand eines größeren Übels, was eine spannende Dynamik erzeugt.

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