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The Twilight Zone - Rod Serlings Wundertüte

Der ikonische Twilight Zone-Schriftzug
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Hat (fast) alles, was er im Leben wirklich braucht, von Star Trek gelernt. Lässt sich am liebsten von Hitchcock thrillen und von alten Horrorfilmen gruseln.

Mit Rod Serlings The Twilight Zone verwandelten sich amerikanische Fernsehgeräte Ende der 1950er-Jahre regelmäßig in ein Tor zu einer anderen Dimension. Mit seiner Anthologie-Serie entführte Serling die Zuschauer Woche für Woche auf fremde Planeten, in die Vergangenheit, in Albträume, Fantasiereiche und moderne Märchenwelten. Science-Fiction, Mystery, Horror, Nostalgie und Humor wechselten sich mit jeder Folge ab, doch ging es Rod Serling und seinen Autoren bei aller Unterhaltung immer auch um die Menschlichkeit hinter ihren Geschichten. Indem sie ihre kritischen Gedanken zur Gesellschaft in ein fantastische Gewand kleideten, konnten sich die Macher der Twilight Zone nicht nur mehr erlauben als bei gewöhnlichen Serien, sie gaben dem Genre des Fantastischen im Fernsehen auch selten gekannte Substanz.

Spannung aus dem Nichts

Um ihre Absichten zu vermitteln, bedienten sich die Twilight Zone-Autoren Rod Serling, Richard Matheson, Charles Beaumont und Co. dabei einer wahrhaft grenzenlosen Fantasie, die auch noch die alltäglichste Szene durch ein Wort, eine Geste, einen Gedanken zum Schauplatz der fabelhaftesten Geschehnisse machen konnte. Viele Folgen beschworen ihre Atmosphäre vom einen auf den anderen Augenblick sozusagen aus dem Nichts herauf, um die Spannungsschraube anschließend immer fester anzuziehen. So wird ein frisch verheirateter Mann in einem Diner von einem Wahrsage-Automaten gefesselt, der für Kleingeld scheinbar allwissende Antworten auf alle seine Fragen gibt, was den Mann unfähig macht, auch nur eine Entscheidung selbst zu treffen. Simple Idee, große Wirkung. Die Geschichten der Twilight Zone endeten dann oft in einer überraschenden Pointe, die nach einer knappen halben Stunde des Mitfieberns den Zuschauern wie den Protagonisten die Ironie ihrer Lage vor Augen führte.

Rod Serling

Die Bühne bereitete den Twilight Zone-Abenteuern dabei stets Rod Serling selbst, der die Serie nicht nur erfunden hatte, produzierte und einen Großteil der Drehbücher schrieb, sondern jede Folge auch persönlich einleitete. Serling wurde damit als Fremdenführer durch die Twilight Zone zu einem ebenso bekannten Gesicht wie Alfred Hitchcock bei Alfred Hitchcock präsentiert. Dabei stand er nicht wie Hitchcock einsam und alleine in einem Studio, sondern meldete sich ab der zweiten Staffel stets mitten aus der Kulisse der jeweiligen Geschichte, um die Zuschauer auf die folgenden Geschehnisse einzustimmen. Rod Serling demonstrierte mit der Twilight Zone schon vor vielen Jahrzehnten, was ein hingebungsvoller Showrunner erreichen kann, wenn er unbeirrt seine Ideen verfolgt und dabei auch tatsächlich etwas zu sagen hat.

Da die Twilight Zone ihre Zuschauer dem Intro zufolge jedes Mal in ein "wundersames Land, dessen Grenzen die der Vorstellungskraft sind" entführte, erwies sich jede der Episoden tatsächlich als eine wahre Wundertüte. Sicher war nur: So wie der gewohnte Alltag verlief keine der über 150 Folgen. Gleich in der ersten Episode findet sich ein Air Force-Pilot in einer menschenleeren Stadt wieder, und weder er noch die Zuschauer wissen, wie er da nur hingekommen ist, und wo alle anderen wohl abgeblieben sind. Figuren, deren Umwelt mit einem Mal so gar nicht ihrer bekannten Umgebung entspricht, sollten Im Laufe der fünf Twilight Zone-Staffeln zu einer Konstante werden.

Mystery, Grusel, Science-Fiction & Humor

Da stößt ein Soldat im Amerikanischen Bürgerkrieg auf eine Stadt, in der die Zeit für alle Bewohner stehengeblieben ist, ein Werbefachmann findet sich plötzlich in der Welt seiner Kindheit wieder und trifft sich selbst als kleinen Jungen, oder für einen ehemaligen SS-Offizier werden in Dachau die Schrecken des Völkermordes wieder lebendig, an dem er einst teilgenommen hat.

Ob Gruselgeschichten wie die des Mannes, der in Fortsetzungen träumt, an deren Ende er seinen Tod vermutet, oder die einer Frau, die auf ihre exakte Doppelgängerin trifft; Kammerspiele wie das der fünf Charaktere, die in einem zylinderförmigen Raum erwachen, den sie nicht verlassen können; oder Science-Fiction-Storys wie die Ankunft Außerirdischer, die vielleicht ganz nicht die Diener der Menschheit sind, als die sie sich ausgeben: Stets standen die Ideen im Vordergrund, anstatt dass ein Monster aus der Dunkelheit hüpfte oder Konflikte mit den Fäusten gelöst wurden.

Daneben widmete sich die Twilight Zone aber auch immer wieder Geschichten, bei denen der Spaß-Faktor tonangebend war, wie bei der Suche nach einem Marsianer in einem eingeschneiten Diner oder der Mär eines Staubsaugervertreters, der übermenschliche Stärke verliehen bekommt.

Der menschliche Faktor

Allen Geschmacksrichtungen der Twilight Zone war dabei ihre Konzentration auf das Wesentliche, den menschlichen Faktor in all ihren Geschichten, gemeinsam. Es ging um menschliche Schwächen, Ängste und (Sehn)süchte, die Furcht vor sich selbst und den anderen, aber genauso um die Fähigkeit zur Mitmenschlichkeit. Zum Leben erweckt wurden die Charaktere dabei von damaligen Stars wie Jack Elam, Burgess Meredith und Ed Wynn ebenso wie von zukünftigen Berühmtheiten wie Robert Duvall, Dennis Hopper und William Shatner.

Die von ihnen dargebotenen, ebenso poetischen wie messerscharfen Dialoge und Monolge sorgten dafür, dass keine Sekunde der halbstündigen Episoden mit belanglosem Blabla verschwendet wurde, sondern sowohl die Charakterzeichnung als auch die Themen der Geschichten fast mit jedem einzelnen Wort unterstützt wurden. Mehr noch als bei diesen Folgen, rückte die Schwarz-Weiß-Kamera von George T. Clemens das Geschehen dabei in solchen Episoden ins rechte Licht, die fast gänzlich auf Dialoge verzichteten.

Das alles zusammen führte wöchentlich zu wahren Schmuckstücken, die auch nach über 50 Jahren noch so sehr unterhalten, verblüffen und nachdenklich stimmen können wie bei ihrer Erstausstrahlung. Noch immer gelingt es ihnen mühelos, den heimischen Fernseher für eine halbe Stunde in ein Fenster zu verwandeln, das den Zuschauer geradewegs in die Twilight Zone blicken lässt.

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Hat (fast) alles, was er im Leben wirklich braucht, von Star Trek gelernt. Lässt sich am liebsten von Hitchcock thrillen und von alten Horrorfilmen gruseln.
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