The Walking Dead - Das größte Trauma seit Negans Ankunft

The Walking Dead - Staffel 9, Folge 15: The Calm Before
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The Walking Dead - Staffel 9, Folge 15: The Calm Before
Moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
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Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.

Spätestens als vor wenigen Tagen der offizielle Twitter-Account von The Walking Dead ganz beiläufig ein Bild von Walder Frey teilte, war klar, dass uns diese Woche ein Blutbad erwartet. In der 3. Staffel von Game of Thrones ist der von David Bradley verkörperte Bösewicht für eines der grausamsten Ereignisse der gesamten Serie verantwortlich, namentlich die Red Wedding, bei der gleich mehrere geliebten Figuren ihr Leben lassen mussten.

  • The Calm Before, die 15. Folge der 9. Staffel von The Walking Dead, steht der Red Wedding kaum nach. So viele Figuren wurden schon lange nicht mehr geopfert.
  • Selbst wenn wir das eigentliche Blutbad nicht mit eigenen Augen sehen, reichen die Bilder vor und nach dem grausamen Ereignis, um zu schockieren.
  • Alpha (Samantha Morton) hat sich mit dieser Folge endgültig in den Olymp der The Walking Dead-Bösewichte katapultiert.

The Walking Dead feiert seine eigene Red Wedding

Doch der Reihe nach: Bevor die Dinge in The Walking Dead eskalieren, spult die Serie die Entdeckung von Ricks (Andrew Lincoln) nächster Welt noch einmal im Schnelldurchlauf ab. Hilde (Caroline Duncan) und Miles (Brian Sheppard) ermöglichen diesen Seiteneinstieg, der uns das Wunder von Hilltop als neue Heimat in einer untergehenden Welt vor Augen führt. Trotz der optimistischen Töne wird die Düsternis der Zombie-Apokalypse allerdings nicht verschwiegen.

Am Ende des Prologs liegen Hilde und Miles tot am Boden, während Alpha Hildes Gesicht stiehlt. Nach all den furchteinflößenden Masken in der 9. Staffel setzt die Whisperers-Anführerin mit dieser makaberen Verkleidung als normaler Mensch noch einmal einen drauf, vom nächsten Game of Thrones-Vergleich ganz zu schweigen. Unerkannt schleicht sie sich so ins Kingdom, wo zum ersten Mal seit sehr langer Zeit Vertreter von allen vier Gemeinschaften zusammengekommen sind und das Leben feiern.

Dass dieses Fest nur durch die vielen Opfer der Vergangenheit möglich ist, betont Ezekiel (Khary Payton) noch einmal im Zuge seiner festlichen Ansprache, während neben ihm ein riesiger Papp­ma­schee-Shiva an eines der tragischsten erinnert. Dieses Bewusstsein führ den Verlust zieht sich auch durch die nachfolgenden Szenen, vor allem dann, wenn sich Michonne (Danai Gurira) und die anderen nach all den Monaten der Entfremdungen wieder in die Augen schauen und Freunde entdecken, die nie weg waren.

The Walking Dead versöhnt, bevor der große Schock eintritt

Das Drehbuch aus der Feder von Geraldine Inoa und Channing Powell setzt in diesen Momenten bewusst auf Versöhnung, denn vor dem großen Knall soll Ricks Vision noch einmal ihr gesamtes Potential entfalten. The Walking Dead schlendert mit den Figuren durch die Gegend und genießt die Sonnenstrahlen, ehe die abendliche Kinovorstellung den Tag mit einem weiteren Highlight ausklingen lassen soll. Ab einem gewissen Punkt können wir die unheilvollen Andeutungen aber nicht mehr ignorieren.

Wie sich das Grauen in die Episode schleicht, ist mit Abstand das Nervenaufreibendste, was The Walking Dead in dieser Staffel geschaffen hat. Wo in den ersten Minuten der Folge alles noch ganz schnell passiert, gestaltet sich das spätere Feiern geradezu als Qual. Nichts haben die Überlebenden mehr verdient, als endlich die Früchte ihrer harten Arbeit zu ernten. Doch wir Zuschauer sehen auch das Übel, das sich in Form der maskierten Alpha unerkannt durch die Straßen des Kingdoms bewegt.

Während alle abgelenkt auf die große Leinwand starren, legt sich Alphas Hand über die ihrer Tochter. Lydia (Cassady McClincy) mag zwar in Alexandria einen Zufluchtsort gefunden haben, wo sie akzeptiert wird, wo sie keine Stärke und Durchhaltevermögen beweisen muss. Alpha wird sie trotzdem niemals loslassen. Denn die zehn Köpfe, die sie am Ende der Folge auf Pfählen aufspießt, werden Lydia ihr gesamtes Leben über verfolgen und sie für immer an den Preis ihrer Flucht erinnern.

Regisseurin Laura Belsey versteht, dass dieser Schock nur dann funktioniert, wenn ausreichend Vorarbeit geleistet wurde . So investiert sie ein Gros der ihr zur Verfügung stehenden Zeit, um uns langsam, aber sicher auf das drohende Unheil vorzubereiten. Die Einführung einer zweiten Zeitebene kommt dem gelegen, sodass wir uns dem Finale gleich aus zwei verschiedenen Richtungen annähern können, bis sich das komplett Bild enthüllt.

Alphas Grenzzaun-Massaker sorgt für fassungslose Gesichter

Die Vorahnung spielt dabei eine entscheidende Rolle: Mit den wenigen Informationen, die wir haben, können wir uns nur ausmalen, wie schrecklich Alphas Taten wirklich gewesen sind, wenn sie von "trouble on the road" spricht. Dann nähern sich die beiden Ebenen der Episoden immer mehr an, ehe sie in einem der grausamsten Anblicke der gesamten Serie aufeinandertreffen und uns zehn aufgespießte Köpfe präsentieren.

Nachdem wir in den 45 Minuten zuvor Zeugen geworden sind, wie Hilltop, Alexandria, Oceanside und das Kingdom sich über alle Grenzen hinweggesetzt haben, errichtet Alpha mit den zu Zombies transformierten Überbleibseln ihrer Opfer eine neue Grenze, die in ihrer Schrecklichkeit nicht zu übersehen ist. Wenn Daryl (Norman Reedus), Michonne und Co. realisieren, was passiert ist, kann die Kamera gar nicht länger auf ihren fassungslosen Gesichtern verweilen, um dieses Grenzzaun-Massaker begreifbar zu machen.

Wenngleich The Walking Dead durchaus mutiger in der Auswahl der Figuren vorgehen hätte können (abseits von Henry, Enid und Tara setzen sich Alphas Opfer aus C-Figuren zusammen), wurde dieser Augenblick effektiv vorbereitet und herausragend in Szene gesetzt. Den Moment des Tötens muss uns Laura Belsey gar nicht erst zeigen, um eine Szene heraufzubeschwören, die uns so verstört zurücklässt wie seinerzeit Negans (Jeffrey Dean Morgan) erster Auftritt im Wald.

Der Prolog der Folge soll trotzdem nicht recht behalten. Wo das H(ome) am Anfang blutüberströmt am Wegesrand liegenbleibt, wehrt sich Siddiq (Avi Nash), Alphas grausame Botschaft zu übertragen. Stattdessen erzählt er vom Überlebenskampf derjenigen, die sich unabhängig ihrer Herkunft gegen den Feind verbündeten und bis zum bitteren Ende zusammengehalten haben. Egal, wie viele Zäune Alpha erreichtet: Das Zuhause, die Familie kann sie nicht mehr zerstören.

Notizen am Rande:

  • Auch Judith hat die Familie in Hilltop und im Kingdom nicht vergessen und malt fleißig Bilder von Tante Carol.
  • "I knew this day would come", sagt Ezekiel, der trotz aller unheilvoller Andeutungen in dieser Folge nicht sterben wollte und damit seinem Schicksal in den Comics entsagt.
  • "Our son is taking a girl on a date to the movies tonight." Trotz versöhnlichem Kuss zwischen Lydia und Henry sollte diese Fantasie einer heilen Welt nie erfüllt werden.
  • "Be safe", schriebt Connie (Lauren Ridloff) auf ihren Block, den sie Daryl zeigt. Außerdem kümmert sie sich um seinen Hund, Dog.
  • Was war denn bitte mit Eugenes Friseur in dieser Folge los?
  • Die klagende Musik, wenn Alphas Taten enthüllt werden, transportiert perfekt das zerreißende Gefühl der Szene.
  • Nach all dem Lob, folgt an dieser Stelle auch ein bisschen Kritik: Trotz brutalem Massaker fehlt The Walking Dead der Mut zum größten Schock

Alle Recaps zur 9. Staffel von The Walking Dead

Die 9. Staffel von The Walking Dead wird sonntags in den USA auf AMC ausgestrahlt und ist hierzulande einen Tag später auf FOX und über Sky Ticket zu sehen. Unsere Besprechungen der einzelnen Folgen gibt es auch als Live-Stream.

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