The Walking Dead - Der Kreis von Ricks Verbündeten wird immer kleiner

The Walking Dead - Staffel 9, Folge 3: Warning Signs
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The Walking Dead - Staffel 9, Folge 3: Warning Signs
moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
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Schaut zu viel ins Internet.

"Look both ways", steht im ersten Bild geschrieben, das uns The Walking Dead diese Woche präsentiert. Ein altes Verkehrsschild, das alle Passanten dazu anhält, in beide Richtungen zu schauen, bevor sie die Straße überqueren. Es ist ein Relikt vergangener Tage, dessen fordernder wie ermahnender Aufruf trotzdem nicht an Aktualität verloren hat. Der Verkehr fließt in beide Richtungen, völlig unabhängig, ob es sich dabei um Autos oder eine weitere Herde Beißer handelt. Warning Signs, die 3. Folge der 9. Staffel, bemüht dieses Bild gleich mehrmals im Lauf der 45 Minuten, die einmal mehr verdeutlichen, wie komplex die Zusammenführung einst verfeindeter Lager in Ricks (Andrew Lincoln) neuer Welt ist. Wenn er nicht genau hinsieht, nicht beide Richtungen im Blick hat, passiert es, dass sich das Unheil verselbstständigt und vermeintliche Gerechtigkeit in einer Nacht-und-Nebel-Aktion geregelt wird, die uns Zuschauer genauso überfällt wie Gregory (Xander Berkeley), der am Galgen baumelte.

In The Walking Dead brodelt das Unbehagen im Garten Eden

Von Justin (Zach McGowan) werden wir nach diesem Cold Open nicht mehr viel sehen. Das Problemkind der letzten Folge, das den Bau einer (symbolischen) Brücke zwischen den verschiedenen Lagern mit seinen von Frust getränkten Entscheidungen gefährdete, hat sich unfreiwillig auf die Seite der Untoten geschlagen. Gesprächsthema Nummer eins bleibt er trotzdem, immerhin nimmt das mysteriöse Verschwinden der Saviors kein Ende. Mit jedem Sonnenaufgang, den Rick genießt, indem er durch seinen selbst geschaffenen Garten Eden streicht, hat sich die Zahl der Überlebenden dezimiert, die einst unter Negans (Jeffrey Dean Morgan) Flagge kämpften. Ein bitterer Widerspruch in diesem Paradies, das schon lange keines mehr ist, wenn es das jemals außerhalb strahlender Montagen in The Walking Dead war. Von diesen Montagen hat auch Warning Signs ein prächtiges Exemplar zu bieten, dieses Mal ganz dem Idyll von Ricks kleiner Familie gewidmet.

Die verträumte Sunday-Funday-Action wird jedoch schneller von der Realität eingeholt, als Rick lieb ist. Dass The Walking Dead nicht ohne den ehemaligen Sheriff überleben kann, demonstrierten bereits die jüngsten Geschehnisse. Auch in Warning Signs muss Rick als Streitschlichter in die Menge reiten und die unangenehmen Fragen an seine eigenen Freunde richten. Sprichwörtlich steht er zwischen den Fronten, die sich zunehmend verhärten, dieses Mal sogar gewillt sind, direkt zur Waffe zu greifen. Die Zeiten, in denen kleine Jungs achtlos auf den Boden geschubst werden, sind vorbei. Die Saviors wollen Blut sehen, während sich auf der anderen Seite ein ähnliches Verlangen ausbreitet. Denn die Ressourcen sind nach wie vor knapp in der Zombie-Apokalypse und die gerechte Verteilung sorgt im Hinblick auf die Verbrechen der Vergangenheit für klagende Gesichter. Wie soll in dieser Welt etwas wachsen, wo die Menschen alles niedertrampeln?

Alles, was Rick in The Walking Dead geschaffen hat, droht zertrampelt zu werden

Eine reife Tomate wird später zum Sinnbild für die Zerbrechlichkeit der neuen Welt, die im Moment ihres Entstehens zerquetscht wird, ohne dass es überhaupt jemand bemerkt. Von Wut erfüllt stampfen die Menschen über die Erde, während vor Ricks Augen die knallrote Schale des Paradiesapfels zerplatzt und eins mit dem Boden wird, auf dem nichts mehr wachsen und gedeihen kann. Was bleibt, ist ein ratloser Blick, der nicht einmal die gesamte Wahrheit kennt. Denn wo Rick und Carol (Melissa McBride) mit einem blauen Auge davongekommen sind, öffnen sich diese Woche in The Walking Dead zwei andere Gräben, die Ricks Brücke zum Einsturz bringen. Zuerst wäre da Anne (Pollyanna McIntosh), die in Warning Signs deutlich mehr Jadis als geläuterte Überlebende ist und sich zurück auf den Schrottplatz begibt. Ein Funkgerät stellt die Verbindung zu jenem Helikopter her, dessen rotierende Blätter wir zuletzt im Schatten der Nacht nur erahnen konnten.

Gabriel (Seth Gilliam) folgt ihr durch die Dunkelheit, obwohl er inzwischen wissen sollte, dass solch ein Nachspüren in The Walking Dead selten erfreuliche Entdeckungen mit sich bringt. Eine der verletzlichsten Figuren der Serie begibt sich direkt in die Höhle des Löwen - und behauptet sich in einem unendlich viele Fragen aufwerfenden Moment als "A", obwohl Jadis fest davon ausgegangen ist, dass sie es mit einem "B" zu tun hat. Was auch immer das genau bedeutet, werden wir erst in den nächsten Wochen erfahren. Sicher ist nur, dass Gabriel in Schwierigkeiten steckt und die zwielichtige Jadis wieder Besitz von der unschuldigen Anne ergriffen hat. Zumindest scheint ein Helikopter-Flug in The Walking Dead so greifbar wie nie, was ebenfalls ein paar spannende Möglichkeiten für den baldigen Ausstieg von Andrew Lincoln und Lauren Cohan offenbart. Wie auch immer Rick und Maggie aus dieser Serie scheiden werden, Jadis dürfte daran nicht unbeteiligt sein.

Maggie und Daryl begeben sich auf den düstersten Pfad dieser Serie

Apropos Maggie: Nicht nur Jadis beschreitet in der neusten Folge von The Walking Dead ihren eigenen Weg. Auch Maggie trifft eine Entscheidung, die sich seit dem Ende der letzten Staffel andeutet und in Daryl (Norman Reedus) einen tatkräftigen Unterstützer gefunden hat. Als die beiden auf die Splittergruppe treffen, die für das Verschwinden der Saviors verantwortlich ist, beginnt ein Hadern mit dem Gewissen, bis der erlebte Schrecken wieder zu präsent ist, um verdrängt zu werden. Nach Maggies Vorbild fallen die Saviors-Körper in der Stille der Nacht zu Boden, während sich die Anführerin der Hilltop Colony vom Geschehen abwendet. Wo bei Rick Ratlosigkeit herrscht, findet sich in ihrem Blick etwas Unheimliches, aber auch etwas Entschlossenes. Der Tat im Hintergrund wendet sie nur aus dem Grund den Rücken zu, um eine weitere geschehen zu machen. So läuft sie mit Daryl am Ende dieser Episode eine Straße entlang, die sie direkt ins Verderben führt. "It's time to see Negan."

Notizen am Rande:

  • Von den unvergesslichen Momenten der Rick-Michonne-Judith-Montage gibt es wohl keinen Augenblick, der so viele verschiedene Gefühle ausgelöst hat, wie Rick, der begeistert über den Boden krabbelt.
  • Auch eine denkwürdige Geste: Wie Rick den Bleistift wegschnipst.
  • Rick liest Judith aus Der Zauberer von Oz vor. Die Frage ist nur, wer hier Dorothy ist.
  • Zwar ist das Saviors-Verschwinden inzwischen aufgelöst. The Walking Dead war aber kurz davor, zur Krimiserie zu mutieren.
  • Niemand kann etwas Lebensbejahendes wie "every life counts" so kühl sagen wie Carol.
  • Oh, und habt ihr die Referenz an Die Nacht der lebenden Toten von George A. Romero entdeckt?
  • "No exceptions."

Alle Recaps zur 9. Staffel von The Walking Dead

Die 9. Staffel von The Walking Dead wird sonntags in den USA auf AMC ausgestrahlt und ist hierzulande einen Tag später auf FOX und über Sky Ticket zu sehen. Unsere Besprechungen der einzelnen Folgen gibt es auch als Live-Stream und Podcast.

Was glaubt ihr, was mit Justin am Ende der Folge passiert ist?

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