The Walking Dead - Staffel 9 beginnt mit einem Schlag in die Magengrube

The Walking Dead - Staffel 9, Folge 1: A New Beginning
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The Walking Dead - Staffel 9, Folge 1: A New Beginning
moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
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Wenngleich der Krieg gegen die Saviors vorbei ist, endete die letzte Staffel von The Walking Dead mit unheilvollen Andeutungen. Nachdem sich Rick (Andrew Lincoln) dazu entschlossen hat, den bis dato gefährlichsten Bösewicht der Serie nicht zu töten, sondern hinter Gitter zu bringen, um ein neues Zeitalter einzuläuten, formte sich der Widerstand in den eigenen Reihen. Wo eigentlich Frieden herrschen sollte, kündigte sich erneut die Zersplitterung der Gruppe an - dieses Mal sogar der Kerngruppe. Ausgerechnet Maggie (Lauren Cohan) und Daryl (Norman Reedus) äußerten ihre Zweifel an Ricks Entscheidung. A New Beginning, die 1. Episode der 9. Staffel, setzt der angespannten Stimmung in ihren ersten Minuten einen entspannenden Zeitsprung entgegen, der die aufgebrachten Gemüter zumindest für einen Augenblick im hoffnungsvollen Grün einer besseren Zukunft vereint. Schnell wird jedoch klar, dass diese Staffel keine Gefangenen macht.

The Walking Dead mutiert in Staffel 9 zum endzeitlichen Frontier-Mythos

Dass die 9. Staffel von The Walking Dead anders wird, deutete sich bereits vor Monaten an, als Scott M. Gimple seinen Posten als Showrunner abgab, um für AMC als Chief Content Officer das gesamte Franchise zu übersehen. In seine Fußstapfen tritt Angela Kang, die seit 2011 als Autorin und seit 2012 zusätzlich als Produzentin in die Umsetzung der Serie involviert ist - fraglos eine der spannendsten Entscheidungen, die The Walking Dead bisher hinter den Kulissen getroffen hat. Darüber hinaus erwarten uns in den kommenden Wochen auch vor der Kamera (mindestens) zwei gravierende Veränderungen: Sowohl Andrew Lincoln als auch Lauren Cohan werden in dieser Staffel ihre Abschlussvorstellung geben. Nach Jahren der Geheimniskrämerei hinsichtlich zukünftiger Plotentwicklungen waren die Ankündigung im Vorfeld der 9. Staffel von The Walking Dead geradezu aggressiv und begleiteten die Vorfreude mit einem merkwürdigen Gefühl zwischen unglücklichem und aufregendem Wissensvorsprung.

Unglücklich ist dieser Wissensvorsprung, da uns The Walking Dead im entscheidenden Moment - wie auch immer er aussehen mag - nicht mehr komplett überraschend wird. Aufregend gestaltet er sich aber, da der baldige Abgang der bisher behaupteten Kompromisslosigkeit unter die Arme greift. Wie Rick und Maggie aus der Handlung ausscheiden werden, steht aktuell zwar noch in den Sternen. So böse, wie sich die neuste Folge entwickelt, dürfte sich aber keine der beiden Figuren in den versöhnlichen Sonnenuntergang verabschieden. Erzählt uns A New Beginning anfangs von dem Idyll eines Frontier-Mythos, schlagen die Entdeckungen im Grenzland wenige Minuten später zurück. Nicht einmal das Gras, das über die Trümmer der alten Welt gewachsen ist, kann die Wunden der Vergangenheit heilen. Das neue Intro bringt den Konflikt sehr schön zum Ausdruck: Die friedliche Natur kann das Grauen nicht nicht komplett verbergen. Die Schatten bestehen weiterhin, ja, sie lauern regelrecht im Hintergrund.

Die Wunden vergangener The Walking Dead-Staffeln sind längst nicht verheilt

Trotz landwirtschaftlicher Erfolge und einer funktionierenden Infrastruktur ist sich Rick bewusst, dass die Situation instabil ist und er sich sich auf sehr dünnem Eis bewegt - oder sollten wir in diesem Fall besser sagen: sehr dünnem Glas. Während seine Gruppe versucht, das Werkzeug der Zukunft aus dem zerfallenen Museum des Vergangenen über eine Glasfläche im Boden zu bewegten, lassen Risse in der transparenten Oberfläche nicht lange auf sich warten. Unter ihnen schlurfen bereits die Untoten und renken ihre Köpfe in das Licht, wo das potentielle Mittagessen in verheißungsvollen Silhouetten balanciert. In diesem großartigen Spannungsmoment demonstriert Regisseur Greg Nicotero nicht nur sein inszenatorisches Können, sondern entfaltet ebenfalls die einschüchternde Größe dieser Sequenz auf der metaphorischen Ebene: Trotz der Ambition, die Menschen zu vereinen und eine Gemeinschaft herzustellen, die einer von allen Seiten abgesegneten Ordnung folgt, brechen nach und nach die verbindenden Brücken ein.

Wenn A New Beginning in Alexandria, Hilltop und dem Sanctuary vorbeischaut, offenbart sich dort nach den ersten, paradiesischen Eindrücken, auf den zweiten Blick bedenklicher Frust, der sich im Verborgenen anstaut, bis der Tod eines Jungen zum Ventil der Unruhe wird. Zwar kann Rick dank sorgfältiger Vorarbeit zwischen Route B und Route D wählen, sollte die Straße vor ihm auseinanderbrechen. Es dauert aber nicht lange, bis der Auftakt der 9. Staffel von The Walking Dead in die aufgerissenen Abgründe stürzt und in einer unerwarteten Wendung Gregory (Xander Berkeley) ein Rampenlicht mit verheerenden Konsequenzen gewährt. Den Unmut, der unter den Überlebenden wächst, weiß dieser einmal mehr zu seinen Gunsten auszunutzen. Gregorys gespaltene Zunge holt ein letztes Mal aus, um Maggie aus dem Weg zu schaffen, obgleich diese "fair and square" zur Anführerin von Hilltop gewählt wurde. Den nachhaltigen Schaden, den er damit anrichtet, hätte er sich vermutlich selbst nicht ausmalen können.

Wenn Gregory mehr Schaden in The Walking Dead anrichtet als Negan

Während Negan (Jeffrey Dean Morgan) mit unberechenbarer, aber bestimmender Boshaftigkeit Ricks Gruppe terrorisierte, erweist sich Gregory als feiger Bösewicht, der seine Identität als Jammerlappen in seinem finalen Schachzug gegen eine Verzweiflungstat eintauscht. Selbst wenn sein intrigantes Spiel Maggies Tod gefährlich nahe kommt, soll er diese Partie nicht gewinnen. Das Gerüst der Zukunft wird zum Galgen des Verräters, der zwar nicht sein eigentliches Ziel erreicht, dafür jedoch einen Blickwechsel zwischen Maggie und Rick - und generell den Einwohnern von Hilltop - zutage fördert, der definitiv als Anfang vom Ende verstanden werden kann. Wo zu Beginn der Folge ein Zombie zweckentfremdet als Vogelscheuche die Versorgung der Überlebenden sichern sollte, ist es nun einer der bisher Überlebenden, der tot an einem Seil hängt und die Umherstehenden verschreckt und der Gleichung von Gnade, die dem Zorn überwiegt, einen Strich durch die Rechnung macht. Was für ein ungeheuerlicher Staffelstart!

Notizen am Rande:

  • Schön, dass ihr alle wieder hier seid und selbst nach acht Staffeln unsere The Walking Dead-Recaps verfolgt!
  • The Walking Dead Staffel 9 markiert den Punkt, an dem Spinnen gruseliger sind als Zombies.
  • Was der Staffelauftakt ganz nebenbei sehr schön meistert: Die Integration der alltäglichen Survival-Skills in Verbindung mit den thematischen Motiven der Geschichte.
  • Wie Michonne "the famous Rick Grimes" sagt.
  • Und wie Ezekiel "Lady Carol" sagt.
  • "We're not friends."
  • Maggie hat in dieser Folge eine neue Synchronstimme.

Die 9. Staffel von The Walking Dead wird sonntags in den USA auf AMC ausgestrahlt und ist hierzulande einen Tag später auf FOX und über Sky Ticket zu sehen. Unsere Besprechungen der einzelnen Folgen gibt es auch als Live-Stream und Podcast.

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