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Zum DVD-Start von Fury Road

Tom Hardys Mad Max als moderner Westernheld

Mad Max Fury Road - Blu-ray Trailer (English) HD
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© Warner Home Video
Tom Hardy als Mad Max
17.09.2015 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Tom Hardy begeisterte mit seiner Neuinterpretation des Einzelgängers Mad Max auf der Fury Road die Kinogänger. Er schafft mit seiner Präsenz etwas, was nur der Fraktion der Westernhelden ähnlich gut gelang.

Der Regisseur Steven Spielberg heizte mit seinen provokanten Aussagen  über die begrenzte Zeit der Superhelden-Ära im Kino nicht nur eine Diskussion im selbigen Genre an, sondern sagte auch die geschichtsträchtigen Western-Filme tot. Diese zeichneten sich in ihrer Glanzzeit vor allem durch ihre charismatischen Helden aus, die oft keine Männer der großen Worte waren. Wenn wir uns in der heutigen Kinolandschaft umblicken, haben wir zwar immer noch Western, aber der klassischen Held von damals scheint sich nicht mehr so häufig vor die Kamera zu trauen. Moderne Auflagen des Genres liefern uns viel lieber ausgebildete Rhetoriker wie den von Christoph Waltz gespielten Dr. King Schultz in Django Unchained. Doch von der britischen Insel nach Hollywood gekommen, scheint es, als gäbe es noch jemanden, der die Eigenschaften dieser Helden-Darstellung wieder in sich vereint und sie sogar für unsere Generation modernisiert: Der vor zwei Tagen 38 gewordene Tom Hardy.

Tom Hardy als Mad Max


Wie passt der Engländer in das Klischee des klassischen Helden, obwohl er bisher noch nie in einem Western mitgewirkt hat? Passend zum heutigen DVD-Start von George Millers Action-Reißer nehmen wir seine Darstellung des Max Rockatansky in Mad Max: Fury Road nochmal genauer unter die Lupe. Was macht überhaupt einen Westernhelden im Detail aus? Womit schafften es Clint Eastwood, John Wayne, Charles Bronson und auch Franco Nero, sich als fast schon heilige Denkmäler in der Filmlandschaft aufzustellen?

Führen wir uns alte Western-Filme wie Spiel mir das Lied vom Tod, Django, Zwei glorreiche Halunken, Der schwarze Falke oder Rio Bravo zu Gemüte, so fallen bei der Verkörperung der Helden durch die Schauspieler oft folgende Eigenschaften auf:

  • Depressiv wirkend
  • Gedankenverloren und grübelnd
  • Ernste und kaum vorhandene Mimik
  • Lakonisch

Charles Bronson in Spiel mir das Lied vom Tod


Wenn wir diese Charakteristika bei Tom Hardys Max suchen, so werden wir mehr als fündig. Seine ganz eigene Interpretation des Verrückten ist fast schon eine Hommage an Figuren wie Monco oder Ethan Edwards. Doch es bleibt keineswegs bei einer bloßen Hommage, denn Tom Hardy drückt dem Film seinen persönlichen Stempel auf und steigert die depressiven Anflüge seiner Figur bis in den Wahnsinn. Die ständige Präsenz seiner Apathie lässt uns noch tiefer in den Charakter einsteigen, während seine ernste Miene, die sich während des ganzen Films kaum regt, ein Blick in seine Seele zu sein scheint.

Was den Charakter von Tom Hardys Figur aber tatsächlich vollends auszeichnet, ist seine Verschwiegenheit, die sich über die gesamte Fury Road erstreckt. Seine Kommunikation mit seiner Umwelt besteht vorwiegend aus einem angestrengten Knurren und wenn es einmal hochkommt, spuckt er gnädigerweise seinen einsilbigen Namen aus. Doch können wir uns deshalb schlecht mit der Figur identifizieren? Er stellt ein ähnliches Phänomen dar wie der Mundharmonika-Mann, der das Lied vom Tod spielt. Je weniger Worte, desto größer die Faszination. Wie bei Clint Eastwood, Charles Bronson und Co. ist diese Art von Rolle aber auch nur ein Teil von Tom Hardys Filmographie und er zeigte uns schon oft, dass er auch anders und aufwändiger schauspielern kann.

Voller Adrenalin


Aber warum ist Tom Hardy nun ein moderner Westernheld? Was unterscheidet ihn von seinen schweigsamen Vorgängern? Nun, er beschränkt sich nicht wie seine älteren Kollegen auf das lange Vorbereiten auf ein Duell am Ende des Films, sondern würzt seine Rolle während der gesamten Laufzeit des Streifens mit einer Prise Action, Verrücktheit und Komik. Natürlich spielt auch das Setting in Mad Max: Fury Road eine große Rolle. Wenn Pferde durch extravagante und explodierende Autos ersetzt werden, hat das auch Auswirkungen auf die Figuren. Tom Hardys Max strotzt vor Adrenalin und Körperkraft, womit er uns Zuschauer einen höheren Unterhaltungswert bietet. Denn stellen wir uns doch einmal vor, wir würden wieder die Helden der alten Schule präsentiert bekommen. Ich glaube, nicht jeder wäre darüber glücklich und womöglich würde sie so mancher sogar als langweilig bezeichnen. Tom Hardy vereint die Interessen des modernen Zuschauers mit den Werten der Old-School-Helden und schafft so mit seinem Max Rockatansky eine moderne Version des Westernhelden.

Ich freue mich besonders darauf, Tom Hardy Anfang 2016 in The Revenant - Der Rückkehrer von Alejandro González Iñárritu zu sehen. Ob er die Rolle des skrupellosen Söldners John Fitzgerald genauso individuell ausfüllen kann? Ich bin sicher, dass ihm auch das Trapper-Outfit stehen wird und er auch im wahren Wilden Westen eine gute Figur macht.

Wie fandet ihr Tom Hardys minimalistische Darstellung des Max Rockatansky?

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