Treadstone auf Amazon: Die enttäuschende Bourne-Serie hinkt den Filmen hinterher

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Nach den Bourne-Filmen kommt Treadstone
10.01.2020 - 15:00 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Auf Amazon startet heute die 1. Staffel von Treadstone. Das Serien-Spin-off der Jason Bourne-Filme mit Matt Damon scheitert daran, seine eigene Identität zu finden.

Als Jason Bourne das letzte Mal die große Leinwand eroberte, war der Erfolg nur bedingt auf seiner Seite. Die Rückkehr von Matt Damon konnte dem Franchise nicht die erhoffte Lebenskraft einhauchen, um weitere Agenten-Abenteuer im Kino zu ermöglichen. Auch der Ableger rund um Jeremy Renners Aaron Cross endete in einer Sackgasse: Bis heute wurde kein neuer Film angekündigt. Stattdessen ging die Marke ins Fernsehen über.

Treadstone-Serie hastet Jason Bourne hinterher

Die Spin-off-Serie Treadstone schließt vage an die bereits von Robert Ludlum in seinen Bourne-Romanen etablierte und in den Verfilmungen ausgebaute Mythologie an und verfolgt der Entstehung des Programms, dem einst auch Jason Bourne angehörte. Im Mittelpunkt der Geschichte steht dieses Mal nicht nur ein Individuum, sondern eine ganze Gruppe an Schläfer-Agenten, die rund um den Globus verteilt sind.

Somit beginnt Treadstone mit einem Erwachen - und führt uns dafür tief in die Vergangenheit. Während die Bourne-Filme unmittelbar aus der Zeit gegriffen wirkten, katapultiert uns der Prolog des Serienablegers mitten in den Kalten Krieg und erfindet eine uninspirierte Hintergrundgeschichte, um zukünftige Verschwörungen mit reichlich Stoff zu befeuern, ehe ein Dialog zwischen Gegenwart und Vergangenheit entsteht.

Jeremy Irvine in Treadstone

Wenn im Ost-Berlin des Jahres 1973 der CIA-Agent John Randolph Bentley (Jeremy Irvine) den Fängen des KGBs entkommt, wirkt sich dieses Ereignis auch auf die gegenwärtigen Geschehnisse aus. Von der KGB-Agentin Petra Andropov (Emilia Schüle) sollte Bentley im Rahmen des sowjetischen Programms Cicada "umgedreht" werden. Es dauert nicht lange, bis eine Verbindung zwischen Cicada und dem späteren Treadstone hergestellt ist.

Tim Kring enttäuscht mit seiner jüngsten Schöpfung

Die Jason Bourne-Serie springt somit munter von einem Handlungsort zum nächsten und verwebt dabei die viele verschiedene Handlungsstränge. Das ist eigentlich eine Spezialität von Tim Kring, der hier die kreativen Zügel in Händen hält. Bereits im Zuge seines größten Serienerfolgs, Heroes, vereinte er ein beachtliches Ensemble mit einer aufregenden (Superhelden-)Geschichte, die mit jeder weiteren Folge komplexer wurde.

Im Fall von Treadstone lässt Tim Kring aber jegliches Gespür für die Materie vermissen und liefert ideenlose Versatzstücke des Agentenfilms, die nur halb so spannend sind, wie sie es gerne wären. Und insgesamt fehlt der Serie ein Gespür für die Rastlosigkeit, die besonders Paul Greengrass in seinen Bourne-Filmen mit verblüffender Präzision zum Einsatz brachte, um die Ambivalenz der Figuren zum Vorschein zu bringen.

Emilia Schüle in Treadstone

Egal, ob Jason Bourne über die Dächer von Tanger oder durch die Straßen von New York hastet: Der furiose Schnitt sowie die entfesselte Kamera förderten nicht nur atemberaubende Actionsequenzen zutage, sondern vermittelten vor allem ein Gefühl für all die Dinge, die sich in dieser Agentenwelt nicht greifen lassen, angefangen bei geschwärzten Dokumente über vergessene Identitäten bis hin zu moralischen Grauzonen.

Treadstone ist ein Spin-off im Schatten seiner Vorbilder

Diese effektive Hektik der Bourne-Filme ist in Treadstone nur selten zu entdecken, genauso wie die aufmerksamen Beobachtungen über das Informationszeitalter. Stattdessen glaubt die Serie in der Imitation von Äußerlichkeiten dem Geist der Vorgänger gerecht zu werden: Musikalisch wird John Powells treibenden Kompositionen nachgeeifert und ja, auch Jeremy Irvine darf über Dächer hüpfen.

Selbst dann fehlt hier aber ein Paul Greengrass hinter der Kamera, der uns ein Gefühl für die peitschenden Trommeln im Hintergrund vermittelt, während mit jedem Fußtritt mehr und mehr Ziegel in die Tiefen eines urbanen Labyrinths stürzen. Die Serie schleudert stolz Autos durch die Gegend und hofft darauf, dass der Stunt allein für Nervenkitzel sorgt. Treadstone besitzt schlicht keinen Pulsschlag, der fesselt.

Tracy Ifeachor in Treadstone

Zu langsam werden die Informationen gestreut, auch wenn der Ausblick auf ein globales Versteckspiel mit mehreren Schläferagenten durchaus seine Reize bietet. Tim Kring entdeckt in keiner seiner Figuren etwas Besonderes, um sie aus ihren Schablonen zu heben, auch wenn sich mit einem Blick auf Emilia Schüles KGB-Agentin später eine faszinierende Tragik offenbart, die beide Zeitebenen der Serie zusammenschweißt.

Die Schatten der Vergangenheit werden aber nie groß genug, um für Gänsehaut zu sorgen. Wenn der Name Treadstone zum ersten Mal fällt, ist zwar noch ein Zucken unter den wenigen Wissenden zu vernehmen. Auch die Aussicht auf eine verschollene Nuklearwaffe lässt kurz aufhorchen. Schlussendlich hat sich die Serie an diesem Punkt aber längst zur austauschbaren Bourne-Variation erklärt.

Die 1. Staffel von Treadstone umfasst insgesamt zehn Episoden und ist seit dem 10. Januar 2020 komplett auf Amazon Prime verfügbar. Als Grundlage für diesen Serien-Check dienten die ersten drei Episoden.

Werdet ihr euch das Bourne-Spin-off Treadstone anschauen?

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