Trotz Marvel-Erfolg: Disney liefert den Beweis, dass Superhelden überbewertet sind

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Encanto
25.11.2021 - 09:50 UhrVor 3 Tagen aktualisiert
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Disney bringt mit Encanto einen genialen neuen Film ins Kino, der Superhelden wie die Avengers des MCU auf den Rücksitz verbannt, um andere Werte strahlen zu lassen.

Disney kennt ihr, ne? Das ist das Studio, dem die 1001 Marvel-Filme über Comic-Rächer mit besonderen Fähigkeiten gehören. Das sind die mit den Star Wars-Jedis, die auch nichts anderes als galaktische Held:innen mit magischen Kräften sind. Ausgerechnet Disney hat inmitten des MCU-Kalenders 2021 jetzt aber mit Encanto einen Film geschaffen, der sich für Anti-Superheld:innen interessiert. Und das ist verflixt schön anzusehen.

Disneys Encanto zeigt statt Marvel-Helden die Verzückung des "Normalen"

Die jugendliche Mirabel lebt mit ihrer Familien in einem versteckten Tal (einem "Encanto") in Kolumbien. Die Madrigals sind allesamt mit besonderen Kräften gesegnet: außergewöhnlicher Stärke, der Fähigkeit, Blumen blühen zu lassen, einem ausgezeichneten Gehör, der Gabe mit Tieren zu sprechen, die Gabe der Verwandlung und so weiter. Sogar ihrem Wohnsitz wohnt Magie inne. Nur Mirabel hat keine Superkraft abbekommen. Und das ist für sie ein Problem. Oder haben die Probleme vielleicht doch eher die anderen?

Lasst euch im Trailer von Encanto einnehmen

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In ihrer Verwandtschaft voller Begabter verkommt die "gewöhnliche" Mirabel zur Randfigur. In Disneys neuem Kinofilm Encanto wird sie jedoch genau deshalb zur Hauptfigur erhoben. Als eine unbekannte Gefahr droht, das magische Licht ihrer Familie erlöschen zu lassen, muss ausgerechnet der "Normalo" den Zauber retten. Auch wenn sie selbst nichts davon hat. Gibt es etwas herzerweichend Selbstloseres? Wer Mirabel bei ihren Anstrengungen zusieht, wird das bald mit einem Nein beantworten.

Weil die Jugendliche eben kein Thor, Captain Marvel oder Iron Man ist, verschiebt sich der Fokus des neusten Disney-Abenteuers weg von den sonst so prägenden Fähigkeiten und Gadgets eines Superhelden, hin zu einer unerwartet tiefgehenden Verhandlung von Kräften und was diese (nicht) bedeuten sollten.

Was in Encanto zählt, sind nicht die Superkräfte

Keine Frage: Anfangs hat das Disney-Musical Encanto sehr viel Spaß daran, uns mit Musik und Tanz an die abgedrehten Fähigkeiten heranzuführen, die die einzelnen Familienmitglieder der Madrigals auszeichnen. Doch wie wir nach und nach herausfinden, sind es nicht ihre Superkräfte, sondern die Beziehungen untereinander, die das eigentlich Interessante an diesem Familien-Ensemble sind.

Encanto: Mirabel und ihre begabte Familie

Die besonderen Gaben verkommen dabei zusehends zu einem übernatürlichen Anker, der die einzelnen Figuren herunterzieht oder sogar ausgrenzt: Mirabels älteste Schwester Isabela leidet heimlich daran, immer die "perfekte Tochter" sein zu müssen. Die starke Schwester Luisa wiederum ist im Dauerstress, weil ihre Kraft ständig für jede Kleinigkeit eingefordert wird. (Wie sie ihren Gefühlen hierzu in einer Musical-Nummer mit sehr vielen Eseln Luft macht, ist definitiv ein Highlight von Encanto).

Mirabels hellseherischer Onkel Bruno musste sogar ins Exil gehen, weil seine Visionen der Familie Angst machten. Kurzum: Die magischen Gaben werden zur Last. Erst recht, wenn diejenigen, die sie besitzen, nur auf ihre Fähigkeiten reduziert werden, statt den Menschen dahinter zu sehen. Was bleibt Superhelden ohne ihre Kräfte? Was zeichnet sie wirklich aus? Das ist eine Frage, die nur wenige Marvel-Filme in Ansätzen erforscht haben. Encanto aber fördert erfolgreich die Menschlichkeit der einzelnen Charaktere zu Tage, die unter der Außergewöhnlichkeit begraben ist.

Akzeptanz statt Erwartungen: Was Encanto Disneys Marvel-Helden voraushat

Geschickt verwebt der Disney-Film das außerdem mit einer Botschaft von einem zu hohem Erwartungsdruck, mit dem sich auch Nicht-Magische identifizieren können. Superheld:innen sind hier nicht das Nonplusultra, sondern zuallererst nur Menschen, die an den Ansprüchen an sie zu zerbrechen drohen.

Encanto

Wer nach 26 MCU-Filmen (oder zu vielen Folgen PAW Patrol) eine gewisse Superhelden-Müdigkeit verspürt, kann mit Encanto exzellent darüber nachdenken, warum der Animationsfilm nach dem letzten Marvel-Adrenalin-Schub Disneys Franchise-Erfolgen eine wichtige Botschaft über akzeptierte Normalität hinzufügt.

Eingebettet in einen berührenden und bunten Film, der sich an alle Generationen richtet, können sogar Eltern noch etwas lernen. Denn wie Encanto überzeugend zeigt, stellen gerade die Menschen, die uns lieben, oft unnötig hohe Anforderungen an uns. Die lieben Kleinen als Genies, Überflieger und Superhelden zu sehen, kann der schlichten Botschaft, geliebt zu werden, als unterschwellige Forderung, zu Größerem bestimmt zu sein, sogar im Weg stehen.

Dabei reicht es in Wahrheit doch – genau wie bei Mirabel als überzeugend "normalem" Herzstück von Encanto – einfach nur (wir selbst) zu sein.

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Werdet ihr euch Disneys Encanto als erfrischende Marvel-Ergänzung im Kino ansehen gehen?

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