Macbeth-Regisseur Justin Kurzel im Porträt

Von australischen Mördern zum Assassin's Creed-Film

Michael Fassbender in Kurzels Macbeth
© Studiocanal
Michael Fassbender in Kurzels Macbeth
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Ein Shakespeare-Stück zu verfilmen, ist mit Sicherheit keine einfache Aufgabe. Vor allem dann nicht, wenn man dabei in die Fußstapfen von Regiegrößen wie Orson Welles (Citizen Kane) und Roman Polanski (Der Pianist) treten muss. Der australische Regisseur Justin Kurzel ist bis jetzt noch eine nahezu unbekannte Größe in Hollywood und in Deutschland gibt es noch nicht einmal eine Wikipedia-Seite über den Filmemacher. Mit seiner düsteren Version der Geschichte des machthungrigen Königsmörders Macbeth könnte sich das jetzt ändern. Anscheinend konnte Kurzel seine Stars Michael Fassbender und Marion Cotillard gleich so begeistern, dass die drei direkt ihren nächsten Film zusammen drehen: den Kinofilm zur Videospielreihe Assassin's Creed.

Zunächst arbeitete Kurzel als Bühnenausstatter am Theater. Doch Anfang des neuen Jahrtausends hängte er seine Karriere als erfolgreicher Set-Designer an den Nagel, um Regisseur zu werden. 2005 drehte er seinen ersten Kurzfilm Blue Tongue, in dem zwei Kinder in einer Wohnsiedlung eine seltene Eidechse entdecken. Das Erstlingswerk des Australiers wurde prompt auf dem Filmfestival in Cannes gezeigt. Bis zu seinem ersten Spielfilm sollten allerdings noch sechs weitere Jahre vergehen, in denen Kurzel vor allem erfolgreiche TV-Spots und Musikvideos drehte.

Erste Kritikererfolge mit düsterer Charakterstudie

Mit seinem Spielfilmdebüt, Die Morde von Snowtown, machte sich Kurzel dann in Australien schnell einen Namen als interessanter und passionierter Filmemacher. Der beunruhigende und eindringliche Film basiert auf der wahren Geschichte eines der berüchtigtsten Serienmörder Australiens, John Bunting (Daniel Henshall). In dem Verlauf des Films wird der junge Protagonist Jamie (Lucas Pittaway) langsam in den Abgrund gleichgültiger Brutalität und extremer Gewalt gezogen. Die Morde von Snowtown feierte 2011 beim Adelaide Film Festival Premiere und räumte dort den Zuschauerpreis ab. Auch bei der Internationalen Critics' Week in Cannes war Kurzel mit seinem Spielfilmdebüt vertreten.

Zwei Jahre später beteiligte sich Kurzel an einer Kurzfilmsammlung zu Geschichten des australischen Autors Tim Winton. Unter den 18 Regisseuren, die sich an The Turning beteiligten, waren auch die beiden Schauspieler Mia Wasikowska (Crimson Peak) und David Wenham (300). Kurzels Segment „Boner McPharlin's Moll“ handelte von dem Mythos um einen Bad Boy namens Boner McPharlin, über den jeder spricht, aber den doch niemand kannte. Für die Fernsehausstrahlung wurde der 180-Minuten-Film erheblich gekürzt und Kurzels Beitrag flog dabei leider raus.

So öffnete Michael Fassbender dem Australier die Türen

Noch bevor ein Regisseur für Macbeth gesucht wurde, stand Michael Fassbender für die Produzenten Iain Canning und Emile Sherman als Hauptdarsteller fest. Auf den Australier Justin Kurzel wurden diese dann durch Fassbender aufmerksam gemacht. Der irisch-deutsche Schauspieler hatte Die Morde in Snowtown gesehen und war von der nervenaufreibenden Inszenierung Kurzels beeindruckt. Und auch Kurzel selbst war sofort an Bord, als er erfuhr, dass Fassbender in dem Film mitspielen würde (via IMDb). In einem Interview mit dem Hollywood Reporter erklärte Kurzel, dass er und Fassbender sich bereits ein Jahr zuvor getroffen hätten und seitdem auf der Suche nach einem gemeinsamen Projekt gewesen seien:

Er war ein Fan von Snowtown und für mich war er jemand, mit dem ich wirklich gerne zusammenarbeiten wollte. Es war quasi der perfekte Zeitpunkt. Ich hatte zuvor als Designer an Macbeth und anderen Shakespeare-Stücken gearbeitet und hatte so schon eine Verbindung zu Shakespeares Werken, aber dieses Projekt hatte etwas richtig Frisches.

Besonders die Beachtung, welche die schottische Landschaft in dem Drehbuch bekam, reizte Kurzel:

Als ich das Drehbuch las, konnte ich bereits sehen, wie filmisch es war. Es integrierte die Landschaft und war weniger Theaterstück als Kinofilm, was mich begeisterte und neugierig machte.


Die Landschaft spielt in Kurzels Filmen generell eine besondere Rolle. Sein Hintergrund im Set Design hilft ihm dabei, die Umgebung nicht nur als Kulisse, sondern fast wie eine eigene Figur im Film zu inszenieren, die sich verändert und Einfluss auf die Psyche der Charaktere nimmt. Für die Authentizität von Die Morde in Snowtown war es Kurzel extrem wichtig, dass auch die meisten der Darsteller, wie er selber, aus der geographischen Nähe der Morde stammten. So konnte sich die Trostlosigkeit der Umgebung bereits in ihren Darstellungen widerspiegeln. Bei Macbeth ging es dem Regisseur vor allem darum, die Erbarmungslosigkeit und Gefahr der schottischen Natur einzufangen (via Den of Geek):

Es ist ein großer Teil der Charakterisierung. Als ich mich dafür entschieden habe, in Schottland zu filmen und die Landschaft mit in den Film einzubauen, sie einen Teil des psychologischen Kontextes der Charaktere werden zu lassen, das war wirklich aufregend. [...] Ich glaube, es hätte nicht funktioniert, wenn ich es nicht in Schottland gemacht und genau diese Welt auf den Bildschirm geholt hätte.

Das kommt als Nächstes

Zurzeit dreht Justin Kurzel bereits seinen nächsten Film, die Videospiel-Adaption Assassin's Creed. Macbeth-Schauspieler Michael Fassbender wird auch hier die Hauptrolle übernehmen und setzte sich als Co-Produzent dafür ein, Kurzel als Regisseur mit ins Boot zu holen. Auch Schauspielkollegin Marion Cotillard wird wieder mit dabei sein. Zu der wiederholten Zusammenarbeit sagte Kurzel dem Hollywood Reporter:

Es ist einfach großartig, diese Verbindungen fortzusetzen und an etwas komplett Neuem zu arbeiten. Ich denke, man sieht das bei vielen Regisseuren und Schauspielern, die Partnerschaften bilden, wenn sie gerne zusammenarbeiten.

Die Dynamik zwischen Regisseur und Schauspielern am Set eines Films ist extrem wichtig. Fassbender scheint von Kurzels Arbeit weiterhin begeistert zu sein. Seine Überzeugung, dass Kurzel sich bei der Monsteraufgabe einer Shakespeare-Adaption gut genug geschlagen hat, um den Kinofilm zum Videospiel-Riesen Assassin's Creed zu drehen, muss zumindest ein gutes Zeichen sein.

Mehr: Was uns Macbeth über den Assassin's Creed-Film verrät

Wie es bei Justin Kurzel danach weitergeht, steht noch nicht fest. Wie if.com berichtet, arbeitet er an einem weiteren australischen True-Crime-Drama. Zusammen mit seinem Co-Autor von Die Morde von Snowtown, Shaun Grant, habe er vor, die wahre Geschichte der "Kelly Gang" nach einem Buch von Peter Carey zu adaptieren. Es sieht auf jeden Fall so aus, als hätte die Filmindustrie ein neues Talent für dunkle, mutige Charakterstudien und eindrucksvolle Landschaftsinszenierung gefunden.

Was erwartet ihr euch von den nächsten Filmen von Justin Kurzel?

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