Der Neustart nach dem Neustart

Warum es keine weiteren Spider-Man-Filme braucht

Sonys The Amazing Spider-Man 2, der sich teilweise nicht ganz so amazing an den Kinokassen vorbei schwang.
© Sony
Sonys The Amazing Spider-Man 2, der sich teilweise nicht ganz so amazing an den Kinokassen vorbei schwang.
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Als Spider-Man 1999 nach über einem Jahrzehnt erfolgloser Adaptionsversuche, vor allem aber zahlloser Streitereien um die Rechte am beliebten Marvel-Superhelden endlich in Produktion ging, knallten bei Sony Pictures Entertainment die Korken. Bis heute ist nicht bekannt, welche Unsummen die unterschiedlichen Drehbuchentwürfe und Produktionsvorbereitungen des viele Jahre von Regisseur James Cameron geplanten Spider-Man-Kinofilms genau verschlungen haben. Nerven jedoch (und erst recht Zeit, Jobs, ganze Unternehmen) kostete das Kuddelmuddel so einige, immer wieder stand Marvel einstmals sogar vor dem absoluten Bankrott (manche mögen meinen: die dann eingeläutete Erfolgswende markierte den Anfang vom Ende). Mit den erworbenen Rechten am Spinnenmann ging die Sony-Tochtergesellschaft Columbia als Sieger aus einem Kampf hervor, dessen Gewinn sie so schnell nicht wieder hergeben, schon gar nicht aber teilen würde: Neben der James-Bond-Filmserie gelten verlängerte oder neu aufgestellte Spider-Man-Produktionen als wichtigste Einnahmequelle für Sony Pictures, und tatsächlich sind es diese beiden Kino-Franchises, von denen die Jahresbilanz des Studios abhängt. Sie müssen laufen, auch oder eben vor allem, wenn alles andere ins Stocken gerät.

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Dass Sony Pictures also auch dann noch Spider-Man-Filme drehen wird, wenn es eigentlich keine Spider-Man-Filme mehr braucht (und selbst das Publikum ihrer überdrüssig wird, wie der hinter den Erwartungen zurückgebliebene, finanziell komplett überveranschlagte The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro unter Beweis stellte), erschließt sich gleichermaßen einer wirtschaftlichen wie pflichtschuldigen Verantwortungslogik gegenüber der eigenen Marke. Ein Firmenjahr ohne Strukturierungspläne, ohne Neuverhandlungen und rauchende Köpfe über den Um- und Fortgang der Comicfigur ist offenbar ein verlorenes Jahr im Hause Sony, die Liste der aufwändig geplanten und schlussendlich verworfenen Sequels, Spin-offs und Reboots so lang wie heiter. Diskutiert wird dabei nicht, ob es einen neuen Spider-Man-Film geben solle, sondern lediglich, wie er auszusehen habe. Wer für den Titelhelden, wer für die Regie in Frage käme. Und was man beim nächsten Mal so machen könne, auf dass kein entnervter Sam Raimi, kein verschlissener Marc Webb, wenigstens aber keine mit Schaum vor dem Mund E-Mails tippen müssende Amy Pascal zurückbleibt, um das auf Sonys Bühne aufgeführte Spider-Man-Theater irgendwann nur noch kunstfremden Konzernstrippenziehern überlassen zu müssen.

Nun hat Sony sich bekanntlich erstmals auf einen die Markenexklusivität lockernden Deal eingelassen, der vorsieht, die freundliche Spinne von nebenan sowohl in einem Film des Marvel Cinematic Universe (voraussichtlich Captain America 3: Civil War), als auch dem abermals gerebooteten und jetzt von Marvel mitproduzierten neuen Sony-Film auftreten zu lassen, der am 28. Juli 2017 in die Kinos kommen soll (wenn überhaupt immer schon irgendetwas feststeht, dann selbstverständlich Starttermine). Was zunächst wie eine Verzweiflungstat anmuten mag, ist vor allem konsequente Sony-Politik: Das Studio erklärt sich zu einer Leihgabe bereit, um die merklich beschädigte Figur ins erfolgreiche MCU eingliedern und langfristig lukrativ halten zu können, während es eigene künstlerische Interessen mit der radikalen Tentpole-Strategie eines Kevin Feige abzugleichen bereit ist – jenes Präsidenten der Marvel Studios nämlich, dem Sonys Spider-Man-Vorherrschaft bislang vielleicht ein noch größerer Dorn im Auge war, als es die im Besitz von 20th Century Fox befindlichen Rechte an den Fantastic Four und X-Men sind. Da kommt jetzt zusammen, was wohl leider zusammengehört, wenn Superheldenkino nur noch dem Markenerhalt dient.

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