Wider die endlos tristen Quentin Tarantino-Ripoffs

7 Psychos
© DCM Film Distribution
7 Psychos
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Meint es gut mit den Menschen.

Ein erfolgloser Drehbuchautor gerät ins Visier verschrobener Gangster, als sein draufgängerischer bester Freund den Hund eines Mafiabosses stiehlt. Mit einem Ex-Sträfling in petto, dessen Ehefrau gerade den Kopf verloren hat, flüchten die drei in die Wüste, wo es zum finalen Showdown zwischen Alltagstrotteln und Gangstersippschaft kommt. Klingt wie eines der zahllosen, öden, immer gleich gestrickten Ripoffs der Filme von Quentin Tarantino und ist ein Handlungsabriss der neuen Regiearbeit von Martin McDonagh. Der Brite bemühte die handelsüblichen QT-Komponenten bereits in seinem vorletzten Film, Brügge sehen... und sterben?, möchte es mit dem morgen in den deutschen Kinos anlaufenden 7 Psychos nun aber richtig wissen. Er tritt das unrühmliche Erbe von Guy Ritchie an, dem bisherigen England-Tarantino für besonders Arme, weil dieser seine coolen Meriten jetzt lieber auf dem Parkett schwachsinniger Blockbuster (Sherlock Holmes) ausbreitet, für billige 90er-Jahre-Verschnitte also vorerst nicht mehr zur Verfügung steht.

7 Psychos wirft die Frage auf, warum mindestens fünfzehn Jahre nach der großen Welle nervtötender QT-Klonfilme, Abklatsche des bereits Abgeklatschten und Nachahmer des sowieso Nachgeahmten der Durst nach einem QT-Epigonentum noch immer nicht gestillt scheint. Ist es nicht schlimm genug, dass sich Menschen Meisterwerke wie Chungking Express nur deshalb anschauen, weil sie mit QT-Gütesiegel ausgeliefert werden? Reicht es nicht, wenn der "Kultregisseur" (eines der Unwörter des vergangenen Jahrhunderts) selbst alle zwei Jahre seine Lieblingsfilm-Kompilationen in die Kinos bringt? Weshalb meinen immer noch mittelmäßig bis gar nicht begabte Regienerds, die in den 80er und 90er Jahren ein paar Videotheken zu oft von innen gesehen haben, einem von Quentin Tarantino wieder auf salonfähig gepushten und mit postmodernem Anstrich versehenen Cocktailkino nacheifern zu müssen?

Die Liste der QT-Fahrwasserfilme zumindest ist scheinbar endlos. Von Tieffliegern wie Ort der Wahrheit (1997), Albino Alligator (1997), 2 Tage L.A. (1996), Grosse Pointe Blank – Ein Mann, ein Mord (1997), In China essen sie Hunde (1999), Crime is King (2001) oder Smokin’ Aces (2007) bis hin zu Videomarktschlaftabletten wie American Strays –- Lieben oder töten (1996), Blut, Blei, Bullen und Benzin (1998), Lucky#Slevin (2006), Shoot the Hero (2010) oder Catch .44 – Der ganz große Coup (2011). Schon die anbiedernden Titel ähneln sich auf eine so verdächtige wie dröge Art, der Inhalt ist sowieso weitgehend identisch. Sie imitieren schulterklopfend das ohnehin schon Imitierte, ständig auf der Suche nach dem nächsten Gag, immer am Speichel einer Zielgruppe leckend, die die Filme von Quentin Tarantino – beziehungsweise eben solche, die es ihm nachmachen – wahrscheinlich für den geilsten Shit überhaupt halten.

Das Déjà-vu-Gefühl der QT-Ripoffs durchzieht die ewig gleichen Themen und Besetzungen der Filme. Die nette Idee, den Killer Samuel L. Jackson in Pulp Fiction auf göttliche Mission zu schicken, hat einer der beliebtesten und blödsinnigsten QT-Nachahmer im großen Stil adaptiert: Der blutige Pfad Gottes ist wohl der Tiefpunkt im von ausgestellten Posen und Gewalt bevölkerten Kino der QT-Epigonen. Einzig die beharrlich gleichen Gangster- und Neurotikerfilme von Guy Ritchie, namentlich Bube Dame König GrAs, Snatch – Schweine und Diamanten, Revolver und RocknRolla, sind vielleicht noch ein bisschen schlimmer. Es ist dann leider auch logisch, dass ein solches Kino von Casting-Wiederholungen lebt. Christopher Walken, der auch in 7 Psychos eine Hauptrolle spielt, war in mindestens einem Dutzend QT-Ripoffs zu sehen – sei es im von Tarantino selbst geschriebenen True Romance oder Filmen wie Suicide Kings, Das Leben Nach Dem Tod In Denver und Sein letzter Coup. Immer wieder ballern und schwadronieren sich außerdem Schauspieler bzw. in diesen Fällen eher Darsteller wie Danny Trejo oder Michael Madsen durchs abgekupferte Gangstergewirr.

Letztlich nudeln diese Filme, und da ist 7 Psychos natürlich keine Ausnahme, abgehangene Motive des Heist- oder Caper-Movies durch. Sie erzählen von schief gelaufenen Banküberfällen, die mit unglücklichen Umständen verkettet werden. Sie lassen krampfhaft skurrile Figuren haufenweise geschwätzige Laber-Rhabarber-Dialoge aufsagen. Und schauen ebendiesen Figuren am Ende dabei zu, wie sie einen ach so lustigen Tod sterben, damit auch die Blut-Crowd was zum Gaffen hat. Mit den üblichen Popkulturreferenzen angereichert, schmissiger Jukeboxresteware unterlegt und ganz vielen erzählerischen Leerstellen und Pausen für die wichtigtuerisch-bedeutungsvolle Langeweile zwischendurch versehen, pappt der Filmverleih dann unter- oder oberhalb von Knarren, Geldkoffern und Photoshopvisagen sein nimmermüdes Kultsiegel aufs Poster. Fertig ist der nächste Bierabendpflichtfilm. Trübseligkeit, so weit das Auge reicht.

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