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W.riters' Corner

Winterschaf

keep holding on
© jp@movies / Sonja (MP)
keep holding on

Das neue Jahr beginne ich also mit beiden Beinen fest auf der Erde. Gut, auf allen vieren. Doch wie ich schon mit einem Freund (Servus Wolfi!) vor über 20 Jahren schrieb: Wer kriecht, kann nicht mehr fallen. Das bedeutet, dass ich meine Energie nicht weiter auf Projekte verschwenden werde, die mich nicht weiter bringen. Damit meine ich nicht “W.”, sondern dessen Begleiterscheinungen, also den w.rite club in unserer Schreibstube, die Artikel und verzweifelten Versuche nebenher noch PR zu machen. Ziemlich erfolglos, wie ich wohl nicht zu erwähnen brauche.

Klassische Wege, wie uns via Produzentensuche an die Fördergremien und Fonds zu wenden, werde ich nicht mehr einschlagen. Dieses System ist am Ende. Was bleibt, sind die Bücher. Den Verwaltungspapierkram und Sektfrühstück mit Redakteuren über Jahre hinweg? Nein danke. Für Crowdfunding ist es zu früh und unser Projekt zu groß.

Die Geschichte schreibe ich weiter, keine Sorge, ich werde sie auch weiter brav hier (und auf den anderen Kanälen) veröffentlichen, aber damit hat es sich. Ich schreibe für mich, und wer mag darf mitlesen. Eine Serie wird daraus jedoch in absehbarer Zeit nicht werden. Das könnten wir nur gemeinsam schaffen, von unten, vom Publikum her. Da es uns aber nicht gelungen ist in irgendeiner Form Druck aufzubauen, so dass man sich mit uns hätte auseinandersetzen müssen, ist jeder weiterer Versuch unsererseits zum Scheitern verurteilt.

Was wird aus dem Pitch?

Wozu soll ich einen Trailer schneiden und einen Pitch aufzeichnen, wenn der genauso wenig geteilt und verbreitet wird, wie ein Selfie mit drei Fingern drauf? Auch das macht Spaß, sicherlich, ich mag nur nicht mehr. Lieber schreibe ich das dritte und vierte Buch weiter. Dazu muss ich nicht aus dem Haus gehen oder nach Berlin fahren. Dafür kann ich im Wald spazieren gehen. Ratet mal, was mich mehr inspiriert.

Braucht es wirklich noch ein Video, in dem ich mich vor der Kamera zum Affen mache? Eine Plansequenz voller Anspielungen und Gags für den leeren, für Netflix reservierten Stuhl? Ich will lieber schreiben, ohne meinen MitstreiterInnen gegenüber ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich sie nicht bezahlen kann. Nicht mal symbolisch. Die Zeit mir euch war das Größte, was ich jemals erreicht habe. Trotzdem ziehe ich jetzt einen Schlußstrich in den Schnee, von hier an ziehe ich alleine weiter.

Nur möchte ich vorher noch meine MitstreiterInnen entlass(t)en. Bis auf drei sind inzwischen alle mehr oder weniger still und leise abgesprungen, und jetzt habe ich es eben langsam auch kapiert, dass es so nicht mehr funktioniert. Gelohnt hat sich der Versuch dennoch - denn euer aller Feedback, und vor allem die Begeisterung in den ersten Monaten und Wochen haben mich bis hierher getragen, und das war es wert. Wenn es euch recht ist, dann veröffentliche ich im Februar alle internen Artikel sichtbar für alle, um so vielleicht andere Projekte zu inspirieren, oder davor zu bewahren unsere Fehler zu wiederholen.

Leider ist nie mein Traum in Erfüllung gegangen, mit euch zusammen wirklich in einem Zimmer zusammen zu sitzen und an einer Pinnwand unsere Ideen abprallen zu lassen. Vielleicht kommt es irgendwann noch einmal dazu, wer weiß, aber bis dahin kümmert euch wieder um eure Projekte, und wenn ich kann, dann greife ich euch dabei gerne helfend unter die Arme. Wenn es meine Finanzen irgendwann erlauben, dann treffen wir uns noch auf ein all-inclusive-Wochenende im Bayerischen Wald, und stoßen auf das Erreichte an.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle auch bei moviepilot, allen voran Kängufant, der sich bis zuletzt dafür eingesetzt hat, und schon die Drehgenehmigung in den Redaktionsräumlichkeiten für uns ausgehandelt hatte. Davon machen wir - oder soll ich vielleicht “ich” sagen? - keinen Gebrauch mehr. An Ideen mangelte es nicht, ich hab eine tolle Herleitung gefunden, die ich für mich behalte. Wer weiß, vielleicht brauche ich sie irgendwann noch, und in der Zwischenzeit soll sie sich niemand “borgen” können.

Ist das feige? Macht mich das zum Winterschaf? Dann ist das eben so. Ich brauche das dicke Fell jetzt, damit es mich wärmt. Ich lege mich nicht auf die faule Haut, halte keinen Winterschlaf bei minimalem Energieverbrauch, sondern mache das, was ich am liebsten mache.

Ihr hört, seht und lest wieder von mir. Versprochen. Dann ist sicher auch das Wetter wieder besser.


Bis dahin, haltet euch warm, vor allem im Herzen.

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