The Watchers on the Wall

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 4, Folge 9

[Hier könnte ihre ausgenudelte catchphrase stehen]
© HBO
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Mit ihrer Platzierung kurz vor dem Finale, dem Regisseur Neil Marshall und der erzählerischen Konzentration auf einen Schauplatz drängen sich bei der neuen Episode von Game of Thrones riesige Vergleiche zum Staffel 2-Höhepunkt Blackwater auf. Die können auf Grund der Bedeutung der Wall-Erzählstränge (oder deren Abwesenheit) gar nicht erfüllt werden. Doch selbst wenn sie diese nicht zu erfüllen haben, bleibt The Watchers on the Wall wenig mehr als eine beeindruckende technische Leistung, eine actionlastige Verschnaufpause nach dem emotionalen Schock der letzten Folge; aber auch eine aufgeplusterte Pflichtübung in der Abhandlung einiger Figurenschicksale, für die die Autoren bisher kaum selbst Interesse aufbringen konnten. Aber verzagen wir nicht. Immerhin versorgen uns die 50 Minuten an der Wall mit Riesen, einem Mammut und einem Riesen, der auf einem Mammut reitet!

Was passiert: Bevor wir zu den zotteligen Angreifern nördlich der Wall kommen, erfragt Sam bei Jon, wie sie denn war, diese Beziehung zu Ygritte, sowohl physisch wie psychisch. Jon, kein Poet vor dem Herrn, kann dem heimlichen Helden dieser Folge kaum weiterhelfen. Für kurze Zeit, so Jon, sei man mehr als nur man selbst und eine vergleichbare Umschreibung liefert auch der blinde Maester Aemon, Großonkel von Daenerys Targaryen, der seine erste Liebe noch en détail vor sich sieht. Nachdem Jon die Wildling-Massen bzw. deren riesige Feuer sieht, kann Sam noch schnell die vom Massaker in Mole’s Town herbei geflüchtete Gilly und ihr Kind in Sicherheit bringen, bevor die Zweifrontenschlacht um Castle Black beginnt.

Ygritte, die verkündet hat, nur sie allein werde Jon Snow töten, stürzt sich mit Pfeil und Bogen in den Kampf. Schon bald dringen die Wildlings in den Hof von Castle Black ein, während oben auf der Wall äußerst kreativ gegen Mance Rayders (letzte Sichtung: Walk of Punishment, S03 E03) Massen vorgegangen wird. So kommen unter anderem hängende Bogenschützen zum Zuge, die Ethan Hunt alle Ehre machen, dazu Fässer mit brennendem Öl, das sich unvorteilhaft auf haarige Mammut-Hinterteile auswirken, und ein gigantischer Anker samt Kette, der mal eben die heraufkletternden Wildlings von der Wall mäht. Ob Neil Marshall hier endlich seinen Traum der aus der Blackwater-Schlacht gestrichenen Geheimwaffe erfüllt hat?

Den wilden Horden aus dem Norden, deren Motivation uns von Ygritte in einem Satz verkürzt zusammengefasst wird (der Bau der Wall ist an allem Schuld), stehen jedoch Riesen zur Seite, die mit riesigen Pfeilen winzige Menschen hinter den Horizont befördern können. Diese ungewöhnlichen Tierfreunde haben es auf den Tunnel unter der Wall abgesehen, den Jon noch versiegeln wollte, was ihm Ser Alliser damals aus Animositäten verwehrt hatte. Der sieht seinen Fehler ein, was uns wieder an Tywins Motto-Frage der ganzen Staffel erinnert: Was macht einen guten König aus? Mit jeder Minute der Schlacht rückt Jon mehr in die Führungsposition, erst oben auf der Wall, wo er die Schützen kommandiert und die Verteidigung des Tunnels anordnet, dann am Boden, im guten Beispiel voran in den Kampf schreitend. Jons dürftiger Erzählstrang in dieser Staffel hat zumindest den ihm von den Crows gezollten Respekt glaubwürdig vorbereitet.

“I’m not nothing anymore”, erklärte Sam gegenüber einem furchtsamen Kameraden und in gewisser Weise trifft das auf alle Crows zu (außer Feigling Janos Slynt). Auf Gott ist in dieser Situation kein Verlass, der Schwur der Night’s Watch jedoch lässt die Männer über sich hinauswachsen, ob im Tunnel, auf der Wall oder in Castle Black. Als “rapists” und “thiefs” und “rapists” wurden die Crows vor wenigen Folgen deklariert, aber zumindest einige von ihnen haben die früheren Identitäten, wie Maester Aemon seinen königlichen Nachnamen, ersetzt. Sie sind ebenfalls “mehr als nur sie selbst”, was, blumig ausgelegt, dem zölibatären Anstrich der Night’s Watch eine ganz neue Facette beschert.

So wehrt die Night’s Watch in Unterzahl die Wildlings ab. Für Jon wird der Sieg getrübt. Der Junge Olly tötet Bogenschützin Ygritte mit einem Pfeil, die Frau also, die seinen Vater getötet hatte. Ygritte flüstert ein letztes Mal ihr “You know nothing” in Jons Ohr, bevor sie in dessen Armen stirbt. Wie es nur hervorragende Führungspersönlichkeiten und Selbstmörder tun, macht sich Jon Snow am nächsten Morgen ganz allein auf zu Mance Rayder, weil Jon Snow eben nichts lieber tut, als Wandertripps nördlich der Wall zu unternehmen.

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the gaffer Jenny Jecke
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."
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