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Film ist tot, lang lebe das Kino

the gaffer (Jenny Jecke), Veröffentlicht am 16.04.2012, 09:00

100 Jahre Technik und Erfahrung sterben nach und nach aus. Digitale Projektion verdrängt 35 Millimeter aus den Kinos und die Folgen für das Filmerbe sind nicht abzusehen.

Die sprichwörtliche Macht des Filmstreifens in Inglourious Basterds Die sprichwörtliche Macht des Filmstreifens in Inglourious Basterds © Universal

Wer ein paar Texte von mir gelesen hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass Christopher Nolan, nun ja, nicht zu meinen Lieblingsregisseuren gehört. Ein schlauer Mann ist er trotzdem, was besonders auffällt, wenn er über seine Profession redet. Da kann der kühl wirkende Regisseur von The Dark Knight und Inception richtig leidenschaftlich wirken, ohne seine inhaltlich fundierte Haltung zu untergraben. Christopher Nolan, mit anderen Worten, kennt sich mit Filmtechnik und -geschichte ziemlich gut aus. Vor ein paar Tagen sorgte er für Aufregung, als bei der L.A. Weekly und dem Magazin der Director’s Guild of America seine leidenschaftlichen Statements gegen die Digitalisierung des Kinos veröffentlicht wurden. Deswegen soll es heute um den Siegeszug digitaler Projektion im Kino gehen. Im Sequel (oder Prequel?) nächste Woche steht dann die Frage im Mittelpunkt, ob in Zukunft überhaupt noch auf 35 Millimeter gedreht wird.

Das Zittern macht den Film erst gemütlich
Seit über hundert Jahren bewährt sich der 35 Millimeter-Film im Kino. Neben all den Änderungen (vom Stumm- zum Tonfilm, von Schwarz-Weiß zu Farbe…), konnte der sprichwörtliche Streifen seine Herrschaft im Projektor behaupten und ratterte beharrlich die größten Dramen und billigsten Schinken herunter. Der Streifen ist heutzutage zwar nicht mehr aus Zellulloid, sondern eine Polyester-Folie, doch er begleitet in seiner Funktionsweise das Kino seit seinen frühesten Tagen. Mit der Durchsetzung von Digitalprojektoren, der Verbreitung von Festplatten statt Filmrollen, ist das Ende seiner langen, ereignisreichen Geschichte besiegelt.

Für den Gelegenheitszuschauer ist die digitale von der analogen Projektion im Kino wahrscheinlich kaum auseinanderzuhalten. Die meisten Besucher denken über die technischen Hintergrunde nicht nach und warum sollten sie das auch? Bei einem 4k-Projektor dürfte das digitale Bild schärfer wirken (darüber wird noch gestritten), doch schon in kleineren Sälen ist der Unterschied zwischen 2k- und 35 Millimeter-Projektion etwas für Cineasten. Aber die wenigsten Leute sind Cineasten. Eben jene, die sich vom Streifen nicht lösen wollen, bemängeln in diffusen Erlebnisbeschreibungen die ästhetischen Nachteile der digitalen Projektion. So schreibt Kritiker Roger Ebert: “Film trägt mehr Farben und mehr Abstufungen in den Tönen, als das Auge wahrnehmen kann. Film hat Charakteristiken wie dieses kaum bemerkbare Wackeln, von dem ich glaube, dass es Gebiete in meinem Gehirn zur aktiven Interpretation anregt. Diese Charakteristiken sorgen irgendwie dafür, dass der Film läuft, anstatt nur zu existieren.”

Andere schreiben dem durch die mechanischen Vorgänge im Projektor entstehenden Zittern des Bildes eine Lebendigkeit zu, die bei der digitalen Projektion naturgemäß fehlt. Wiederum andere, und dazu würde ich mich zählen, schätzen die Unreinheiten einer Filmkopie, die Kratzer und Flecken, die aus einer simplen Kopie ein einzigartiges Filmerlebnis machen. Die oftmals lange Geschichte eines Films lässt sich eben durch eine Jahrzehnte alte Kopie ganz anders erleben als auf Blu-ray.

Shit got digital
Abgesehen von ästhetischen Kritikpunkten, hat die Digitalisierung der Lichtspielhäuser weitreichende wirtschaftliche und kulturhistorische Auswirkungen. Fangen wir von hinten an. Digitale Techniken bieten hervorragende Möglichkeiten zur Restauration von Klassikern der Filmkunst. Doch der Wechsel von der analogen zur digitalen Projektion könnte fatale Folgen haben. Schon jetzt werden nicht nur in Deutschland im großen Stil 35 Millimeter-Kopien vernichtet. Was sollen die Kinos auch damit, wenn sie diese sowieso nicht abspielen können? Welche Perlen dabei auf Nimmerwiedersehen verschwinden, können nur die engagierten Programmplaner erahnen, die solche Kopien durch den Ankauf vor der Vernichtung bewahren. Nach hundert Jahren Projektionsgeschichte mit den Streifen gefährdet der Umstieg das Erbe der Filmkultur einerseits durch die Vernichtung, andererseits durch die Unsicherheit der digitalen Archivierung. Ein Formatwechsel alle zehn Jahre (von Video zu DVD zu Blu-ray bspw.) ist nicht sonderlich beruhigend.

Ganz praktische Probleme ergeben sich ebenfalls. Retros und ausländische Filme stoßen durch die Digitalisierung der Projektion auf noch größere Hürden. Vergleichsweise wenige Klassiker liegen überhaupt in der notwendigen digitalen Form vor. Schätzungen gehen von 100 Digital Cinema Package-Klassikern pro Studio aus (Quelle: Village Voice). Bei Streifen aus anderen Ländern wird zudem die Flexibilität im Verleih reduziert. Natürlich hat der Umstieg Vorteile für die Zuschauer. So müssen die ländlichen Kinos nicht mehr so lange auf eine Kopie aktueller Filme warten. Doch was nützt die Aktualität, wenn das Bewusstsein für die Geschichte des Films verlorengeht?

Trojanisches Pferd
Nun zum eigentlichen Anfang: Warum drängt die Filmindustrie auf die Digitalisierung? Herstellung und Transport von 35 Millimeter-Kopien ist teuer, erst recht wenn Tausende von Kinos damit beliefert werden müssen. Digital Cinema Packages (DCP) sind für die Verleihe hingegen viel günstiger (1.500 vs. 150 Dollar) und besser zu kontrollieren. Nur mit einem Code kann der Kinobetreiber die Inhalte abspielen und ein Verfallsdatum haben sie auch. Als Trojanisches Pferd in der Durchsetzung fungierten Avatar – Aufbruch nach Pandora und die 3D-Technik. Vor dem Start des Films gab es 2009 weltweit 16.000 digital ausgestattete Kinos. 2010 waren es schon 36.000. (Quelle: David Bordwell)

Das Problem: Die Verleihe freuen sich über die Einsparungen bei der Herstellung von Kopien. Die Kinos müssen hingegen in neue Projektoren investieren, um die Daten abspielen zu können und die kosten rund das Zehnfache eines analogen Projektors. Dementsprechend teuer (und unwahrscheinlich) sind Reparaturen. In Deutschland wird diese Kostensteigerung für die Kinos zumindest teilweise durch (europäische) Förderung wettgemacht. In den Staaten sind mehrere Tausend Kinos von der sehr wahrscheinlichen Schließung bedroht.

Dabei ist die digitale Projektion nicht automatisch besser. Ob analog oder digital, letztlich hängt es am Kinomanagement und am Vorführer, ob die Projektion zu hell oder zu dunkel, abgeschnitten oder sonstwas ist. Doch die Einsparungen der Studios und Verleihe könnten nicht nur für die kinotreuen Filmfans da draußen langfristig einen enormen Verlust bedeuten.


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Burki84

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Eine nostalgische Diskussion von "Nutzern" kann ich ja verstehen aber hier qualitative Punkte für die Analogprojektion aufzuführen ist Wunschdenken und ehrlich gesagt absoluter Quatsch. Die Lebensdauer von 35mm ist (in Benutzung) wesentlich begrenzter als die von DCPs. Die Qualität, bei fachgerechter Ausstrahlung (sowohl bei analog als bei digital), ist einfach bei digitaler Projektion höher als bei analoger. Hier geht es um Farbgenauigkeit, Farbtiefe, Helligkeit oder um Bildrauschen (das nicht vom Regisseur gewollt war). Insbesondere bei den in der Vergangenheit noch seltenen 4K Vorführengen (das soll dieses Jahr aber schon wesentlich öfter werden) ist die Frage nach der hochwertigeren Projektion absurd.

Flecken und Kratzer gehören nur zum Film wenn der Regisseur diese auch drin haben wollte, denn es ist sein Werk. Was ist an einem "individuellen Erlebnis" denn so großartig wenn ich es nur auf Unreinheit der Kopie oder Ton-/Bildausfälle zurückführe. Bei analogen Filmen die mehrere Monate im Dauerbetrieb sind sieht die erste Vorstellung noch gut aus aber die Letzte ist völlig durchgenudelt - was ist daran denn positiv?

Filme sind für mich Kunst und so sollte das Medium auf dem diese gebannt ist und über das es an andere weitergetragen wird auch möglichst nah an dem dran sein was der oder die Künstler produziert haben und das ist bei digitalen Medien wesentlich besser zu bewerkstelligen als bei analogen.

Das es für den Filmemacher stilistische Gründe für analoge oder digitale Aufnahme gibt ist bestimmt korrekt aber das hat mit der Vorführung im Kino wenig zu tun.

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Neo_seven

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Ich weiß das die Finanzierung der Digitaltechnik, zumindest in dem Kino in dem ich arbeite, auch von den Verleihern gestützt wird. Das durch die sehr viel günstigeren Kopien gesparte Geld fließt Teilweiße in die Subventionierung von Digitalprojektoren. Jeder Film, der digital statt analog gespielt wird, bringt dem Kino etwas Geld!

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Ratso Rizzo

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Meiner Meinung nach ist das langsame Sterben von echtem Filmmaterial nicht nur ein Problem für Nostalgiker. Während das Filmmaterial ein fotografischer Abdruck der Realität ist, besteht das digitale Format lediglich aus Einsen und Nullen. Das Wort Kino rührt schließlich von dem griechischen kinema (zu dt.: Bewegung) her und damit sind nicht nur die Bewegungen im Film, sondern auch die Bewegung der Filmrolle durch den Projektor gemeint. Man kann beispielsweise auch das Filmmaterial "einritzen" (siehe Stan Brakhage oder den Vorspann zu Sieben), das Medium selbst also manipulieren. Das mag zwar wirklich etwas nostalgisch anmuten, aber Filmmaterial ist etwas, das man anfassen kann, und somit finde ich es sehr schade, dass jetzt einfach wegrationalisiert wird.

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Grimalkin

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Die Programmkinos, in die ich gehe, können sich ohnehin nicht leisten, auf 35mm zu verzichten, weil eine Unmenge an Filmen gar nicht erst digitalisiert wird, die das monatliche Programm ausmachen. Die Brotfabrik in Bonn beispielsweise wird in Zukunft zweigleisig fahren und im Projektorraum sowohl digitale Projektion als auch ganz klassische 35mm ermöglichen.
Mir tun da eher Länder wie Norwegen leid, die aktuell in ausnahmslos allen Kinos nur noch auf digitale Projektion setzen. Da wir aber in Deutschland kein vergleichbares zentrales Filminstitut als bestimmende Instanz haben, bleiben wir von diesem Schicksal in dem Ausmaß zum Glück verschont.

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Narrisch

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Highend 35mm Film ist digital, gedrehtem Material immer noch überlegen. Aber das trifft nur dann zu wenn alles außen herum mit sehr hohem Aufwand Aufwand produziert wird.

Allerdings ist der Qualitätsunterschied zu digitalem Material, beispielsweise gedreht
auf Red/Epic oder Alexa, selbst bei Ausnutzung aller Möglichkeiten die die klassische Filmtechnik bietet gering und rechtfertigt den Mehraufwand nicht.

Die Verklärung anologer Technik hängt mit unseren Sehgewohnheiten zusammen die in Jahrzehnten gewachsen sind. Kratzer, Blitzer, Schlieren, Flicker usw. werden als "richtig" empfunden während technische Perfektion oft für Unbehagen sorgt. Das wird im Lauf der Zeit vergehen und in 10 Jahren wird anologer Film das gleiche Nischendasein fristen wie die Schallplatte oder die analoge Photographie.

Die digitalisierung der Filmwelt bietet vor allem Chancen und zwar ganz besonders für Filmemacher mit niedrigem Budget. Praktisch jederman kann nun vergleichsweise technisch hochwertige Filme drehen ohne Unsummen für Filmmaterial und Postproduktion ausgeben zu müßen. Schaut man sich die filmerischen Möglichkeiten von Amateurkameras wie der Canon EOS 5D MarkII/III oder einer
Canon 7D werden Dinge möglich die noch vor wenigen Jahren undenkbar erschienen.

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Dox

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Sehr richtig. :)


based_god

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Ist mir egal. Ich habe auch LPs, CDs und MP3...

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Rukus

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Digitale Speichermedien haben einen grundlegenden Nachteil, und der liegt in ihrer Haltbarkeit. Ich habe vor einiger Zeit einige alte CDs und DVDs ausgekramt und wollte schaun, was drauf ist. Leider waren einige davon kaum bis garnicht mehr lesbar. Das Problem haben auch Disketten oder Festplatten. Ein Kratzer in einem Film lässt sich beheben, notfalls wird ein komplett zerstörtes Einzelbild entfernt. Hat eine CD einen Kratzer, ist sie im schlimmsten Fall komplett verloren. Dazu kommt der natürliche Datenverlust. Festplatten sind noch empfindlicher. Ist eine digitale Kopie mal an einem wichtigen Punkt defekt, wars das für die komplette Datei. Man kann das auch schön an digitalen Übertragungen und Videos sehen. Eine kleine Macke oder Störung, und man kann nichts mehr sehen oder hören. Wenn es nach mir ginge, würde man beide Medien parallel laufen lassen und versuchen, von allen Filmen analoge Kopien sichern. Es sind schon genug Filme im Nirvana verschwunden.

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Tytus

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joop ist schon verrückt, aber leider die Realität wenn ich überlege wie oft Elektronik Geräte wegen einem Winzigen Bauteil versagt haben :(


Rukus

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Da lob ich mir so analoge Hobbys wie Gesellschaftsspiele. ;)


dajosch

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Auch wenn ich sehr an den guten alten 35mm Kopien hänge sind einige Vorteile, die mit den Kosten der Herstellung und Verbreitung von Filmen zusammenhängen nicht zu leugnen.
Durch die Möglichkeit mit geringeren finanziellen Aufwendungen Filme zu Produzieren und dann digital ins Kino zu bringen sehe ich eine Chance Filme im Kino zu sehen, die sonst den Sprung auf die Leinwand nicht geschafft hätten. Ob das jetzt nun gut oder schlecht ist sei dahingestellt, aber immerhin belebt es die Vielfalt, auch wenn der Markt natürlich weiterhin von großen Verleihen dominiert werden wird.

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dAShEIKO

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Wie so oft, haben Engelchen und Teufelchen beider Fraktionen reichlich zu argumentieren. Aber da ich ja noch den Fall der Vinylplatte zugunsten der CD erlebt habe, glaube ich, dass es hier ähnlich ablaufen wird. Schließlich fahren wir ja auch nicht mehr mit der Pferdedroschke von München nach Hamburg. Ob das Automobl nun aber der wahnsinnig tolle Fortschritt war, darf angesichts aktuell offensichtlicher Probleme mal dahingestellt sein.
Aber Fakt ist nun mal die flächendeckende Umrüstung der Kinosääle, der Umstieg in der Produktion. Es gilt aber das Beste daraus zu machen. Ich für meinen Teil stelle bei den neuen Projektoren einen extrem hohen Detailgrad fest. Da sieht man die Webung der Stoffe oder das abstehende Haar in den Augenbrauen. Das find ich toll. Heißt aber auch, dass die Filmkopien früher einfach oft auch zu schlecht waren. Denn die "Auflösung" einer guten! Filmkopie steht (theoretisch) deutlich über dem 2K Standard. Es wird aber auch zu befürchten sein, dass zugunsten günstigerer Vertriebswege Kompressionsverfahren, Samplingrate etc immer weiter verringert werden und der Konsument den Unterschied, mangels Vergleichsmöglichkeit, nicht bemerken soll.

Wir werden sehn...

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Kubrick_obscura

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Mich kotzt diese Ausschließlichkeit an. Warum muss man sich entscheiden? Das macht gar keinen Sinn. Ich bin ein großer Freund digitaler Technik und freue mich jedesmal wenn ein Film digital gescreent wird. Die Brillianz des Bildes ist nicht zu toppen und gibt mir das Gefühl, dass der Kinobesuch sich noch mehr lohnt. Ja, Blu-Ray habe ich auch zu Hause, aber keinen 2k/4k-Projektor, deshalb kann man das nicht vergleichen. Natürlich mag ich die nostalgischen "Fehler" des Films (Abnutzung, Ruckeln, Unschärfe), aber ich sehe darin keinen Mehrwert gegenüber einer "fehlerfreien" Projektion. Ich finde es wichtig, dass den Studios bewusst wird, dass Film als Archivierungsmittel sehr sehr viel Sinn macht (am besten 70mm) und dass sie zwar nicht mehr Massen an Kopien herstellen müssen, aber wenigstens mit einer kleinen Menge analoger Kopien die kleinen Kinos unterstützen müssen, denn jedes Kinos, dass schließt, schlägt auch den Studios auf die Geldbörse. Logisch, Digitalisierung spart Geld und ist in vielen Belangen technisch überlegen, aber noch ohne Perspektive. Ich kann Nolan sehr gut verstehen. Er hat das Glück noch auf Film drehen zu können und hat ja auch seinen No-Budget-Erstling "Following" auf 16mm gedreht, was sehr viel schwieriger ist als miniDV :) Heutzutage aber macht es für viele Filmemacher sehr viel Sinn digital zu drehen, längere Drehzeiten, mehr Bildkontrolle, preiswerter, freiere Schauspielführung. Natürlich, die meisten Kameras haben noch nicht die qualitativen Möglichkeiten von Zelluloid, aber die neuesten Kameras, wie die ARRI Alexa oder die Red Epic haben bereits einen größeren Belichtungsumfang als Film. Die Zukunft wird überwiegend digital sein, sollte aber auch ein analoges Gedächnis behalten.

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Brennegan

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Es gibt Filme, in denen das charakteristische Bildrauschen einfach dazu gehört. Vorteil ist, dass die visuellen Effekte natürlich einfacher eingefügt werden können und somit auch besser aussehen. Trotzdem, rauschen war charmant. Ich mochte den Rausch!

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Dachsman

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Ich hatte die Tage eine ähnliche Diskussion, allerdings ging es dabei um die Frage E-Books oder Bücher. Parallelen sehe ich trotzdem, gerade wenn man mit Kratzern und Macken als Argument für Film argumentiert. Das ist im Grunde ein rein idealistisches Argument, welches zwar subjektive Gültigkeit haben kann, aber nicht ausschlaggebend für solch eine Debatte haben kann. Natürlich, irgendwie fühlt es sich zwar besser an, aber das dürfte zu einem großen Teil an nostalgischer Verklärung liegen (die an sich nichtmal was schlechtes ist). Vor allem dürfte das eine generationsspezifische Gewöhnungssache sein. Wenn der Wechsel irgendwann komplett ist und eine ganze Generation mit den digitalen Kopie aufgewachsen ist, wird kein Hahn mehr nach Kratzern auf der Filmrolle krähen - ebenso, wie die neue Jugend keinen Vorteil mehr in auf Papier gedruckten Bücher sehen wird, sondern eher die Vorteile eines E-Readers.
Das dem Wechsel viele alte Filmrollen zum Opfer fallen ist natürlich bedauerlich. Wieso aber Kinos nicht ihre Rollen für den symbolischen einen Euro an Filmarchive abgeben...
Was man bei aller Nostalgie und der sicher nicht falschen Aussage "The Medium is the Message" nicht vergessen sollte: Am Ende sind das, worüber wir hier reden, nur Speichermedien. Das was auf ihnen festgehalten ist, der eigentliche kulturelle Wert bleibt weitgehend unangetastet.
Es ist ja nicht so, dass digitale Kopien nicht auch Vorteile brächten, der geringere Preis wurde ja schon erwähnt, aber auch die erhöhte und leichtere Verfügbarkeit würde ich beim digitalen Vertrieb nicht unerwähnt lassen.

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Dachsman

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Das stimmt natürlich, die Lesegeräte werden aufwendiger und müssen ebenfalls mit der Zeit gehen.
Aber, wenn ich die Debatte richtig verstehe, dann geht es doch gerade darum, das was auf den Medien ist auf andere, neuere, zeitgemäßere Medien zu übertragen, um eben die weitere Verfügbarkeit zu garantieren.
Du sagst ja selbst "gut gelagerte druckerzeugnisse" halten sich lange, aber Bücher, Filme, Musik werden ja nicht geschaffen, um gelagert zu werden.
Und deswegen ist es, denke ich, sehr wichtig einen guten Kompromiss aus Archiv und Rezeption zu schaffen. Den Text von der Kassette also schnell digitalisieren, die Diskette aber trotzdem aufheben. Ebenso die E-Books der ersten Generation möglichst flächendeckend und konstant auch in neue Medien übertragen (so extrem rasant ist der Fortschritt dann auch wieder nicht).

Das sich die Rezeption eines Filmes auch mit dem Medium ändert (kleines Kino vs. Multiplex) stimmt sicher, ist aber wahrscheinlich eine andere Baustelle.


stuforcedyou

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Und wieder wurde mir mein Wochenanfang versüßt. Montage verlieren immer mehr ihren Schrecken. Merci.

Zum Thema: Mir würde es gefallen wenn die neuen und alte Formate miteinander exisiteren könnten. Wenn ein Filmemacher sich dafür entscheidet sein Werk in 35mm zu drehen, dann hat er sich (wahrscheinlich) etwas dabei gedacht. Das die Studios letztlich wohl entscheiden, welches Format benutzt wird (mal ausgenommen von den Big Names, zu denen ich auch Nolan zähle), macht meinem Wunsch aber wohl einen dicken Strick durch die Rechnung.

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Mr. Pink

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Diese digitalen Projektionen sehen absolut schrecklich aus. Nichts geht über eine schöne 35mm-Rolle! Es hat schon einen guten Grund, dass Film "Film" heißt.

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Picknicker

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als kinomitarbeiter kann ich noch ergänzen, dass die digitalisierung vor allem den projektionisten zu schaffen macht, die früher oder später dadurch ihren job verlieren werden. die großen kinoketten planen schon, irgendwann mal alle vorführungen von einem zentralen rechner steuern zu könnnen...
auf der anderen seite war ich letztes jahr ein paar mal bei einer hitchcock retrospektive. da wurde alles digital gezeigt, wobei das kinoerlebnis wirklich super war. die veranstalter haben auch angemerkt, dass es deutlich schwerer gewesen wäre, alle werke auf 35mm zu besorgen. besonders weil man, die vorführung mit deutschen untertiteln zeigen wollte. werden die klassiker also entsprechend ins digitale format übertragen, können wir sie vielleicht sogar bald öfter wieder in den kinos genießen.

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Neo_seven

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Die Maschinen laufen bereits jetzt erstaunlich sicher - klappt doch mal was nicht, dann muss man eben (wie man das vom PC kennt) mal eben neu starten. Tote Pixel hab ich noch nie erlebt.


Burki84

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@Neo, so ist es.


Joeyjoejoe17

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Mir werden die Risse und Kratzer einer abgenutzten Filmrolle auch fehlen. Das hat den Kinobesuch wenigstens zu einem individuellen Erlebnis gemacht, ein glatt poliertes Bild kann ich auch zu Hause mit BluRay genießen, und das sogar um einiges günstiger.

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Oermschel

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In 18 Jahren Filmvorführen ist mir noch keine Vorstellung ausgefallen, weil man sich bei 35mm als FilmvorführerIn irgendwie immer zu helfen wusste! Ich freu mich schon wahnsinnig auf Digital .... :-(


MavesMovies

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So ist es, Oermschel. Aber wenn ein digitaler Projektor mal ausfällt, kann man den Fehler ganz leicht beheben oder man so richtig die Kacke am Dampfen...