Ryan Reynolds ist in The Adam Project so gut wie nie – weil er sich von Deadpool befreit

Ryan Reynolds: Was The Adam Project für seine Karriere bedeutet20th Century Fox/Netflix
21.03.2022 - 10:26 UhrVor 9 Monaten aktualisiert
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Ryan Reynolds hat in dem Netflix-Film The Adam Project eine neue Entwicklungsstufe erreicht. Mit der Variation der Deadpool-Formel schafft er einen notwendigen Quantensprung.

In allem, was Ryan Reynolds seit 2016 tut, steckt der Marvel-Held Deadpool. In Michael Bryce aus Hitman's Bodyguard, in Nolan Booth (hieß der so?) aus Red Notice und auch in Guy aus Free Guy. Die gezielte Deadpoolisierung seiner Rollen hat Ryan Reynolds in den letzten 6 Jahren einen enormen Karriereschub verpasst. Mit dem Nebeneffekt, dass der Darsteller nichts anderes mehr tut, als Versionen von Deadpool zu spielen.

Reynolds schien auf alle Ewigkeiten in einer meta-ironischen Klammer festzustecken. Und dann kam The Adam Project. Das klingt jetzt vielleicht übertrieben, aber ich meine es genau so: The Adam Project ist ein Quantensprung in der Karriere von Ryan Reynolds.

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The Adam Project - Teaser (Deutsch) HD
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Sci-Fi-Film The Adam Project zwingt Ryan Reynolds aus der Deadpool-Schablone

In The Adam Project spielt Ryan Reynolds den zeitreisenden Helden Adam. Er trifft in seiner Vergangenheit auf sein zwölfjähriges Ich (Walker Scobell) und seine jetzt etwa gleichaltrige Mutter Ellie (Jennifer Garner), mit der er in einer Bar fast einen Flirt anfängt, aber ich schweife ab. Wichtig ist: Der alte Adam kehrt zurück in eine schwere Phase seiner Vergangenheit. Er und Ellie verarbeiten den Tod des Vaters Louis (Mark Ruffalo). Der junge Adam verhält sich ziemlich eklig gegenüber seiner Mutter, was der alte Adam nun von schlechtem Gewissen geplagt mit ansehen muss.

Ja, es gibt in The Adam Project spektakuläre Verfolgungsjagden, Schießereien und Lichtschwert-Kämpfe. Aber der Blockbuster erzählt im Kern eine emotionale Geschichte, die wichtiger ist als jede Action. Das war das erklärte Ziel von Regisseur Shawn Levy, sagte er gegenüber Uproxx .

Für diese ungewohnten Anforderungen musste Reynolds sich umstellen. Er konnte nicht so spielen wie in seinen acht Blockbustern zuvor.

Was Ryan Reynolds in The Adam Project besser macht als in jedem seiner Blockbuster zuvor

Ryan Reynolds' radikale Deadpool-Transformation schadete seinen Filmen mehr als sie ihnen half. Nur ein Beispiel: Selbst in Free Guy bestreitet Reynolds die Action-Szenen entweder gefühllos oder vollkommen überdreht. Als seine Figur eigentlich Emotionen (Angst z.b.) zeigen musste, blieb er in seiner Komfortzone des unpassend kichernden Klassenclowns. Es wirkte fast, als wäre Reynolds unfähig, eine Verbindung zum Innenleben seiner Figur herzustellen.

Deadpool spricht deutsch | Das Interview zu Deadpool 2 mit Ryan Reynolds
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In The Adam Project ist jetzt etwas passiert, das ich so bisher nur in Pokémon Meisterdetektiv Pikachu gesehen habe: Reynolds teilt seine Humorgewalt ein. Er dosiert das, was er für seine größte Stärke hält und geht damit endlich ein Risiko ein.

Natürlich lebt The Adam Project auch vom typischen Ryan Reynolds Gequatsche. Aber eben nicht nur. Er erkennt die Szenen, in denen er den inneren Klassenclown wegsperren muss. Mit dem Ergebnis, dass mir, wenn ich an Adam Project denke, nicht zuerst der Furzwitz mit der Schusswunde in den Kopf kommt. Sondern das wirklich berührende Gespräch mit seiner gleichaltrigen Mutter in der Bar. Für solche Szenen wurden emotionale Zeitreisefilme erfunden. (Lest hier mehr über die Zeitreisen in The Adam Project)

Der (hoffentlich) neue Ryan Reynolds ist eine Hoffnung für das Blockbuster-Kino

Die oben beschriebene Entwicklung musste so etwa auch Will Smith durchmachen – der Prototyp des polyvalenten, sowohl witzigen als auch charismatischen und berührenden Schauspielers. Mit Will Smith will ich Ryan Reynolds noch nicht gleichstellen, so weit sind wir noch nicht. Aber er könnte dahin kommen.

Ryan Reynolds ist einer der wenigen reinen Blockbuster-Schauspieler der Gegenwart. Vielleicht der einzige. Selbst Dwayne Johnson hatte bis vor kurzem die HBO-Serie Ballers als Nebenprojekt. In Filmen ohne hohe Budgets, Explosionen und Faustkämpfe findet Ryan Reynolds schlicht nicht mehr statt. Das ist okay.

Aber wenn wir mit Ryan Reynolds als dem führenden Blockbuster-Leading-Man leben müssen (das klingt jetzt gemeiner, als es soll), dann ziehe ich den Adam Project-Reynolds dem Deadpool-Reynolds vor. Sollte er auf die Adam Project-Formel bald auch in Deadpool 3 (ebenfalls von Shawn Levy) zurückgreifen, wäre das eine sehr gute Nachricht für das Blockbuster-Kino.

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