Alan Rickman - Unsere liebsten Filmszenen

Moviepilot Team
sciencefiction Andrea Wöger
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Senior Redakteurin bei Moviepilot. Taucht am liebsten mit Science Fiction Double Features in andere Welten und Zeiten. Mag das Queere, Fantastische, Abseitige und könnte die Finger auch nicht von der Lachsschaumspeise lassen.

Mit Alan Rickman ging einer der ganz großen britischen Schauspieler von uns. Er verstarb am Donnerstag in London. Wir erinnern uns mit einem weinenden und einem ehrfürchtigen Auge an all seine großartigen Auftritte in zahlreichen Filmen verschiedenster Genres in vier Jahrzehnten. In Gedenken an die Schauspiel-Größe wollen wir unsere liebsten Filmszenen mit Alan Rickman teilen.

Jenny
Einer der Gründe, warum die Valentins- und Neujahrstage dieser Welt nie an Tatsächlich ... Liebe herankommen, ist der zugrundeliegende Realismus von Autor/Regisseur Richard Curtis. In keinem Handlungsstrang kommt er so zum Tragen wie in dem des älteren Ehepaars Harry (Alan Rickman) und Karen (Emma Thompson). Während die RomCom anderswo erblühende Liebe feiert, zeigt sie mit dem untreuen Harry, wie Vertrauen und womöglich auch Zuneigung planlos verspielt werden. Die emotionalste Szene ist denn auch keine feierliche Erklärung, sondern die ausgebreitete Wahrheit. Thompson und Rickman bringen hier ihre langjährige gemeinsame Leinwandvertrautheit mit, was den offenen Ausgang umso qualvoller erscheinen lässt.

Christoph
In Galaxy Quest schaffte es Alan Rickman allein durch das wiederholte Aussprechen eines einzigen Satzes, die Wandlung seines Charakters vom Stinkstiefel zum mitfühlenden Wesen zu zeigen. Aus seinem Munde hatte eine alberne Catchphrase wie „By Grabthar’s hammer, by the suns of Warvan, you shall be avenged!“ die Kraft, sowohl Lachtränen als auch solche der Rührung hervorzurufen, ohne dass er dabei in wüstes Overacting verfallen musste.

René
In Dogma erklärt uns Alan Rickman, dass er Metatron, die Stimme Gottes, sei. Kein Mensch könne die Stimme Gottes vernehmen, weswegen er diesen Job übernommen habe. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, wäre dies vielleicht die schönste aller Vorstellungen: Jedes Mal, wenn wir eine Stimme aus dem Nichts hören, redet Alan Rickman mit uns. Wenn das so ist, bleibt er nicht nur für immer in unser aller Herzen, sondern auch im Ohr. Das beruhigt doch ungemein, oder?

Laura
In Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders spielt Alan Rickman einen verzweifelten Vater, der fieberhaft versucht, seine Tochter vor einem rücksichtslosen Mörder zu beschützen. Rickmans Darstellung der panischen Angst und herzzerreißenden Sorge der Figur bescherte mir mehr als einmal einen Kloß im Hals. Als er schließlich dem Mörder gegenübersteht und ihm mit seiner kühlen Stimme und den erloschenen Augen eines gebrochenen Mannes seine Rachepläne eröffnet, lief es mir wirklich eiskalt den Rücken runter.

Lea
Nie werde ich Alan Rickman in seiner Rolle als Severus Snape in den Harry Potter-Filmen vergessen: diese zwiespältige Romanfigur, die ich als Kind erst aus tiefster Seele hasste und die mich dann zu Tränen rührte. Wer hätte ihn besser verkörpern können als Alan Rickman? Es gelang ihm perfekt, die düstere und fiese Seite des Snape einzufangen und ihm dennoch seine Menschlichkeit nicht zu nehmen. Es ist wunderbar, dass Rickman an diesem Stück Kindheitsgeschichte teilhatte und ich werde mich immer wieder darauf freuen, ihn mir als Snape anzuschauen - auch "nach all der Zeit?" "Immer."

Chris
Gestatten Sie, Hans Gruber. Auch wenn sich Alan Rickman in der Folge immer gegen eine allzu einseitige Vereinnahmung als Filmbösewicht gewehrt hat, ist und bleibt für mich die Figur des teutonischen Terroristen Hans Gruber im Actionfilm Stirb langsam (1988) die einprägsamste, die er je gespielt hat. Es ist eine schauderhafte Wonne, ihm dabei zuzusehen, wie er in einem Moment den wohlgelittenen Weltmann mimt und seine Expertise in Sachen Modedesign zur Schau stellt, nur um im nächsten Moment eiskalt eine der Geiseln zu erschießen. Die lässigen verbalen Kränkungen im Schlagabtausch mit Cowboy John McClane machen ihn zudem noch viel bedrohlicher. Einfach Weltklasse, wie da Oneliner im Schnellfeuertakt einer Maschinenpistole auf die Zuschauer niederprasseln. Yippee-ki-yay, motherfucker.

Moritz
Von den stimmlichen Beiträgen in Tim Burtons Musical Sweeney Todd kann man halten, was man will. Aber Alan Rickman schafft es hier, genau wie in vielen anderen seiner Filme, die Szenen, in denen er auftritt und/oder singt, an sich zu reißen. Darüber hinaus ist er mir mehr denn je als zerrissener Charakter aufgefallen. Es ist ein ein Hin und Her zwischen Begehren und Reue, mit dem der Schauspieler Richter Turpin zu einer bösartigen, wenngleich bemitleidenswerten Figur macht. Vielleicht auch der Ausdruck eines Darstellers, der oft auf seine Bösewichte reduziert worden ist und hier gegen diesen Blick anspielt, während er ihn auch hervorragend zu bedienen weiß.

Andrea
Der letzte Film, den ich mit Alan Rickman gesehen habe, war Die Gärtnerin von Versailles, bei dem er selbst Regie führte und die Rolle des Königs übernahm. In einer wundervollen Szene sitzt er in einem sonnendurchfluteten kleinen Gärtchen und nimmt seine wallende, schwarze Perücke ab. Zum Vorschein kommt ein gealterter, müder König, der für einen Moment Ruhe und Natur genießen möchte, ohne dabei beobachtet zu werden. Für einen kurzen Moment scheint nicht nur der König er selbst sein zu dürfen, sondern auch Alan Rickman.

Welche Szenen mit Alan Rickman sind euch besonders im Gedächtnis geblieben?

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