Alien: Covenant - Ridley Scott im Interview über 3D & seine Mutter

Alien: Covenant - Interview mit Regisseur Ridley Scott
© 20th Century Fox
Alien: Covenant - Interview mit Regisseur Ridley Scott
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Kurz nach der Premiere von Alien im Jahr 1979 hätte sich vermutlich selbst Regisseur Ridley Scott nicht ausmalen können, in welche unendlichen Weiten des Universum ihn dieses Franchise eines Tages bringen wird. Fast vier Dekaden später hat sich die Erzählung rund um das unheimliche Wesen aus den All nicht bloß in ein popkulturelles Phänomen, sondern ebenfalls eine der spannendsten, weil vielseitigsten Filmreihen aktuell in Hollywood verwandelt. Insgesamt vier verschiedene Regisseure haben mit ihren Werken in der Alien-Saga ihren Fußabdruck hinterlassen, von zwei, in ihrer Ausrichtung ebenfalls extrem unterschiedlichen, Crossovern mit dem ähnlich tödlichen Predator ganz zu schweigen.

Seit Prometheus - Dunkle Zeichen hat aber wieder Ridley Scott höchstpersönlich das kreative Ruder übernommen und erzählt nun mit Alien: Covenant gleichermaßen eine Fortsetzung sowie eine Vorgeschichte. Die Verortung seines jüngsten Werks im Alien-Franchise fällt gar nicht so leicht. Daher habe wir ihn im Interview nach der perfekten Reihenfolge gefragt, um die Alien-Filme in ganzer Pracht zu genießen. Für Ridley Scott ist die Angelegenheit klar: "Oh, ich denke, zuerst Prometheus und dann Covenant" - die Chronologie ist hier der entscheidende Schlüssel, bevor man zu den Filmen von James Cameron (Aliens - Die Rückkehr), David Fincher (Alien³) und Jean-Pierre Jeunet (Alien - Die Wiedergeburt) kommt. Darüber hinaus erwarten uns zwei potentielle Covenant-Fortsetzungen, die schließlich den Bogen zum Ur-Alien schlagen sollen. "Es ist so, als würde man durch den Hintereingang das Haus betreten."

Auf die Frage nach konkreten Plänen für die zwei Covenant-Sequels zeigt sich Ridley Scott jedoch reserviert, besonders, als der Titel Alien: Awakening fällt. Obgleich er kürzlich gegenüber Fandango noch den Namen dieser möglichen Fortsetzung erwähnte, spielt er zum Zeitpunkt des Interviews keine Rolle mehr. Bereits Alien: Covenant ist aber das beste Beispiel dafür, dass sich der Titel einer Fortsetzung ständig ändern kann. So wurde der mittlerweile sechste Alien-Film zuerst unter dem Arbeitstitel Prometheus 2 und später als Alien: Paradise Lost entwickelt. Doch damit will sich Ridley Scott momentan nicht beschäftigen. Für ihn ist nur wichtig, dass es eine Vision für die Reihe gibt: "Die zukünftigen Pläne werden gerade geschrieben. Die Geschichte wird sich wahrscheinlich oder ziemlich sicher sogar in der Welt abspielen, auf die sie es abgesehen haben."

"Sie" - das ist in diesem Fall die Crew der Covenant, die wir im neusten Alien-Film kennenlernen werden. Unter der Leitung von Captain Jacob Branson (James Franco) macht sich das titelgebende Kolonialraumschiff auf den Weg zu einem weit, weit entfernten Planeten, wo die rund 2000 Mann starke Besatzung eine neue Heimat finden soll. "Es ist ein bisschen so wie die Geschichte der Väter, die einst mit einem Schiff nach Amerika kamen. Wir werden [im Covenant-Sequel] definitiv eine neue Welt sehen." Die spannende Frage ist allerdings, welche der Besatzungsmitglieder es überhaupt bis in diese neue Welt schaffen - immerhin treibt auch in Alien: Covenant das legendäre Space Beast sein Unwesen und hinterlässt tote Körper. Eine Figur hat Ridley Scott für den Fortgang der Geschichte dennoch fest eingeplant. Spoiler: "Nachdem wir erfahren haben, wer David wirklich ist, wird er natürlich wieder vorkommen." Spoiler Ende.

Doch die Geschichte der Covenant ist nicht die einzige, die im Alien-Universum existiert. So war lange Zeit auch von einem fünften Teil der Saga die Rede, der von Neill Blomkamp inszeniert werden und zudem Sigourney Weaver als Ellen Ripley zurück ins Franchise holen sollte. Auf die Nachfrage nach einem Update in diese Richtung nimmt Ridley Scott jedoch jeglichen Gerüchten den Wind aus den Segeln: "Der Film geisterte eine Zeit lang herum, aber ich glaube, das Skript wurde nie richtig entwickelt." Außerdem betont er, dass sich 20th Century Fox, das produzierende Studio, in den letzten zwei Jahren auf Alien: Covenant konzentriert hat. "Es wird nicht passieren", schließt er seine Ausführungen zu Neill Blomkamps Alien-Film ab. Ob Sigourney Weaver trotzdem eines Tages wieder in einem Alien-Film auftauchen wird? Einen kurzen Moment versinkt Ridley Scott in Gedanken, ehe er ein anteaserndes "Wer weiß, wer weiß" verlauten lässt.

Im Jahr 2017 ist es allerdings längst kein Geheimnis mehr, dass die großen Studios auf eine Expansion ihrer etablierten Marken setzen. Während Disney neben dem Star Wars-Kosmos ebenfalls das Marvel Cinematic Universe ausbaut, hat sich Warner Bros. auf das DC Extended Universe fokussiert und bringt darüber hinaus mit Filmen wie Godzilla und Kong: Skull Island ein hauseigene MonsterVerse in Stellung. Ron Howard spricht derweil immer wieder davon, dass er seine Verfilmung von The Dark Tower gerne zwischen den Kinofilmen mit Serien überbrücken würde. Ob dieser Kniff auch im Rahmen des Alien-Franchise möglich wäre? "Das versuche ich ja gerade", sagt Ridley Scott, sieht den Begriff der Serie aber nicht auf Fernsehen oder diverse VoD-Anbieter limitiert, sondern hat sich die große Leinwand für seine große Alien-Serie ausgesucht. Ansonsten ist er der Ansicht, dass populäre Marken dann als Serien ausgerollt werden, wenn das Franchise einer Generalüberholung bedarf.

"[Eine Serie] macht man dann, wenn einem die Ideen und die Luft ausgehen. Dann erneuert man [die Marke] und erweckt sie zu neuem Leben." Gleichzeitig hat er für die aktuelle Entwicklung der Serienlandschaft anerkennende Worte übrig: "Fernsehen wird immer besser und besser. Ja, sehr gut sogar. Die besten Serien sind heutzutage genauso gut wie die besten Filme." Konkrete Pläne, das von H.R. Giger geschaffene Weltraummonster auf den heimischen Bildschirmen wüten zu lassen, hat er aber nicht. Stattdessen steht die Entwicklung der zukünftigen Covenant-Sequels im Vordergrund - diesen Fokus lässt Ridley Scott sehr deutlich im Gespräch durchblicken, selbst wenn vorerst alles vom Einspielergebnis des jüngsten Segments abhängig ist. In der Hinterhand hat er aber auf alle Fälle noch ein paar Ideen, wie er andeutet.

Abseits davon fällt auf, dass Alien: Covenant im Gegensatz zu seinem Vorgänger nicht mehr in nativem 3D gedreht wurde. Sprich: Prometheus gehört bis heute zu den wenigen Filmen, die nicht erst später für eine 3D-Auswertung im Kino konvertiert, sondern direkt ab dem ersten Moment der Produktion als 3D-Film gedacht und konzipiert wurden. Aber woher kommt der Sinneswandel? "Ihre Entscheidung", gibt Ridley Scott ein bisschen traurig über die verschenkten Möglichkeiten zu Protokoll und bezieht sich damit auf die Entscheidung des Studios. "Ich hätte definitiv wieder in 3D gedreht. 3D ist kein Problem und auch nicht kompliziert, wenn man mit dem richtig Team zusammenarbeitet, weiß, was man tut, und vor allem weiß, was man will. Dann ist 3D eine sehr einfache Angelegenheit." Trotzdem zeigt sich Ridley Scott zufrieden über die aktuelle Version von Alien: Covenant: "Ich finde, der Film funktioniert auch so, wie er nun ist."

Das Alien-Franchise sowie Ridley Scott sind dem Lauf der Dinge im Filmgeschäft unterlegen, das sich im stetigen Wandel befindet. Eine Sache bleibt jedoch selbst sechs Filme später felsenfest bestehend: Die starken Frauenfiguren, die die Reihe seit Ellen Ripleys Debüt im ersten Alien-Film beherbergt. Alien: Covenant wartet mit der von Katherine Waterston verkörperten Daniels erneut mit einer Kämpfernatur auf, die sich furchtlos der Bestie in die Quere stellt. Woher kommt dieses Streben? "Das liegt daran, dass mich meine Mutter früher regelmäßig geschlagen hat", scherzt Ridley Scott. Aber im Ernst: "Ich glaube, meine Mutter ist die stärkste Frau, die ich in meinem ganzen Leben kennengelernt habe. Sie hat zwei Söhne in die Welt gesetzt. Einer davon war Tony Scott und der andere sitzt hier. Sie hat einen ziemlich guten Job gemacht", schließt er das Gespräch lächelnd und in Erinnerungen versunken ab.

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