Tokyo Ghoul S

Anime im Stream - Mein Abend mit einem furchterregenden Ghul-Hannibal

Ken in Tokyo Ghoul S
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Ken in Tokyo Ghoul S
28.04.2020 - 18:00 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Die Ghule wüten wieder in der Metropole Tokio und sie haben Hunger auf saftiges Fleisch. Dank eines besonders gefräßigen Ghule entsteht richtige Horror-Atmosphäre.

Letzten Monat lernten wir in Psycho-Pass: Sinners of the System noch aus der Sicht mehrerer Nebenfiguren der Science Fiction-Serie die Schattenseiten des schier omnipräsenten Sybill-Systems kennen. Diesmal zieht es uns hingegen eher in fantastische Regionen, denn Tokyo Ghoul S treiben die gefräßigen Ghule ihr Unwesen. Diesmal jedoch nicht als Anime, sondern in der Form einer Live-Action-Adaption mit realen Schauspielern.

Tokyo Ghoul S ist ein gemächlich beginnender Horrorfilm

Seit Kens Verwandlung in einen Halb-Ghul ist inzwischen zwar einige Zeit vergangen, doch noch immer muss er sich mit dem neuen Status Quo seines Lebens arrangieren. Zum Glück hat er Freunde gefunden, die ihm dabei helfen, seine monströse Seite kontrollieren zu lernen. Allerdings soll die friedliche Stimmung nicht lange Bestand haben, denn ein Ghul, der sich selbst "Der Gourmet" nennt, hat es auf Ken abgesehen. Der Beginn einer mörderischen Jagd!

Der Gourmet lädt zum Festschmaus

Tokyo Ghoul S setzt die Geschichte seines Vorgängers, der vor einigen Jahren im Rahmen der KAZÉ Anime Nights zu sehen war, fort. Da die Welt im vorherigen Film bereits etabliert wurde, stürzen wir uns diesmal direkt in die Action hinein - nun ja, zumindest irgendwie, denn der zweite Tokyo Ghoul-Realfilm beginnt relativ gemächlich. Generell nehmen sich die Macher viel Zeit, um die Charaktere entfalten und entwickeln zu können.

Dies kommt den Figuren natürlich zugute, hätte jedoch durchaus auch etwas zügiger ablaufen dürfen, denn trotz einer recht überschaubaren Laufzeit von "nur" 100 Minuten hat Tokyo Ghoul S die eine oder andere Länge. Dass diese nicht allzu sehr ins Gewicht fallen, liegt an der gelungenen Horror-Atmosphäre des Films, die allerdings über das gesamte Werk betrachtet ein bisschen zu kurz kommt.

Der Gourmet spielt ein teuflisches und blutiges Spiel

Besagter Horror entsteht besonders dann, wenn der Antagonist des Films auf der Bildfläche erscheint: Shu Tsukiyama oder auch Der Gourmet. Er hat Menschen zum Fressen gern und als er hört, dass neuerdings ein Halb-Ghul in Form von Ken in seiner Stadt lebt, muss er natürlich eine Kostprobe von dieser Delikatesse haben. In der Folge erschleicht er sich das Vertrauen unseres naiven Helden, um diesen später zu verspeisen.

Shu, der Gourmet

Wie bereits im Tokyo Ghoul-Anime zählt Shu Tsukiyama zu den größten Stärken der Geschichte, ist er doch durch sein methodisches und zugleich moralisch fragwürdiges Handeln eine überaus faszinierende Figur. Verstärkt wird dies durch Parallelen zur US-Serie Hannibal, denn auch in Tokyo Ghoul S werden die menschlichen Speisen verführerisch appetitlich in Szene gesetzt. Als Zuschauer weiß man, dass Shu ein hassenswerter Charakter ist, doch seiner Anziehungskraft ist schwer zu widerstehen.

Zu Höchstform läuft der Film dann in den gemeinsamen Szenen von Ken und Shu auf, die, dank wunderbarer Kameraarbeit und schaurig schöner Sets, richtiges Horror-Feeling versprühen. In diesen Momenten liegt stets eine ungeheure Spannung in der Luft. Leider können dies andere Momente des Films nicht unbedingt von sich behaupten, denn im direkten Vergleich fallen diese dezent ab.

Zu kurze Action und zuviel Seifenoper untergraben den Horror

Genau wie in der Vorlage geht es nicht immer düster zu. Die Szenen in der "Menschenwelt", in der Ken etwa Shu kennenlernt, bilden zwar speziell visuell aufgrund ihrer warmen, kräftigen Farben, einen schönen Kontrast zu den bedrückenden Ghul-Abschnitten, allerdings bremsen sie die eigentlich stärksten Momente des Films auch aus. In diesen warmen Momenten fühlt sich Tokyo Ghoul S mehr wie eine Teenie-Seifenoper und weniger wie ein waschechter Horrorfilm an, der er durchaus hätte sein können.

Ken und Shu lernen sich kennen

Dann hätten wir da noch die Actionszenen: Diese sind wirklich schick anzusehen und bestechen, wie schon im Vorgängerfilm, mit mehr als nur ansehnlichen Choreographien, was sie zu kleinen Perlen in Tokyo Ghoul S macht. Allerdings sind sie meist viel zu schnell wieder vorbei und können so nie ihre ganze Wirkung entfalten. Mit etwas mehr Raum für Action und Horror hätte die zweite Live-Action-Adaption von Tokyo Ghoul einen wirklich guten Horror-Thriller abgegeben.

Wenig zu beanstanden gibt es wiederum auf auditiver Ebene. Die musikalische Untermalung ist stets passend gewählt und untermalt sowohl die Stimmung der Charaktere als auch jene der aktuellen Szene gekonnt. Abgerundet wird dies von den gewohnt hochklassigen deutschen Sprechern, die spürbar mit Herz bei der Sache sind, um ihren Figuren Leben einzuhauchen.

Toyko Ghoul S ist eine durch und durch vernünftige Adaption des gleichnamigen Manga- und Anime-Hits geworden. Speziell die Beziehung zwischen Ken und Shu weiß zu begeistern, in erster Linie durch den gefräßigen Gourmet, der einen unweigerlich in seinen grausigen Bann schlägt. Abzüge in der B-Note halten den mitunter etwas eigenwilligen Seifenoper-Horror-Mix jedoch davon ab, sein gesamtes Potential entfalten zu können.

Aufgrund der gegenwärtigen Ausnahmesituation könnt ihr Tokyo Ghoul S nicht im Kino sehen. Stattdessen bietet KAZÉ den Film ab heute, dem 28. April 2020, um 20 Uhr bei Anime on Demand  im Stream an. Für 9,95€ könnt ihr den Film wahlweise mit deutscher Synchronisation oder im japanischen Originalton mit deutschen Untertiteln gucken. Das Angebot gilt für 48 Stunden und gewährt zudem Zugriff auf den kompletten AoD-Katalog.

Werdet ihr euch Tokyo Ghoul S ansehen?

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