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Kinojahr 2010

B-Movies lassen Hollywood-Blockbuster alt aussehen

30.08.2010 - 08:50 Uhr
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Der B-Movie Piranha 3D lässt die Kritiker jubeln
© Dimension Films
Der B-Movie Piranha 3D lässt die Kritiker jubeln
Pralle Mega-Budgets und prominente Namen sind noch längst keine Garantie für einen guten Film. Im bisherigen Kinojahr konnten nur wenige Hollywood-Blockbuster qualitätsmäßig wirklich überzeugen. Dagegen mischen B-Movies die Filmwelt auf und sorgen für Spaß auf der Kinoleinwand.

Mehr als die Hälfte haben wir bereits hinter uns. Anlass genug, um das bisherige Kinojahr einmal Revue passieren zu lassen. Hollywood hat uns natürlich wieder einige Blockbuster beschert, die an den Kinokassen mal mehr, mal weniger überzeugen konnten. Wie wir wissen, sahnt Sylvester Stallone mit The Expendables an den US-Kinokassen zur Zeit richtig ab. Davor begeisterten vor allem der umhypte Traumthrilller Inception und Pixars neuester Streich Toy Story 3.

Das Einspielergebnis soll hier aber weniger im Vordergrund stehen, als vielmehr die Frage: Was fabrizieren die Filmemacher aus den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln? Wenn wir cinematical glauben wollen, lautet das bisherige Fazit: Die sogenannten B-Movies lassen Hollywoods Blockbuster in diesem Jahr ganz schön alt aussehen. Aber woran liegt es?

Natürlich stellen die Hollywood-Bosse ihren Filmemachern ein bombastisches Budget sowie eine Starriege an Schauspielern zur Verfügung, um einen auf die breite Masse ausgelegten Blockbuster zu inszenieren. Dieses Jahr bedeutete das für uns vor allen Dingen: Filme mit bekannten Geschichten, bewährten Handlungsmotiven und den üblichen Gesichtern. Als Beispiele seien hier Knight and Day, Karate Kid, Iron Man 2, Prince of Persia: Der Sand der Zeit, Sex and the City 2, Die Legende von Aang und From Paris with Love angeführt. Dazu kommen dann noch Filme wie Alice im Wunderland und Kampf der Titanen, die mit der 3D-Technologie nachkonvertiert wurden, was sie noch unerträglicher macht, als sie ohnehin schon sind. All diese Blockbuster wurden mit ordentlich Geld und großen Namen ausgestattet, aber das Endergebnis stellt sich jeweils mehr als fraglich dar, wenn wir uns die dazugehörigen Kritiken anschauen.

Die allgemeine Geheimformel lautet auch im Filmgeschäft: Weniger ist manchmal mehr – der Dampfhammer muss nicht immer ausgepackt werden. Als Beispiel nennt der Autor des oben angeführten Artikels, Jeffrey M. Anderson, den B-Movie Piranha 3D, der vergangenes Wochenende in den US-Kinos angelaufen ist und von den Kritikern mit Lob überhäuft wurde. Das Remake des 32 Jahre alten Piranha trifft seiner Meinung nach genau den richtigen Ton, ist spielerisch und unterhaltsam. Dabei erfindet Regisseur Alexandre Aja das Rad sicherlich nicht neu. Aber er vertraut auf einen optimalen Handlungsstrang und hält den Spaßfaktor unglaublich hoch. Am meisten zeichnet den Film aus, dass er das Publikum an der Handlung teilhaben lässt, statt einfach nur das übliche Programm abzuspulen. Beispielsweise macht er hier und da Anspielungen auf Genreklassiker wie Der weiße Hai und überlässt es dem Zuschauer, diese erst einmal zu entdecken.

Piranha 3D nimmt sich sicherlich nicht so ernst wie The Expendables, in dem Sylvester Stallone sämtliche Botschaften mit dem Dampfhammer serviert. Der Spaßfaktor hält sich bei dem überaus erfolgreichen Actionspektakel im Vergleich zu Piranha 3D in Grenzen. Budgetvergleich: 82 Millionen Dollar standen Sylvester Stallone zur Verfügung, während Alexandre Aja mit 24 Millionen auskommen musste. Überhaupt scheinen in diesem Kinojahr angesichts der wenig erbaulichen Blockbuster die kleineren Filme zu begeistern, die nach dem Motto verfahren: einfach, locker und spaßig. Dazu gehören B-Movies wie Kick-Ass, Predators, The Crazies, The Book of Eli, Splice – Das Genexperiment und Survival of the Dead. Das waren natürlich alles keine cineastischen Meisterwerke, aber sie überzeugten, weil sie das Publikum am Spaß teilhaben ließen und sich dabei selbst nicht zu ernst nahmen.

Im Gegensatz dazu seien Filme wie der Blockbuster Robin Hood angeführt, der so ernst und schwerfällig daherkam, dass die Augenlider im Laufe des Films doch mächtig schwer wurden. Daneben versuchte Ridley Scott, ebenso wie Samuel Bayer bei A Nightmare on Elm Street, den bereits bekannten Charakteren durch überflüssige Hintergrundgeschichten Tiefe und Bedeutung zu verleihen, worunter einfache Werte wie Action und Suspense zu leiden hatten.

Natürlich ist in einem Film auch Platz für Ernsthaftigkeit, aber wie Jeffrey M. Anderson anführt, muss diese Ernsthaftigkeit vom Zuschauer gefühlt werden, anstatt sie ihm blindlings aufzudrücken. Mit Szenen, in denen Filmemacher mit bestimmten Mitteln deutlich auf den Wert dieser Szene hinweisen (nach dem Motto: "Das ist eine sehr wichtige Szene, also aufgepasst), beleidigen sie die Intelligenz ihres Publikums. Nur wenige Filme kommen dieser Tage ohne solche Momente aus. Toy Story 3 bildet da eine willkommene Ausnahme und gehört zu den wenigen Blockbustern in diesem Kinojahr, die wirklich überzeugen konnten, neben Inception natürlich. Ansonsten erfreuten wir uns an den zahlreichen sogenannten B-Movies, die den Spaßfaktor hoch hielten und ihren Big-Budget-A-List-Konkurrenten vormachten, was wahre Kinounterhaltung ausmacht.

Oder seid Ihr etwa anderer Meinung? Wie lautet Euer Fazit des bisherigen Kinojahres? Was sind eue bisherigen Favoriten? Konnten Euch die B-Movies auch mehr begeistern als die Blockbuster, oder sind wir hier komplett auf dem Holzweg?

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