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Babylon Berlin - Die opulente Serie der Superlative im Check

Babylon Berlin
© ARD/Sky
Babylon Berlin
15.10.2017 - 09:15 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Sex, Drogen und den Tanz auf dem Vulkan gibt es in der bisher aufwendigsten deutschen Serie Babylon Berlin von Tom Tykwer zu sehen. Wir haben das Mammutprojekt unter die Lupe genommen.

In opulent ausgestatteten Nachtclubs und heruntergekommenen Mietskasernen lässt Babylon Berlin das Lebensgefühl der späten 1920er Jahre aufleben, die für die Hedonisten und Nachtschwärmer golden erscheinen mögen und in der Tagelöhner und Kriegsversehrte um ein karges Leben kämpfen. Das bombastische Serienprojekt Babylon Berlin konnte sich bereits vor dem Start mit einigen Superlativen schmücken. Mit knapp 40 Millionen Euro ist es die teuerste deutsche Serienproduktion und es ist die erste Kooperation eines öffentlich-rechtlichen Senders (ARD) mit einem Pay-TV-Anbieter (Sky). Die drei Regisseure, Drehbuchautoren und Produzenten Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries drehten an über 300 Schauplätzen in und um Berlin, um die Metropole zurück in das Jahr 1929 zu versetzen. Dazu bedurfte es 180 Drehtagen, knapp 5.000 Komparsen, 8.000 Quadratmetern Außenkulisse. Seit dem 13.10.2017 gibt es die 16 Episoden der Staffeln 1 und 2 in wöchentlich ausgestrahlten Doppelfolgen auf dem Bezahlsender Sky 1 zu sehen. Die ARD wird Babylon Berlin erst Ende 2018 senden. Die Investition hat sich gelohnt. Babylon Berlin erscheint nicht im faden Kostüm des TV-Dreiteilers zur Primetime, sondern fegt, nach Startschwierigkeiten und verspäteter Ausstrahlung auf den Streaming-Portalen von Sky, im flirrenden Charlestondress über die Bühne.

1929 steht die noch junge deutsche Demokratie der Weimarer Republik auf wackeligen Beinen. In Berlin kommt es im Mai (der als "Blutmai" in die Geschichte eingehen wird) zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und kommunistischen Demonstranten, und die ersten Anzeichen des aufkeimenden Nationalsozialismus werden spürbar. Mittendrin ermittelt Gereon Rath (Volker Bruch), ein sogenannter Zitterer, der seine durch die Erlebnisse in den Schützengräben des 1. Weltkriegs ausgelösten Traumata und Panikattacken nur mit der Einnahme von Heroinampullen kontrollieren kann, in den Abgründen der lebendigen Partyszene Berlins. Sein Interesse als Ermittler im Sittenderzernat gilt zunächst einem Pornografie-Ring, der in den Hinterzimmern eines Neuköllner Fotografen biblisch anmutende Schmuddelfilme dreht, doch seine Recherche treibt ihn immer tiefer in einen Sumpf aus Drogen, Prostitution und Korruption, in dem russische Konterrevolutionäre und nationalsozialistische Verschwörer um die Vorherrschaft der Unterwelt kämpfen.

Die (meist nostalgisch verklärte) DDR und die Schrecken der Nazis sind die beliebtesten Themen, wenn in Deutschland ein Film oder eine Serie über die eigene Geschichte im vergangenen Jahrhundert realisiert wird. Die Entscheidung, ein früheres Kapitel der Geschichtsbücher aufzuschlagen, auch wenn es unweigerlich auf das Geschehene hinführen wird, wirkt erfrischend. Babylon Berlin basiert lose auf der Krimireihe des Autors Volker Kutscher, der seinen (Anti)-Helden Gereon Rath in bisher in fünf Romanen düstere Abenteuer in Berlin der späten 1920er und frühen 1930er Jahre erleben lässt. Die Romanhandlung dient als Gerüst, das von Tom Tykwer und seinen Kollegen ordentlich ausgeschmückt wurde. Das ist in diesem Fall ganz und gar nicht als Kritik zu verstehen. Wer die Bücher gelesen hat, wird die Figuren und Handlungsstränge wiedererkennen, jedoch völlig neue Persönlichkeiten kennenlernen. Rath bekommt durch sein "Zittern" eine düstere Komponente hinzu, die Stenotypisten Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) ist keine bodenständige Jurastudentin, die sich ihr Studium mit einem Nebenjob bei der Polizei finanziert, sondern eine zwielichtige Figur, die ihre verarmte Großfamilie durchbringen muss und neben ihrer zivilen Tätigkeit nachts in den Darkrooms des Moka Efti, dem Berghain der 20er, als Prostituierte in der SM-Szene anschafft.

Babylon Berlin porträtiert eine Gesellschaft, die sich zwischen dem totalen Exzess und kleinbürgerlicher Spießigkeit bewegt. Zwischen Champagnerrausch und frisch gebohnerten Mietswohnungen entsteht ein Sittengemälde der Weimarer Republik, das als Krimi gezeichnet ist. Dem ersten Band der Romanreihe geht ein Zitat von Walter Rathenau voran: "Spree-Athen ist tot, und Spree-Chicago wächst heran." Tatsächlich gelingt es den Serienmachern, die Stadt an der Spree als eine Metropole zu zeigen, in der Gangsterbosse, politische Verschwörer und korrupte Bullen den Takt vorgeben, in der illegale Etablissements und ein ausschweifendes Partyleben die Bewohner abzulenken wissen, ein Babylon eben. Berlin ist die Protagonistin der Serie, die sich den Agierenden als Schauplatz darbietet, aber niemals von sich selbst ablenkt. Die detailgetreuen und aufwendigen Kulissen, die glamourösen Showeinlagen und die Kostüme lassen die Serie toll aussehen. Selbst wenn man sich nicht an die historische Korrektheit der Ereignisse halten wird, sieht es zumindest so aus. Stimmig unterlegt mit dem Jazz-Klängen von damals, legt Babylon Berlin ein wohl komponiertes, oft rasantes Erzähltempo vor, das in glanzvollen Bildern das Flair von damals einfängt.

Neben Volker Rath (Unsere Mütter unsere Väter, Fack Ju Göthe 2), der den strauchelnden Ermittler spielt, sind Liv Lisa Fries (Boy 7, die Welle), Lars Eidinger (Die Wolken von Sils Maria), Hannah Herzsprung (Die geliebten Schwestern), Benno Führmann und Fritzi Haberlandt in der hochkarätig besetzten Serie zu sehen.

Seit dem 13.10.2017 gibt es die 16 Episoden in jeweils wöchentlich ausgestrahlten Doppelfolgen auf dem Bezahlsender Sky 1 zu sehen. Die ARD wird Babylon Berlin Ende 2018 senden.

Habt ihr euch schon auf den Tanz auf dem Vulkan bei Babylon Berlin eingelassen?

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