Bald auf Netflix: Cate Blanchett stellt mit Stateless existenzialistische Fragen

Cate Blanchett in Stateless
© Ben King/Netflix
Cate Blanchett in Stateless
02.03.2020 - 07:05 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Cate Blanchett war auf der Berlinale 2020 mit keinem Film, sondern einer Serie vertreten. Wir haben uns die ersten zwei dramatischen Folgen von Stateless angeschaut.

Cate Blanchett ist ein Kino-Star. Obwohl die Schauspielerin zu Beginn ihrer Karriere schon in diversen Serien mitspielte, ist sie seit Mitte der 1990er Jahre fast ausschließlich auf der großen Leinwand zu sehen und zieht mit ihrer unglaublichen Präsenz in den Bann. 2020 markiert somit ein besonderes Jahr, denn gleich zwei Serien stehen für die US-amerikanisch-australische Schauspielerin an.

Auf der einen Seite ist da die FX-Serie Mrs. America, in der Cate Blanchett in die Rolle der konservativen Publizistin und politischen Aktivistin Phyllis Schlafly schlüpft. Auf der anderen Seite wartet mit Stateless, das sich mit diversen Aspekten der Flüchtlingskrise befasst, ein noch umfangreicheres Projekt. Gemeinsam mit Elise McCredie und Tony Ayres war Cate Blanchett hier auch als Serienschöpferin und Produzentin aktiv.

Die wichtigsten Fakten zu Stateless von und mit Cate Blanchett

  • Stateless ist eine australische Miniserie, die insgesamt sechs Episoden umfasst und im Rahmen der Sektion Berlinale Special Series auf der Berlinale ihre Premiere feiert.
  • Cate Blanchett spielt nicht die alleinige Hauptrolle. Stattdessen fokussiert sich Stateless auf das Schicksal verschiedener Menschen in schwierigen Situationen.
  • Hintergrund der Handlung ist die Flüchtlingskrise. Es geht um Grenzen, um Orte und vor allem um Menschen, die in Extremsituationen mit existenzialistischen Fragen konfrontiert werden.
Stateless

Eine junge Frau rennt durch die Wüste. Die Erschöpfung steht ihr ins Gesicht geschrieben, auch wenn wir noch nicht wissen, vor was sie flieht. Kurze Zeit später verrät uns die erste Folge von Stateless ihren Namen: Sofie Werner (Yvonne Strahovski) ist eigentlich eine Stewardess und stammt aus gutem Hause. Beim weihnachtlichen Zusammenkommen der Familie kann sie Geschichten aus allen möglichen Ländern erzählen.

Stateless erzählt von verschiedenen Flucht-Perspektiven

Für einen Augenblick wirkt es so, als gäbe es für Sofie den Begriff von Grenzen gar nicht. Sie ist in der Welt zu Hause. Eine Heimat hat sie allerdings noch nicht gefunden. Es dauert nicht lange, bis wir die ebenso freie und neugierige Frau als eingeengten, unterdrückten Menschen kennenlernen. Sofie zerbricht förmlich unter den Erwartungen ihrer Eltern, gerade im Vergleich zu ihrer vorbildlichen Schwester.

Was folgt, ist eine Flucht - zuerst in die Fänge einer sektenähnlichen Gemeinschaft, angeführt von dem charismatischen Gordon Masters (Dominic West) und seiner Frau Pat (Cate Blanchett). Hier soll Sofie lernen, sich selbst zu akzeptieren und gegen die Unterdrückung durch ihre Familie anzukämpfen. Schlussendlich verliert sie sich erneut in leeren Versprechen - und schließlich ihre komplette Identität.

Stateless

Parallel dazu erzählt Stateless die aufwühlende Geschichte eines afghanischen Vaters, der mit seiner Familie nach Australien fliehen will, auf seiner Reise jedoch gleich mehrere Rückschläge einstecken muss. Das dramatische Gewicht ist hier gleich ein anderes, was nicht zuletzt an den drastischen Bildern der Flucht liegt. Stateless versucht, den verschiedenen Schicksalen dennoch die gleiche Aufmerksamkeit zu gewähren.

Erinnerungen an Alejandro González Iñárritus Babel

Dabei geht es weniger darum, gewisse Parallelen ausfindig zu machen, sondern möglichst viele unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Später tritt mit Cam Sandford (Jai Courtney) etwa auch ein Aufseher in einem Flüchtlingslager auf, um weiter Fragen zu diskutieren, die sich im Zuge von Flucht und Suche nach einer (neuen) Heimat stellen. Keine der Figuren ist dort angekommen, wo sie eigentlich hin will.

Stateless erinnert dabei mitunter an Alejandro González Iñárritus Episodendrama Babel, nicht nur aufgrund der Beteiligung von Cate Blanchett. Sowohl die Serie als auch der Film erzählen eine globale Geschichte anhand von Menschen und ihren Einzelschicksalen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, am Ende aber doch miteinander verbunden sind, mal auf tragische, mal auf poetische Weise.

Stateless

Diesen Ansatz betonte auch Cate Blanchett, als sie Stateless auf der Berlinale vorstellte. Die Miniserie soll der Flüchtlingskrise menschliche Gesichter geben. Eine ambitionierte Herangehensweise, die - auf Basis der ersten beiden Episoden - bisher nur bedingt funktioniert. Das liegt vor allem daran, dass die Figuren selbst kaum Profil erhalten, sondern ausgestellt für einen Teilaspekt eines größeres Gefüges stehen.

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Trotz großer Ambitionen ist Stateless zu exemplarisch

Stateless wirkt sehr exemplarisch, auch wenn die menschliche Botschaft im Vordergrund steht. Meistens sind es dann aber doch nur Karikaturen und Stereotypen, die durch das Drama führen. Auch die verbindenden Elemente fallen überwiegend hölzern aus. Dabei liegt hier die große Chance einer Serie verborgen, die sich über sechs Episoden aufbauen kann: Komplexe Vorgänge kontextualisieren und Zusammenhänge aufzeigen.

Ein spannender Gedanke versteckt sich dennoch in Stateless: Obwohl die Menschen getrennt voneinander sind - sei es durch Grenzen oder persönliche Konflikte -, führt sie die Serie als Suchende an einem unwahrscheinlichen Ort zusammen. Darauf lässt sich in den verbleibenden Folgen sicherlich noch aufbauen.

Die Miniserie Stateless umfasst insgesamt sechs Episoden, die in Australien ab dem 1. März 2020 auf ABC ausgestrahlt werden. Nach Deutschland kommt die Serie via Netflix. Ein konkretes Datum steht allerdings noch nicht fest. Als Grundlage für diesen Seriencheck dienten die ersten zwei Episoden, die auf der Berlinale gezeigt wurden.

Werdet ihr euch Stateless auf Netflix anschauen?

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