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Better Call Saul - Wir schauen Staffel 2, Folge 1

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16.02.2016 - 08:50 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Die einjährige Abstinenz von Jimmy McGill hat endlich ihr Ende gefunden. Das Breaking Bad-Sequel Better Call Saul kehrt gewohnt stark und stilsicher mit der zweiten Staffel zu seinen Charakteren zurück.

Alles beim Alten in der Welt von Better Call Saul. Ein Jahr nach dem Ablauf der ersten Staffel wissen wir immer noch, dass Jimmy McGill (Bob Odenkirk) irgendwann zu Saul Goodman, irgendwann zu Heisenbergs Anwalt, irgendwann zum Cinnabon-Mitarbeiter in Omaha, Nebraska wird. Und trotzdem: Die schon in Breaking Bad so raffiniert genutzten Cold Openings und ihr Blick in die Zukunft zeigen auch im zweiten Staffelauftakt Switch noch keine Verbrauchsspuren. Ganz einfach aus dem Grund, dass sie nicht bloß ein bequemes Instrument sind, um die Spannung auf die fortlaufende Handlung auf einem höchstmöglichen Level zu halten - wie es in Breaking Bad üblich war - sondern weil sie uns etwas über das Hier und Jetzt verraten, darüber, dass sich manche Dinge einfach nicht ändern.

Es wird sich zum Beispiel nicht ändern, dass Jimmy sich hin und wieder durch schlichtes Pech oder Tollpatschigkeit in eine dumme Situation manövriert. Es wird sich aber auch nicht ändern, dass er nichts Unüberlegtes tun wird, um aus ihr herauszugelangen. Er sperrt sich bei der Müllentsorgung in einem kahlen Raum ein. Einen Ausweg gibt es hier nicht, zumindest keinen, der nicht den Besuch der Polizei mit einschließt, und den kann dieser Mann bekanntlich überhaupt nicht gebrauchen. Also nutzt er eine seiner wertvollsten Fähigkeiten, die Geduld. Geduldig sein, bis sich das Problem von alleine löst, und siehe da: Es funktioniert. Ein kühler Kopf und rationales Denken haben ihn unbeschadet aus dieser Situation gebracht, doch der Antrieb dahinter ist ein rein menschlicher, von Gefühlen gesteuerter. SG was here. Das ist ihm bei all den fast schon maschinell funktionierenden Handlungen dann doch zu wichtig, um es unter den Tisch fallen zu lassen. Vielleicht ist es der Wunsch nach einer Identität, die Sehnsucht nach etwas Unvergänglichem, das ihn dazu bringt, seine Initialen in die Wand zu ritzen. Vielleicht ist es auch ganz einfach das Verlangen, einen Eindruck zu hinterlassen.

Wie sehr Jimmy versucht hat, bei den richtigen Leuten den richtigen Eindruck zu hinterlassen, hat die erste Staffel schon ausgiebig erforscht. Vor allem bei seinem Bruder Chuck (Michael McKean), aber eben auch bei Kim (Rhea Seehorn). Zumindest bei Letzterer hat sich nicht allzu viel geändert. Jimmy hat bloß eingesehen, dass seine Herangehensweise an ihre Gunst zu gelangen, etwas zu naiv ist. In seiner Vorstellung führt eine steile Karriere dazu, von den Menschen aus dem Umfeld geliebt zu werden. In seiner Vorstellung gehen berufliches und privates Glück Hand in Hand. Als Kim ihn vorsichtig darauf hinweist, dass das eine nichts mit dem anderen zu tun hat, fällt er aus allen Wolken. "Nothing at all?", fragt er sichtlich irritiert und weiß nicht so recht, wie er damit umgehen soll. Immerhin löst sich hier der Masterplan vor seinen Augen in Luft auf: Karriere machen, Geld verdienen, Anerkennung kassieren, mit Kim zusammenkommen, glücklich sein. Fehlanzeige.

Nun könnte ein derartiger Rückschlag zu einer Rückbesinnung auf die eigene, nicht an erreichten Karriereetappen gemessene Identität führen. Er könnte zu einer Reflexion über das ewige Missverständnis der Korrelation zwischen Anerkennung und Liebe führen. Doch das tut er natürlich nicht, weil wir es hier mit Jimmy McGill zu tun haben. Der entwickelt als Reaktion darauf nämlich eine trotzige Fuck-the-world-Mentalität. Er hinterfragt nicht die Umstände seiner schwierigen Lage, er fühlt sich schlicht und ergreifend unfair behandelt und zwar von der ganzen Welt. In seinen Augen bleibt die Tatsache bestehen, dass Erfolg zu Glück in allen anderen Belangen führen muss. Es ist ganz einfach so, dass ihm die Auszahlung besagten Glücks ungerechterweise verweigert wird. Was bleibt also anderes übrig, als die Prinzipien, die ihm ohnehin bloß falsche Versprechungen gemacht haben, über Bord zu werfen?

Vor allem, wenn genau diese Schlussfolgerung prompt zum schnellen Glück führt: Er verbringt einen ganz bezaubernden Abend mit Kim inklusive Ausnehmen eines schmierigen Börsenmaklers, trinkt den wahrscheinlich besten Tequila seines Lebens, verbringt sogar die restliche Nacht mit Kim, kurz: Hat einfach eine wundervolle Zeit mit seinem Spiel mit den eigenen Identitäten. Der Morgen danach deutet jedoch schon das Unheil an. Kim und Jimmy sind zwei Menschen, die aus ihrem Ecstasyrausch erwachen. Die eine Person weiß, dass so ein Leben trotz all des Spaßes niemals auf Dauer funktionieren kann und sieht darin einen raren Ausflug in eine abenteuerliche Welt, auf den zweifellos die Rückkehr in den Alltag folgen muss. Die andere Person möchte das nicht einsehen. Die andere Person fragt sich, wann der nächste Rausch kommt und hofft, dass es niemals aufhört. "Wouldn't it be great if we could do this every night?" Gut möglich, dass die Wurzel jeder selbstzerstörerischen Sucht in dieser Frage liegt.

Eine Aussicht auf weiterführende Schritte in diese Richtung ist in jedem Fall gegeben, denn Price (Mark Proksch) ist nicht so clever wie Jimmy. Der Heisenberg für Arme hat ganz offensichtlich in seinem ganzen Leben noch keinen Gangsterfilm gesehen und kauft sich kurzerhand einen Hummer H2, der das Wort Krimineller in dieser Ausführung quasi in sich trägt. Anders als Jimmy in Omaha ist Price außerdem nicht in der Lage, zu realisieren, dass ein Mann in seiner Person den Kontakt zur Polizei, in welcher Form auch immer, meiden sollte. Nun sieht es ganz so aus, als ob der Gute in Schwierigkeiten geraten wird und an wen kann der sich schon wenden, wenn nicht an Mike (Jonathan Banks), der wiederum gerade erste erfahren hat, dass Jimmy moralisch soeben noch flexibler geworden ist als zuvor. Und der macht gerade die sehr angenehme Erfahrung, dass es nicht immer Konsequenzen gibt, wenn man etwas Verbotenes tut. Selbst wenn es nur ein kleiner Schalter ist, der auf gar keinen Fall umgelegt werden darf.

"I got into law for all the wrong reasons."

Notizen am Rande

- Die Popularität des Hummers H2 hätte ohne Arnold Schwarzenegger tatsächlich niemals den gegenwärtigen Status erreicht. Der fand das Auto nämlich schon immer toll  und drehte sogar entsprechende Werbespots, die, äh, interessant sind .

- In der letzten Staffel fantasierte Jimmy noch davon, sein Büro mit Cocobolo auszustatten, jetzt wird sein Traum Wirklichkeit. "Cocobolo desk? Absolutely!"

- Schön, dass Kim und Jimmy ihre Kinoreferenzen beibehalten. Wobei es auch ruhig ein bisschen kreativer sein darf, als Pulp Fiction zu zitieren.

- Price ist natürlich eine einzige, nicht ernstzunehmende Karikatur, aber sie macht so unheimlich viel Spaß. Wer sonst würde Nacho (Michael Mando) mit einem locker-flockigen "Hola!" begrüßen?

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