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Das Internet & die Drehbuchstars von morgen

Ein Kind der Black List - Juno
© Fox
Ein Kind der Black List - Juno

Erst letzte Woche habe ich das Problem der Originalität in Hollywood-Produktionen angekratzt und auch diesmal soll dieses wieder im Zentrum stehen. Immerhin neigt sich das Jahr dem Ende zu, die Rückblicke halten Einzug und die Frage, was denn unter dem berühmten Strich steht, bevor sich 2013 ein neuer Schwung Filme ankündigt. All die Remakes, Reboots, Sequels und Preboots, die hinter wie vor uns liegen, sind schließlich auch nicht gerade Grund zur Hoffnung auf Kreativität aus den Studios in Los Angeles. Dabei dürfte eine Verlautbarung in zwei Wochen wieder Träume von verrückten Filmideen und originellen Wendungen wecken. Denn wie immer am zweiten Freitag im Dezember, wird in Hollywood die Black List der beliebtesten, noch nicht produzierten Drehbücher bekanntgegeben.

Seit 2005 macht jährlich diese Black List die Runde, dabei hat sie nichts mit den gebrandmarkten Autoren der McCarthy-Ära und viel mit dem Getuschel um kommende Hits zu tun. Ursprünglich entstand sie als Umfrage des Studio-Executives Franklin Leonard, der heute bei Overbrook Entertainment die Fäden zieht, der Produktionsfirma von Will Smith. “Ein beträchtlicher Teil meines Jobs besteht darin, richtig schlechte Drehbücher zu lesen. […] Ich wollte herausfinden, wie ich so viele gute Skripte wie möglich lesen konnte.” (EW) Also startete er eine Umfrage unter seinen Kollegen nach den zehn am meisten gemochten, noch nicht produzierten Drehbüchern auf dem Markt samt Punkteverteilung, so dass eine stattliche Liste zusammenkam. Bei ihrer ersten Ausgabe (die Liste als pdf) stand Things We Lost in the Fire auf Rang 1, Juno auf 2, Lars und die Frauen auf 3. Im Verfolgerfeld finden sich unter anderem die Drehbücher für Die Queen und Kill the Boss. Nicht alle Titel katapultierten ihre Autoren, wie im Falle von Juno-Schreiberin Diablo Cody, später in die A-List. Manche verschwanden mit dem Verkauf der Rechte im Keller eines Studios. The Only Living Boy in New York, Platz 4, wurde noch immer nicht gedreht. Momentan sind Marc Webb und Logan Lerman attached, wie es im Jargon der Industrie heißt.

War die Liste 2005 noch ein Geheimtipp, ist sie heute eine der wichtigsten Wahrsagekugeln für kommende Indie-Hits und Oscar-Kandidaten. Nicht selten legt sie den Grundstein für den Buzz, der später bei den ersten Festival-Screenings untermauert wird. In den Jahren nach ihrer Gründung punkteten Streifen wie The King’s Speech – Die Rede des Königs, Slumdog Millionär, 50/50 – Freunde fürs ÜberLeben, The Social Network, Argo und Edge of Tomorrow bei den Juroren. Dabei ist die Black List in ihrer ursprünglichen Konzeption weniger ein Sprungbrett für No-Name-Autoren, denn die meisten der Drehbücher wurden längst durch die Flure der Studios gekarrt und verkauft, bevor sie auf der Liste Platz nahmen. Seit Oktober diesen Jahres strebt Franklin Leonard allerdings nach höherem. Auf der neu gestalteten Seite von The Black List soll jeder angehende Drehbuchautor die Chance bekommen, in Hollywood durchzustarten.

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moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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Redakteurin bei moviepilot.de, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Nudel-Restaurants in Hongkong spielen.
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